Antikommunismus / Kultur

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Kaum zu glauben: Goethes Faust - ein "Stalinist"?

Da sitzt man morgens noch so gemütlich am Frühstückstisch und hört sich in SWR 2 Wissen „Goethes ‚Faust II‘ Gutes wollen, Böses tun“, eine Sendung von Sabine Stahl vom 4. Februar 2021, an.

Korrespondenz aus Stuttgart
Kaum zu glauben: Goethes Faust - ein "Stalinist"?
Screenshot aus Friedrich Wilhelm Murnaus "Faust"

Interessiert hört man Faust die aus der Schulzeit noch bekannten Sätze sagen:

 

„Solch ein Gewimmel möcht ich sehn,

Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn,

Zum Augenblicke dürft ich sagen:

Verweile doch, du bist so schön!

 

Es kann die Spur von meinen Erdentagen

Nicht in Äonen untergehn.-

Im Vorgefühl von solchem hohen Glück

Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick.“

 

Es ist Fausts Traum von einer befreiten Gesellschaft, wo ein freies Volk auf freiem Grund in Einheit mit der Natur arbeitet und lebt.

Aber was macht die Sendung daraus?

Sprecherin: "Auch Fausts letzter Monolog zeugt von Verblendung: Wieder will er weitermachen, nochmals Neues in Angriff nehmen, zum angeblichen Wohl einer Massengesellschaft."

 

Und damit die Hörerinnen und Hörer ja in die richtige Richtung denken, wird ein gewisser Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Detering, seines Zeichens Professor für Neuere Deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft in Göttingen, als professorale Autorität zitiert: "Es ist natürlich Ausdruck seines Übermuts, seiner Hybris, da steckt schon so ein stalinistisches Selbsterhöhungs- und Diktatorenprogramm drin. Aber es ist auch etwas darin, das noch den Geist der Französischen Revolution atmet. Es geht nur alles, auch das, was gut gewesen sein mag an Fausts Plänen, vor unseren Augen zugrunde, es wird zum Teufelswerk!"

 

Fürwahr, für wie bescheuert halten diese Medien und ihre antikommunistischen Professoren eigentlich ihre Hörer? Da wird selbst Goethes fortschrittlicher Vorsatz in einer antikommunistischen Manipulation mit einem - wie auch immer behaupteten - „stalinistischem Selbsterhöhungs- und Diktatorenprogramm“ gleichgesetzt. Da wird der Freiheitsgedanke von Faust zur "Verblendung", wird "zum Teufelswerk!" Wenn der moderne Antikommunismus zu solchen Methoden greifen muss, dann ist das echt ein untrügliches Zeichen seiner Krisenhaftigkeit.