Tunesien

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Erneute Kämpfe zehn Jahre nach dem „arabischen Frühling“

In Tunesien vertiefen sich die wirtschaftliche und die politische Krise.

Korrespondenz aus Paris
Erneute Kämpfe zehn Jahre nach dem „arabischen Frühling“
Ein Bild aus den Kämpfen gegen den Diktator Ben Ali. Auch jetzt geht die Polizei wieder mit harten Bandagen gegen die Massenproteste vor (foto: raphaelthelen (CC BY-2.0 generic))

Die Preise der Grundnahrungsmittel verdoppeln oder verdreifachen sich: Grieß, Mehl, Öl, Gemüse und Obst. Mehrere Entlassungswellen in der Industrie haben Armut und Elend der tunesischen Arbeiter erhöht. Tunesische Jugendliche aus Arbeitervierteln gingen zornig auf die Straße.

 

Während die nächtlichen Unruhen in den letzten Tagen abgeklungen zu sein schienen, wurden sie nach dem Tod eines jungen Mannes, Haykel Rachdi, aus Sbeïta wieder fortgesetzt. Er wurde während einer Demonstration am 19. Januar von einer Tränengas-Granate am Kopf getroffen. Nach Angaben mehrerer Zeugen hat die Polizei ihn absichtlich erschossen.

 

Seit Mitte Januar gibt es ein brutales Vorgehen gegen die Demonstranten. Mit mehr als 600 Festnahmen in vier Tagen, gewaltsamen Festnahmen und dem Abfeuern von Gummigeschossen, versucht die Regierung, eine unvermeidliche Mobilisierung im Keim zu ersticken.

 

Der französische Imperialismus zögerte nicht, logistische und polizeiliche Unterstützung zu leisten, um die Proteste niederzuschlagen: Nicht weniger als 60 Lastfahrzeuge zur Aufstandsbekämpfung wurden diese Woche von Marseille nach Tunesien verschickt. Es geht um die wirtschaftlichen Interessen des französischen Imperialismus in Tunesien und allgemein in der Region. Das erinnert an 2011 als die französische Innenministerin Michelle Alliot Marie dem Diktator Ben Ali "französisches Know-how" zur Aufrechterhaltung der Ordnung anbot. Solidarität mit den Kämpfen des tunesischen Volkes!