Corona
Massive Kritik an der Impfstrategie in Gelsenkirchen
Wegen der chaotischen Impfstrategie in Gelsenkirchen - aber auch deutschlandweit - haben der Facharzt für Allgemeinmedizin aus Gelsenkirchen, Günter Wagner, und ein weiterer Leser Briefe an die Redaktion der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ geschrieben. Wir dokumentieren sie hier:
Sofortige Änderung der Impfstrategie
Die Medien sind voll von Beschwerden, was das Impfen betrifft: Die alten Leute kommen mit dem Anmeldevorgang nicht klar; die Leitungen sind dauernd belegt, überlastet usw. Ich kann hier nicht alle Beschwerden aufführen. Kurzum: Es herrscht ein heilloses Durcheinander. Dieses Chaos wäre nicht entstanden, wenn man den Vorschlägen von vielen Ärzten gefolgt wäre. Nämlich, die Ärzte (niedergelassene, Krankenhausärzte, Betriebsärzte usw.) von Anfang an in die Impfstrategie miteinzubeziehen, statt aufwändige, sehr teure, bürokratische Impfzentren aufzubauen.
Wir Ärzte kennen nämlich unsere Patienten und haben kurze Wege für die Älteren. Sofortige Änderung der Impfstrategie!
Günter Wagner
Facharzt für Allgemeinmedizin
Der eigentliche Skandal ist die geringe Verfügbarkeit von Impfstoff
1000 Impfdosen je Woche für Gelsenkirchen bis Ostern. Ich bemühe den Dreisatz: Wenn wir bis Ende August eine Impfquote von 75 Prozent in der Stadt erreichen wollen, dann müssten nach Ostern jede Woche mehr als 8000 Dosen verimpft werden.
Die Regierungen scheitern am Profitinteresse der Pharmakonzerne - wer mehr zahlt, bekommt den Stoff früher und wer das Patent hat macht den Reibach!
In einer weltweiten Pandemie müssen die Regierungen die Konzerne mindestens zur Lizensierung der Patente verpflichten und Konzerne, die bereits die Produktionskapazitäten haben, müssen zur Lizenzfertigung verpflichtet werden. Ein solches Vorgehen wird gar nicht in Erwägung gezogen. Statt dessen: Impf-Nationalismus überall und die Bereitschaft, immer höhere Preise zu zahlen. Das wirft Fragen auf, wer in unserer Gesellschaft eigentlich bestimmt, wo es lang geht!