Myanmar

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Aufstandsähnliche Massenproteste

Am Montag, dem 8. Februar 2021, wurde in Teilen von Myanmars zweitgrößter Stadt Mandalay das Kriegsrecht verhängt, nachdem Hunderttausende im ganzen Land gegen den Putsch demonstriert hatten.

hb

Unvermindert halten die Proteste an. Sie werden mit Mut und großer Entschlossenheit geführt. In Yangon, der Wirtschaftsmetropole des Landes, strömten seit Montag riesige Menschenmengen auf die Hauptstraßen, legten den Verkehr in der ganzen Stadt lahm. Demonstranten halten Schilder hoch, die den Militärchef Myanmars, General Min Aung Hlaing, anprangern. Die Hauptlosungen sind „Nieder mit der Militärdiktatur" und "Lasst Daw Aung San Suu Kyi und die Verhafteten frei". Ein Drei-Finger-Gruß sowie rote Fahnen der NLD (Nationale Liga für Demokratie) wurde zum Symbol der Bewegung. Nächtliches Klopfen auf Töpfen und Pfannen ist Teil des Protestes. Aufrufe zu einem landesweiten Streik hatten am Wochenende an Dynamik gewonnen, als Textilarbeiter, Beamte und Bahnangestellte in der Handelsmetropole die Arbeit niederlegten. Die Entwicklung im Land befindet sich im Übergang zu einer gesamtgeselslchaftlichen Krise.

 

Myanmar hat geostrategische Bedeutung für die neuimperialistischen Länder China und Indien sowie für den EU- und den US-Imperialismus. Für China spielen sowohl die Rohstoffe als auch der Zugang zu den Häfen im Golf von Bengalen und in den Adamanen eine strategische Rolle. Schon lange gibt es massive Proteste der Bevölkerung gegen chinesische Großprojekte in Myanmar. US-Präsident Biden droht den Militärs mit Sanktionen. Der UN-Menschenrechtsrat bekommt vor seiner Sitzung am Freitag eine von der EU und Großbritannien ausgearbeitet Resolution vorgelegt, in der der Militärputsch verurteilt wird. 

 

Für die Massen in Myanmar ist es nicht einfach, die Freunde und Feinde zu erkennen und zu unterscheiden. Der Kampf um demokratische Rechte und Freiheiten und gegen das faschistische Militär verband sich schon lange mit Aung San Suu Kyi und ihren demokratischen Versprechungen. Der Vater von Aung San Suu Kyi war Kommandeur der Burma Independence Army und Vorsitzender der Anti-Fascist People's Freedom League und wurde 1947 ermordet. Seinem Ansehen verdankt sie u.a. ihre große Popularität. Die Massen in Myanmar wurden zwar in vielen Fragen von Aung San Suu Kyi in ihrer Regierungszeit enttäuscht, aber sie wollen auf keinen Fall wieder zurück zur Militärdiktatur.