Antifaschismus

Antifaschismus

Frustrierte Neonazis suchen verzweifelt neuen Lebensraum im Osten

Anfang 2020 gründeten verschiedene Neonazis ein Netzwerk namens „Zusammenrücken in Mitteldeutschland“. Über eine Internetseite und ihre Verflechtungen mit der neofaschistischen Szene in ganz Deutschland rufen sie dazu auf, „aus den multiethnischen Gebieten Westdeutschlands in die noch weitestgehend autochthon (von Einheimischen, Eingeborenen, d. Red.) geprägten Regionen Mitteldeutschlands ziehen zu wollen, um für sich selbst und ihrer Familie eine Zukunft unter Deutschen aufzubauen.

Korrespondenz aus Essen

 Ziel des Vorstoßes ist es, ähnlich dem des weißen Ethnostaates, die Volkssubstanz der ethnisch Deutschen erst einmal zu erhalten, um sie letztendlich wieder aufbauen zu können. Man kann es als eine Art taktischen Rückzug begreifen.“ (zitiert aus dem Nazi-Blog Kurskorrektur vom 5.3.2020)

 

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde das neofaschistische Siedlungsprojekt durch den Umzug von Michael Brück Ende 2020. Er ist führender Funktionär der Partei „Die Rechte“, die 2012 als Sammelbecken für die zuvor verbotenen terroristisch-faschistischen „Kameradschaften“ gegründet wurde. Brück, vom antifaschistischen Widerstand offensichtlich zermürbt und frustriert über das schlechte Abschneiden bei den Kommunalwahlen, verzichtete sogar auf sein Ratsmandat in Dortmund. Das von ihm betriebene Hetzportal Dortmundecho, hat seine Aktivitäten nach acht Jahren im September 2020 eingestellt. Ende 2020 vermeldete Brück öffentlichkeitswirksam seinen Umzug nach Chemnitz. Materiell abgesichert ist der abgebrochene Jura-Student Brück durch einen Job bei dem Chemnitzer Rechtsanwalt Martin Kohlmann. Der wiederum ist Chef der neofaschistischen Lokalpartei „Pro Chemnitz“, die bei den Nazi-Ausschreitungen 2018 eine führende Rolle spielte.

 

Chemnitz ist für die neofaschistischen Neusiedler erste Wahl, weil es durchaus ein brauner Hotspot mit langjährigen verfestigten Strukturen und Netzwerken ist. Diese zeigten sich wie in einem Brennglas nach dem tödlichen Messerangriff auf Daniel H. durch einen Asylbewerber 2018. Kurzzeitig boten die Neofaschisten alles auf, was sie hatten, um eine regelrechte Pogromstimmung zu erzeugen. Doch eine antifaschistische Massenbewegung unter dem Motto „Wir sind mehr“ machte diesem Spuk schließlich ein relatives Ende.

 

Es ist eine krasse Fehleinschätzung der Nazi-Initiative, dass der Osten Deutschlands, speziell Sachsen, ein idealer Nährboden für ihre faschistische Demagogie sei. Dennoch muss das Zusammenrücken der Neonazis in bestimmten Gegenden ernst genommen werden. Auch hier gilt: Wehret den Anfängen! Und so wurden Brück und ein weiterer Neonazis aus Dortmund sogleich von Antifaschisten auf Flugblättern ihrer Nachbarschaft „vorgestellt“.