Metall- und Elektroindustrie

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Tarifrunde nimmt Fahrt auf

Die aktuelle Metall-Tarifrunde hat politische Brisanz. Mitten in der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, die von der Corona-Krise verschärft wird, stehen die Arbeiterinnen und Arbeiter vor der Herausforderung, ihre eigene Rechnung aufzumachen. Setzen sich die Monopole mit ihrer Nullrunden-Politik durch oder wird die Tarifrunde zu einer Schule des Wegs zur Arbeiteroffensive?

Von gp
Tarifrunde nimmt Fahrt auf
Kämpferischer Auftakt der Tarifrunde heute in Schweinfurt (rf-foto)

Dafür setzt sich die MLPD mit bewusstseinsbildender Kleinarbeit ein, wie sie es in ihrem Zukunftsprogramm ausführt: "Die letzten Monate haben gezeigt, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter auch in der Krise und unter Gesundheitsschutzmaßnahmen kämpfen wollen und können – in Deutschland und weltweit! Um aber eine dem internationalen Finanzkapital überlegene Kraft zu werden, braucht es mehr Organisiertheit, eine gesellschaftliche Perspektive und Klarheit, für welche Forderungen gekämpft werden muss. Dafür brauchen wir den entschlossenen Weg zur Arbeiteroffensive, als gesellschaftsverändernde Bewegung, um im Kampf für eine sozialistische Alternative voranzukommen."

 

Den ersten Warnstreik in der laufenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindutsrie gab es am 1. März bei Mercedes in Ludwigsfelde. Dort legten 300 Kolleginnen und Kollegen der Frühschicht ihre Arbeit um 12.30 Uhr für zwei Stunden nieder und ließen die Bänder stillstehen. Neben der Forderung nach 4 Prozent mehr Lohn und Erhalt der Arbeitsplätze stand der Kampf um die Angleichung von Löhnen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen in Ost und West im Mittelpunkt. „Über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es endlich an der Zeit für die Angleichung,“ so ein Kollege.

 

Pünktlich um Null Uhr heute Nacht folgten in vielen Betrieben weitere Warnstreiks: in Bremen bei Daimler, in Hamburg bei Airbus Operations, in Lohr bei Bosch Rexroth, in Weilbach bei Linde Material Handling, in München bei RF360 Europe, in Regensburg bei Mahle-Behr und in Elchingen bei Bosch Rexroth, beim Autobatterie-Hersteller Clarios in Hannover.

 

Der IG Metall Bezirk Mitte meldet: „Mehr als 600 Beschäftigte beteiligten sich an den Mitternachtswarnstreiks bei Continental in Rheinböllen, Norma in Maintal und Gerbershausen sowie bei ThyssenKrupp Rasselstein in Andernach.“ Die Kolleginnen und Kollegen von Bosch in Stuttgart-Feuerbach zogen ab 4:30 mit Fackeln vor das Tor.

 

Aus Schweinfurt berichtet ein Korrespondent der MLPD: "2500 Kollegen von SKF und ZF waren nach der Nachtschicht die zweiten, die die provokatorische Ablehnung einer Tariferhöhung schon gleich zu Beginn der Tarifrunde beantworteten. Der Bericht der Verhandlungskommission wurde mit breiter Empörung und viel Lärm aufgenommen. Kein Wunder, sprachen diese Herrschaften doch davon, dass die IG-Metall Lügen über die Situation verbreiten würde. Die Redner der Gewerkschaft gingen auch auf eine notwendige Arbeitszeitverkürzung ein, für die es einen Ausgleich geben müsse. Die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist bei den Kollegen noch nicht so in der Diskussion, wie wir bei unseren Gesprächen merkten. Über das Vorgehen in der Tarifrunde waren wir uns meist schnell einig. Auf das Flugblatt angesprochen, kamen etliche Argumente, dass es doch zu weit ginge, obwohl die Forderungen richtig seien. Man merkte, dass die MLPD den Kollegen zunehmend ein Begriff ist. Zwei IG-Metall-Ordner wollten, dass wir unsere Fahne einrollen, das sei nicht erlaubt. Nachdem wir uns davon nicht beeindrucken ließen, trollten sie sich wieder unverrichteter Dinge. Ein Fernsehteam ging da ganz anders ran: Als sie am Beginn der Aufstellung unsere Fahne sahen, wurde der Fahnenträger gleich interviewt. Es wurde sogar gleich im ZDF gebracht.
Wegen Corona wurden diesmal noch nicht alle Betriebe zusammengeholt, sondern die Kollegen geben heute den Staffelstab an die Schaeffler-Kollegen morgen und weitere Werksteile am Donnerstag weiter. Die kämpferische Belegschaft des Werks in Eltmann, das geschlossen werden soll, ist neben weiteren am Freitag aufgerufen."

 

Gestern fanden neben dem bundesweiten Livestream bereits hunderte Aktionen in ganz Deutschland statt. So berichtet der Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen der IG Metall: „Rund 1330 Beschäftigte aus den Betrieben Handtmann Leichtmetallgießerei, GKN Driveline in Mosel, Radsystem in Mosel, Mahle in Reichenbach und Volkswagen Sachsen in Zwickau setzten mit kreativen Aktionen am 1. März eindrucksvolle Zeichen. In Leipzig beteiligten sich rund 170 Kolleginnen und Kollegen von Siemens Compressor Systems in Plagwitz und Siemens Schaltanlagenbau in Böhlitz-Ehrenberg an Auto-Korsos und Kundgebungen vor den Betrieben.“

 

Eine Besonderheit ist, dass der Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in Betrieben und Konzernen wie bei Siemens Energy, Conti usw., fester Bestandteil der Aktionen und Warnstreiks ist. Aber auch weitere Forderungen wie zum für Gesundheitsschutz und nach einem sofortigen konzentrierten Lockdown als Teil eines Stufenplanes im Kampf gegen eine dritte Corona-Welle gehören auf die Warnstreiks. Für heute und in der ganzen Woche sind weitere zahlreiche Warnstreiks angekündigt. Auf den Fotos sieht man deutlich, dass sich die Arbeiter und Arbeiterinnen diszipliniert an den notwendigen Gesundheitsschutz halten.

 

Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf versucht die Warnstreiks herunterzuspielen: „Manche IG-Metaller-Seelen brauchen wohl ein bisschen Geklapper, … .“ Das ist eine Verhöhnung der um ihre gewerkschaftlichen Forderungen kämpfenden Kolleginnen und Kollegen. Tatsächlich spiegelt sich darin aber die Angst von Gesamtmetall wider, dass aus diesem „Geklapper“ ein gewerkschaftlicher Streik wird. Denn mitten in einer weiteren Zuspitzung der Corona-Krise und der anhaltenden Weltwirtschafts- und Finanzkrise kann das dazu führen, die allgemeine Kampfbereitschaft gegen die Abwälzung der Krisenlasten durch Monopole und Regierung zu steigern. Vor allem aber kann sich in Wechselwirkung mit der Arbeit der Betriebsgruppen der MLPD das Selbstbewusstsein der Arbeiterinnen und Arbeiter und die Bereitschaft wachsen, weitergehende Rechnungen mit der Regierung und den Monopolen aufzumachen!

 

Solidaritätserklärung der MLPD Halle mit den Metallern

 

Kundgebung in Berlin