Reisen in Corona-Zeiten

Reisen in Corona-Zeiten

Mit dem Rad durch Berlin Teil 1

Eigentlich wollen wir unseren Urlaub im Süden verbringen, mehr Licht und Wärme. Aber unter Corona- und Lockdown-Bedingungen blieben wir in Berlin. Urlaub wollten wir aber trotzdem machen.

Von Elvira Dürr

So haben wir - natürlich komplett Corona-konform mit großen Abständen und nicht als Gruppe - mehrere Ausflüge per Fahrrad gemacht. Ich nutzte das, um die Stadtführungen zu bekommen, an denen ich sonst meist wegen Ständen, die ich für People to People durchführe, nicht teilnehmen kann.

 

Zu dritt gings also los. Einmal fuhren wir auf den Spuren der Kämpfe 1919 und 1920, die es reichlich gab. Für mich war auch einiges Neues dabei: So wusste ich nicht, dass es die Demonstration vorm Reichstag im Januar 1920 war, auf der es die meisten Toten auf einer Demonstration in Deutschland gab – 128 tote Arbeiter. Die Proteste richteten sich gegen das Zunichtemachen der Erfolge der Novemberrevolution mit einem reaktionären Betriebsverfassungsgesetz. Die SPD spielte eine sehr unrühmliche Rolle! So verabschiedete sie nicht nur diesen Betrug mit, sondern setzte auch das Gesetz des Standrechts durch, vorne dran der Reichswehrminister „Bluthund“ Gustav Noske. Damit konnte, wer mit Waffe angetroffen wird, auf der Stelle erschossen werden! Und das Standrecht wurde reichlich angewandt! Alleine im Bezirk Lichtenberg, einer Hochburg der KPD, wurden im ersten Halbjahr 1919 über 1000 v. a. Arbeiter erschossen! Zum 100. Jahrestag wurde ein Denkmal für elf der Erschossenen in der Nähe des Rathauses Lichtenberg errichtet. Das haben wir auch besucht. Aber wir haben es versäumt bei seiner Einweihung dabei zu sein. Das darf uns nicht noch mal passieren.

 

Ich habe mit diesem mir neuen Geschichtserleben besser verstanden, wie die KPD damals zur falschen Sozialfaschismustheorie kamen – es waren eben auch SPDler die viele KPDler und Arbeiter erschossen haben oder die für deren Tod verantwortlich waren. Aber dennoch war sie nicht richtig und hatte schwerwiegende Folgen - auch deshalb kam die Einheitsfront gegen den Hitler-Faschismus nicht zustande.

 

Es erklärt aber auch, warum es in Berlin während des Kapp-Putsches nur wenige militärische Kämpfe gab – die Arbeiter waren nur noch wenig bewaffnet.

 

Wird fortgesetzt