Marokko

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Textilfabrik-Unglück: Legal oder illegal?

"Rote Fahne News" hat am 12. Februar von dem schrecklichen Unglück in einer marokkanischen Textilfabrik berichtet. 28 Arbeiterinnen und Arbeiter fanden den Tod durch eindringende Wassermassen, wegen versperrter Türen konnten sie sich nicht befreien.

Von nek

Nun veröffentlichte am 9. Februar die Seite „Riftime“ Hinweise des Bruders des Firmenchefs. Er sagt, der Betrieb sei „weder geheim noch illegal“ gewesen. Mit solchen Berichten wolle sich der „Staat seiner Verantwortung entziehen“. Man habe „mehrmals den Notdienst und die Behörden angerufen, aber niemand hätte geantwortet“.¹

 

Die marokkanische Textilindustrie besteht überwiegend aus Klein- und Mittelbetrieben, deren Besitzer sich, genau wie die Regierung, dem Diktat der internationalen Modekonzerne unterordnen. Vielfach stehen Arbeitsstandards nur auf dem Papier. Zentralplus-ch berichtet, dass über die Hälfte der Textil- und Lederprodukte in Marokko unter ungesetzlichen Arbeitsbedingungen hergestellt seien.²

 

Offensichtlich besteht eine Diskrepanz zwischen den gesetzlichen Rechten auf dem Papier und der Realität. Denn durch die große Armut der marokkanischen Frauen bekommt auch die Überausbeutung einen viel größeren Spielraum.

 

Aber die Textilarbeiterinnen gehören weltweit auch zu den kämpferischsten Belegschaften, und ihre Aktivistinnen sind oftmals in der kämpferischen Gewerkschaftsbewegung, teilweise in der Weltfrauenbewegung und in revolutionären Bewegungen, aktiv. Vertreterinnen der marokkanischen und der tunesischen Textilarbeiterinnen nahmen an den Weltfrauenkonferenzen der Basisfrauen 2011 und 2016 teil, letztere waren auch Gast auf dem Frauenpolitischen Ratschlag 2019 in Erfurt. Dort nahm auch Joly Talukder, die Vorsitzende der Textilarbeiterinnengewerkschaft GWTUC aus Bangladesch, teil. Sie steht für zukunftsweisende länderübergreifende Solidarität zwischen der gewerkschaftlichen Frauenbewegung in Deutschland und in Bangladesch.