VW-Krise

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Stadler vor Gericht: dreistündige Rede ohne das Wort „Diesel-Betrugsskandal“

Die VW-Tochter Audi gehörte zu den Hauptakteuren des kriminellen Abgasbetrugs.

Von wb

In fast allen Audi-Kleinwagen und Mittelklasse-Modellen von 2008 bis 2014 wurden unzulässige Abschalteinrichtungen verwendet. Sie sorgten dafür, dass die Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand voll eingeschaltet wurde. Nach eineinhalb Jahren musste jetzt Ex-Audi-Chef Rupert Stadler vor dem Landgericht München aussagen.

 

Er brachte es fertig, in seiner dreistündigen Rede nicht einmal das Wort „Diesel-Betrug" zu benutzen. „Er nennt das kriminelle Tun bis heute die 'Dieselthematik'“.¹ Dabei wirft ihm die Staatsanwalt nur vor, dass er es unterlassen habe, den Verkauf manipulierter Dieselautos zu unterbinden und nicht genügend zur Aufklärung beigetragen zu haben. Aber selbst das bringt Stadler auf die Palme. Er habe erstmals Mitte November 2015 von Audi-Technikern von illegalen Abschaltvorrichtungen erfahren. Außerdem sei er als Betriebswirt in technischen Fragen ein Laie.

 

Dieser Laienschauspieler war Audi immerhin knapp 10 Millionen Euro wert, die er als Abfindung für sein - wegen der Dieselaffäre erzwungenes - vorzeitiges Ausscheiden aus dem Vorstand bekam. Und einmal in Fahrt, knöpft sich Stadler die mitangeklagten Techniker als die wahren Schuldigen vor: „Hätten verantwortliche Entwickler die Hose heruntergelassen, wären viele Probleme der von ihnen verursachten Salamitaktik vermeidbar gewesen“, klagt er.

 

Diese waren im Gegensatz zu ihrem Ex-Chef geständig. Sie berichteten aber auch, dass es bei Audi eine regelrechte Angstkultur gab. Aber wahrscheinlich prallte das an Stadtler ebenfalls ab, weshalb er konzernintern auch „Teflon-Stadler“ genannt wurde.

 

Übrigens hält sich auch der weitere Angeklagte Wolfgang Hatz für gänzlich unschuldig. Die Forderungen der MLPD sind daher immer noch aktuell: „Strafrechtliche Verfolgung aller Verantwortlichen. Für persönliche Verantwortung Haftung mit dem Privatvermögen!“