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Ford-Getrag: Tabubruch – 200 betriebsbedingte Kündigungen

Am Montag, 18.Januar erfuhren die Kollegen im TIC (Transmission Innovation Center – das Entwicklungszentrum des Getriebewerks von Ford Köln) über eine Mitarbeiterversammlung online und die Öffentlichkeit über einen Artikel in der Online-Ausgabe des „Kölner Stadtanzeigers“ von den geplanten 200 betriebsbedingten Kündigungen ab dem 1. Februar 2021. Das TIC soll zugemacht werden - als Folge der Umstrukturierungen in der Autoindustrie im Rahmen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und der Strukturkrise auf der Grundlage der E-Mobilität.

Korrespondenz
Ford-Getrag: Tabubruch – 200 betriebsbedingte Kündigungen
Ford-Entwicklungszentrum und europäisches Teilevertriebszentrum in Köln-Merkenich (foto: El Grafo (via Wikimedia Commons) / CC-BY-SA-3.0))

Bereits am nächsten Morgen informierte die Kollegenzeitung „Scheinwerfer“: „Ein Tabubruch! Seit Beginn der großen Arbeitsplatzvernichtung Mitte 2019 wurde immer wieder damit gedroht, jetzt wird es umgesetzt. Da sieht man, was von all dem Gerede über Sozialverträglichkeit am Ende zu halten ist. Wie lange sollen wir uns das noch anschauen und abwarten? Mit betriebsbedingten Kündigungen ist eine rote Linie überschritten, damit darf keine Geschäftsführung durchkommen. Egal, ob es Faurecia-Kollegen oder wie jetzt vor allem die Getriebeentwicklung „TIC“ und das Prototypenzentrum von GFT betrifft, egal, ob Ingenieure, Meister oder Arbeiter: Das geht uns alle an!“

 

Bei der kurzfristig angesetzten Betriebsversammlung am 20. Januar war der TIC-Firmenparkplatz (340 Parkplätze) gut gefüllt. Die Kollegen hörten die Reden – wegen Corona durch die offenen Autofenster. Von der Ford-Betriebsratsführung wurde das rücksichtslose Vorgehen und der Tabubruch zu Recht mit scharfen Worten gegeisselt. Wer allerdings auch nur ein Wort des konsequenten Kampfes um die Arbeitsplätze erwartet hatte, wurde enttäuscht. Man wolle jetzt verhandeln, und wenn das nicht reicht, auch vor Gericht ziehen.

 

Von der MLPD-Betriebsgruppe gab es eine Solidaritätserklärung, die an der Zufahrt zum Parkplatz mit sehr viel Interesse genommen wurde. Höchst peinlich: Die Betriebsratsspitze missbrauchte Ford-Vertrauenleute, um sie als Ordner gegen die Solidarität mit den von Kündigung bedrohten Kollegen einsetzte. Zwischenzeitlich wurden auch noch Kräfte einer Security-Firma bemüht. Aber weder gingen die MLPDler von der Einfahrt weg, die versuchsweise und vergeblich zum „Privateigentum“ erklärt wurde, noch ließen sich viele Kollegen von der Hetze vorschreiben, was sie nehmen und lesen wollen. In der Erklärung waren solche antikommunistischen Spaltungsversuche bereits thematisiert: „Für die vor den Automobilbelegschaften stehenden harten Kämpfe muss die MLPD als revolutionäre Arbeiterpartei noch wesentlich stärker werden. Wer vor der MLPD warnt oder gegen sie hetzt, schadet dem gemeinsamen Kampf der Arbeiter und Angestellten für ihre Interessen. Lasst euch vom Antikommunismus nicht abhalten, euch selbst unvoreingenommen mit der MLPD auseinanderzusetzen. Stärkt die MLPD und werdet Mitglied!“

 

Aktuell besteht in der Belegschaft noch keine unmittelbare Kampfstimmung. Dazu müssen eine ganze Reihe von Fragen geklärt werden, wozu die MLPD-Betriebsgruppe und klassenkämpferische Kollegen in Betrieb und Gewerkschaft ihre bewusstseinsbildende Arbeit intensivieren.

 

Hier gibt es die Erklärung der MLPD Betriebsgruppe!

 

Hier gibt es einen Scan der Kollegenzeitung Scheinwerfer!