Finanzsystem

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Greensill–Pleite – Wer profitiert und wer verliert?

Seit einer Woche geht die Pleite der Greensill Bank durch die Medien.

Von einem Korrespondenten aus Kassel
Greensill–Pleite – Wer profitiert und wer verliert?
(grafik: Kconsulting87 (CC BY-SA 4.0))

Faule Kredite und Bilanzbetrug führten zu einer Sperrung durch die BaFin und zur Insolvenz. Diese Pleite und die Millionenverluste für Kleinsparer und Kommunen sind der aktuelle Höhepunkt einer sich unter der Oberfläche entfaltenden Krisenhaftigkeit des Weltfinanzsystems, die auch Ausdruck einer sich beschleunigenden Tendenz zur gesamtgesellschaftlichen Krise des imperialistischen Weltsystems ist.

 

Auf ihrer Homepage bezeichnet sich die Bank als „seit Generationen zuverlässiger Partner für Privatkunden und kleinere und mittelständische Unternehmen“.¹ Das war eine bewusste Täuschung, um „kleine“ Anleger anzulocken. Tatsächlich ist sie Teil eines weltweiten hochspekulativen Systems der Umverteilung von Milliarden Euro gewesen.

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Mit dem bei der Greensill Bank angelegten Geld wurden hoch riskante Kredite finanziert, z. B. an den indischen Stahlriesen Gupta. Hier hießen diese Kredite „funky tools“ und finanzierten ausstehende Forderungen von Gupta an ihre Kunden auf rein spekulativer Grundlage. Seitens der Greensill Bank wurde angenommen, dass ein Geschäft von Gupta zustandekommt und dieses im Vorhinein bewertet. Diese Kredite wurden über Verkauf von Fonds finanziert – allein durch die Schweizer Bank Credit Suisse in Höhe von 10 Milliarden Euro.

 

In Deutschland bot die Greensill Bank in den heutigen Nullzins-Zeiten auf dieser spekulativen Grundlage zeitweilig überdurchschnittlich hohe Zinsen an und stand hoch in „Ratings“, die ebenfalls als Teil der systematischen Täuschung und des Betrugs sind. Es entstand so der Eindruck, die Greensill Bank sei eine „sichere Anlage“. Nach dem Wirecard-Skandal hat die deutsche Finanzaufsicht BaFin wieder einmal „nichts gemerkt“. Auch hier kann man den begründeten Eindruck bekommen, dass bewusst nicht so genau hingeschaut wird – Hauptsache, der Rubel rollt. Der Zusammenbruch der Greensill Bank erfolgte schließlich aufgrund einer Sperrung der Fondsgeschäfte durch Credit Suisse.

 

Die Folgen sind für die Anleger dramatisch: Das Geld ist gesperrt, eventuell weg. In Deutschland haften Privatbanken für die private Einlagen gemeinschaftlich – ob und wann man sein Geld kriegt ist trotzdem unsicher. Nicht geschützt von dieser Einlagensicherung ist allerdings ein Teil der Anlagen von 50 Kommunen bei der Greensill Bank. Das trifft zum Beispiel für die Kölner Städtischen Bühnen zu, die einen zweistelligen Millionenbetrag bereits ausgezahlter Krediten für die Opernsanierung dort angelegt hat. Ein großer Teil der insgesamt ca. 500 Millionen Euro aus kommunalen Gebietskörperschaften dürfte in dieser Spekulationsmaschine auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein. Sie werden in Zukunft in der einen oder anderen Form auf die Bevölkerung umgelegt werden.

 

Ein Lehrbeispiel für die zunehmende Durchdringung von Kommunalpolitik und Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems. Schon 2003 analysierte die MLPD: „Für die Massen ist die [kommunale] Privatisierungswelle keineswegs 'attraktiv', sondern bedeutet wachsende Ausplünderung. […] Diese negativen Auswirkungen verstärken sich noch durch dubiose Finanzgeschäfte der Kommunen.“²