Sao Paulo/Brasilien

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Nach Tod einer Lehrerin: 36 Lehrergewerkschaften und Bildungsvereine im Widerstand

Seit dem 29. Januar gilt die vom Bildungsminister des Bundesstaates São Paulos, Rossieli Soares, per Gericht durchgesetzte Präsenzpflicht in staatlichen Schulen und privaten Bildungseinrichtungen. Dagegen hatten Dutzende Gewerkschaften und Anwälte geklagt, leider erfolglos.

Korrespondenz

Seitdem kämpfen vor allem die Lehrergewerkschaft Apeoesp sowie Eltern und Schüler öffentlich dagegen. Gleichzeitig wird auch gegen die reaktionär-faschistoide Bildungspolitik der Bolsonaro-Regierung und gegen die Militarisierung von Schulen protestiert. Das ist Teil der landesweiten Proteste der Gewerkschaften und der Volksbewegung „Fora Bolsonaro“.

 

Im Bundesstaat gibt es fast 60.000 Tote und 2 Mio. bestätigte Corona-Fälle. Schulen, Industrie und Handel sollen um jeden Preis offen bleiben, trotz katastrophaler Lage in S.P., wo 71 Prozent der Intensiv-Betten in Krankenhäusern belegt sind.

 

Besonders tragisch: Der Fall der Lehrerin Maria Tereza de Lourenço (32), die am 20. Februar an Corona starb. Zwei Tage zuvor war ihre Mutter an Corona verstorben. Sie ist damit das erste Opfer der Schulöffnungen seit Ende Januar in S.P.

 

Ein „Manifest für das Leben!“ der Gewerkschaft wird über soziale Medien und Schulen verbreitet. Überall im Bundesstaat gibt es öffentliche Proteste, Resolutionen, schwarze Bänder an Autos und Fenstern. Schilder und Plakate auf der Straße, die für die Schließung der Schulen plädieren, solange nicht massenhaft geimpft und getestet wird - eine der zentralen Forderungen der Gewerkschaft. Denn ohne diese Maßnahmen sind, wie S.P. zeigt, Schulen und der Schulweg z. B. mit Bussen gefürchtete Übertragungsorte für Corona.

 

Entsprechend gibt es auch "zivilen Ungehorsam" unter den Schülerinnen und Schülern: Nur rund 60 Prozent der Schüler gehen überhaupt in die öffentliche Schule und sieben Schulen in São Paulo weigern sich wegen interner Corona-Fälle, zu öffnen - trotz Drohungen des Bildungsministers.