Corona-Pandemie

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Inzidenzen von 1000+ in der Industrie unvorstellbar?

Angesichts der Forderung nach Einbeziehung der Betriebe in den Lockdown behaupten Monopolvertreter wie Volker Müller, Chef des Unternehmerverbandes Niedersachsen, dass ein Corona-Inzidenzwert von über 1000 in der Industrie unvorstellbar sei.

Von Korrespondenten
Inzidenzen von 1000+ in der Industrie unvorstellbar?
Voller Werksparkplatz vor einem großen Automobilbetrieb (rf-foto)

Müller behauptet doch glatt, es „stammen nur fünf Prozent der Infektionen aus Betrieben“.¹ Die Wolfsburger Allgemeine weiß zeitgleich am 15. Januar: „Die Inzidenzwerte in den Werken liegen aber weiter deutlich unter denen außerhalb der Werkszäune.“² Damit schreibt die VW-Hauszeitung fast wortgleich die VW-Propaganda ab, wie beispielsweise die des VW-Werkleiters Hannover, Thomas Hahlbohm: „Im Werk haben wir prozentual weiterhin weniger positive Covid-Fälle als außerhalb des Werkszauns“.³

 

Allein – man muss es diesen Herrschaften glauben. Belege? Fehlanzeige! Die sonst vielbeschworene Transparenz? Seit Monaten wird sie den Belegschaften und der Öffentlichkeit verweigert. Nicht ohne Grund.

 

Beispiel VW-Werk Hannover: Im November wurden innerhalb weniger Tage 30 Kollegen positiv getestet. Das musste der Werkleiter in seltener Offenheit eingestehen. Das geschah aber erst nach einer Drohung des Gesundheitsamtes, die Behörde würde die Klassifizierung der Kontaktpersonen aus dem Kollegenkreis wieder wie zu Beginn der Pandemie selbst durchführen, wenn VW die Hygienevorschriften nicht besser einhalte.

 

Selbst auf die gesamte Belegschaftsstärke 15.000 hochgerechnet, ergibt sich bei 30 Infizierten ein Sieben-Tage-Inzidenzwert von 200 – zu dem Zeitpunkt dreifach höher als in der Region und der Stadt Hannover. Kein Wunder also, dass das Gesundheitsamt Alarm schlug. Zu dem Zeitpunkt war aber ein großer Teil der Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice, krank oder im Urlaub. Geht man also von den tatsächlich anwesenden 7000 bis 8000 Kolleginnen und Kollegen in den Hallen und angrenzenden Bereichen aus, ergibt sich ein Inzidenzwert von ca. 400. Da aber ein Großteil der Infektionen im November in der Fahrzeugendmontage mit 3000 anwesenden Kolleginnen und Kollegen auftrat, gehen kritische Kollegen sogar von dem dramatischen Inzidenzwert 1000 aus.


Diese Zahlen belegen: Betriebe sind wahre Hotspots der Corona-Infektion! Sollte an der Beweisführung etwas nicht stimmen – liebe Herren Monopole – treten Sie doch den Gegenbeweis an, wir warten nur auf echte, offizielle Zahlen. Aber selbst wenn die Zahlen in den Werken geringer als „außerhalb der Werkszäune“ lägen, wie die Kapitalistenpropaganda behauptet, ändert das ja nichts daran, dass weitere Kontaktreduktionen auch in den Betrieben notwendig sind, um eine weitere Entfaltung der Pandemie zu verhindern.

 

Und genau da wird die profitgetriebene kapitalistische Logik deutlicher als in bloßen Zahlen: Desinfektionsspender an Treppenhäusern, Werkzeugdesinfektionen zur Pause, Spuckschutz auf Zweier-Pausentischen usw. sind zweifellos geeignete Maßnahmen, die stückweise eingeführt wurden. Entscheidend wären aber arbeitsorganisatorische Veränderungen gewesen wie zum Beispiel die Verringerung der Bandgeschwindigkeit und die Entkoppelung der Schichten, um größere Kollegengruppen voneinander zu isolieren. Das wird seit Monaten entgegen der massenhaften Forderung aus der Belegschaft von der Werksleitung blockiert, obwohl es sogar im Frühjahr noch umgesetzt war. Das hatte auch der leitende Werksarzt, Dr. Hillebrecht, gefordert und gegenüber Kollegen resigniert erklärt, die Werksleitung müsse die Wirtschaftlichkeit abwägen. Weitere Fragen? Wirksamen Gesundheitsschutz müssen wir Arbeiter selber erkämpfen!

 

Wirksamer Gesundheitsschutz - das ist aktuell der komplette zwei- bis dreiwöchige Lockdown einschließlich Stilllegung der Autoproduktion!