Gelsenkirchen

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Brief an gekündigte Kumpel

Gerd Labatzki, früher Schweißer, Betriebsrat und Vertrauenskörperleiter bei Küppersbusch in Gelsenkirchen, jetzt Rentner und weiter aktiver IG Metaller, hat sich an die "Rote Fahne Redaktion" gewendet, um auf diesem Weg seine Solidarität mit den gekündigten Bergleuten zum Ausdruck zu bringen und sie zu ermutigen.

Gerd Labatzki

Liebe Bergleute, liebe Familien, ich habe auf dem täglichen Nachrichtenportal Rote Fahne News vom dreisten Ultimatum und dem neuen Abfindungsangebot der RAG gelesen. Ich verfolge seit nun fast zwei Jahren euren berechtigten Kampf gegen die Kündigungen mit großer Sympathie.

 

Meine ganzen Erfahrungen als jahrzehntelanger rebellischer Betriebsrat und Vertrauenskörperleiter bei Küppersbusch ist: Diese Verarschung an euch und euren Familien kann man einfach nicht kampflos hinnehmen. Was glauben die Herren der RAG eigentlich, wer ihr seid? Ihr seid es, die Ehre und Würde haben. Die Herren da oben haben so etwas nicht, weil sie nicht wissen was das ist.

 

Das ist keine Abfindung, die man euch anbietet, sondern ein Almosen, ja eine Beleidigung für das, was ihr bisher geleistet habt.

 

Warum sollen wir uns eigentlich immer mit allem abfinden. Wir müssen uns mit gar nichts abfinden. Sollen wir uns damit abfinden, dass hier immer mehr Arbeitsplätze vernichtet werden? Sollen wir uns damit abfinden, dass unsere Jugend immer weniger Ausbildungsplätze hat? Sollen wir uns damit abfinden, dass sie bestimmen, wie unsere Zukunft aussehen soll und wie wir leben sollen und dürfen?

 

Kämpft weiter, Kollegen, und zeigt ihnen da oben, dass wir uns mit nichts mehr abfinden. Meine Unterstützung habt ihr, wenn ihr sie möchtet.

 

Mit herzlichen Grüßen an Euch und Eure Familien!

 

Euer Gerd, der sich auch mit nichts mehr abfindet.

 

Gelsenkirchen, 11. Februar 2021