Nichts ist vergessen

Nichts ist vergessen

Würdiges und zukunftsgewandtes Gedenken an die Freiheitskämpfer der Roten Ruhrarmee

Vor 101 Jahren, am 13. März 1920, führten ultrareaktionäre Kräfte des preußischen Junkertums, des Militarismus und der Großindustrie unter Führung von Kapp und Lüttwitz einen faschistischen Putsch durch und stürzten die SPD-geführte Regierung in Berlin.

Von Korrespondenten / Rote Fahne
Würdiges und zukunftsgewandtes Gedenken an die Freiheitskämpfer der Roten Ruhrarmee
Kranzniederlegung für die Freiheitskämpfer der Roten Ruhrarmee (rf-foto)

Dagegen streikten in ganz Deutschland die Arbeiter. Die Faschisten wollten den Streik zusammenschießen. Doch die Arbeiter bewaffneten sich.

 

100.000 Bergleute, Stahlarbeiter, Frauen schlossen sich in der Roten Ruhrarmee zusammen. Eine proletarische Einheitsfront aus den verschiedenen Gewerkschaften und Parteien unter maßgeblicher Rolle der Kommunisten brachte in einem bewaffneten Kampf dem Putsch eine Niederlage bei. Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und Parteilose kämpften gemeinsam. Sie proklamierten: „Wir kämpfen nur für unsere Ideale, die die der ganzen Menschheit sein müssten. Für ein freies Volk auf freiem Grund!“

 

Heute fanden in verschiedenen Städten im Ruhrgebiet und einzelnen im Rheinland würdige Gedenkfeiern statt. Bergleute, Stahlarbeiter, fortschrittliche Leute aus verschiedenen Initiativen, Kommunalwahlbündnisse, Kumpel für AUF, Frauen, Jugendliche, der Jugendverbad REBELL, die MLPD, einzelne Vertreter der Linkspartei und weitere versammelten sich unter Einhaltung der Corona-Schutzbedingungen, um der Freiheitskämpfer zu gedenken, die damals die Errichtung einer faschistischen Diktatur verhinderten.

Marl

Eine Feier war am sogenannten „Spartakistengrab“ bei Marl. Hier ruhen seit 101 Jahren 34 ermordete Arbeiter, überwiegend Bergleute und Stahlarbeiter. An ihnen hatten Freikorpssöldner und Reichswehrtruppen blutige Rache dafür genommen, dass die Rote Ruhrarmee mit einem bewaffneten Aufstand den faschistischen Kapp-Putsch niedergeschlagen und die Zukunft in die eigenen Hände genommen hatte. Andreas Tadysiak, Hauptkoordinator der Internationalen Bergarbeiterkonferenz, schlug in seiner Ansprache einen Bogen zu den heute erbitterten Kämpfen von Bergleuten auf der ganzen Welt und gegen die Politik der verbrannten Erde durch die RAG im Ruhrgebiet. Ein Sprecher der MLPD zog Lehren für den Aufbau einer internationalen Einheitsfront gegen Faschismus und Krieg. Eine Bergarbeiterfrau würdigte die zukunftsweisende Rolle der Frauen in diesem Freiheitskampf. Der Jugendverband REBELL legte im Namen aller Teilnehmer einen Kranz nieder. Ein gemeinsames Anliegen war, dass der Antikommunismus in all seinen Schattierungen keine Chance haben darf. In diesem Sinne wurde begrüßt, dass nach mehrjähriger Auseinandersetzung der Regionalverband Ruhr jetzt eine Tafel aufgestellt hat, die über dieses „Arbeitergrab“ als Gedenkstätte für Revolutionäre informiert. Mit der heutigen Feier wurde auch die neue Tafel würdig eingeweiht. Abgeschlossen wurde das Gedenken mit dem Vortrag des Partisanenlieds der französischen Resistance gegen die Hitler-Faschisten.

Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen-Horst haben sich 84 Personen auf dem Josef-Büscher-Platz eingefunden, um gegen die undemokratische Friedhofsatzung der Stadt Gelsenkirchen zu protestieren, auf deren Grundlage die von einer antifaschistischen Aktionseinheit geplante Versammlung zum Gedenken an die Kämpferinnen und Kämpfer der Roten Ruhrarmee auf dem Friedhof Horst-Süd am heutigen Samstag verboten worden war. Angemeldet wurde die Protestversammlung von der MLPD Gelsenkirchen. Gekommen sind Vertreter und Vertreterinnen eines Aktionsbündnisses aus AUF Gelsenkirchen, Freidenker Gelsenkirchen, Gelsenkirchener Montagsdemonstration, Jugendverband REBELL, Kumpel für AUF, MLPD, der „Wählerinitiative Lisa Gärtner“, Frauenverband Courage, Linkspartei, VVN, dem Freundeskreis Flüchtlingssolidarität und weitere Einzelpersonen.

 

Durch das Programm führte Monika Gärtner-Engel. Sie würdigte die mutigen Gelsenkirchener und Horster, die im Jahr 1920 ihr Leben gelassen hatten, um den Kapp-Putsch zu verhindern. Sie betonte, dass diese Kämpferinnen und Kämpfer ein Signal und eine Lehre für heute setzten, dass Faschisten bekämpft werden können, wenn es eine Einheitsfront aus Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen und ehrlichen Antifaschisten gibt. Das war eine Botschaft dieser Kämpfe und daran knüpft das Aktionsbündnis an, das im Jahr 2009 von AUF Gelsenkirchen initiiert wurde und seitdem von unterschiedlichsten Gruppen getragen wird.

 

Jan Specht, Stadtverordneter für das Kommunalwahlbündnis AUF Gelsenkirchen, klärte die Anwesenden darüber auf, dass AUF Gelsenkirchen eine Initiative ergriffen hatte, die Friedhofssatzung um die Ehrung der Ermordeten der Roten Ruhrarmee zu erweitern. Das war von der SPD und der CDU abgelehnt worden. Als Retourkutsche wurde diese Satzung sogar noch verschärft, wonach nur noch religiöse Anlässe für Feiern gelten sollen. D. h. die Feiern des Aktionsbündnisses für die Roten Ruhrkämpfer wurden ausdrücklich untersagt. Er und alle anderen Sprecher der Protestkundgebung unterstrichen, dass sie umso mehr aktiv bleiben werden, um das Gedenken 2022 am Mahnmal selbst durchzusetzen!

 

Christiane Link, Kreisvorsitzende der MLPD Gelsenkirchen, betonte in ihrem Beitrag, dass die Kämpferinnen und Kämpfer vor 101 Jahren nicht nur die Errichtung einer faschistischen Diktatur erfolgreich verhindert haben, sondern darüber hinaus die Ziele der Novemberevolution von 1918 fortsetzten und für sozialistische Ideale eintraten. Dem offenen Mikrofon zum Protest gegen das Verbot der Versammlung auf dem Friedhof Horst-Süd folgte ein würdiges Gedenken an die Ruhrkämpfer. Schnell war man sich einig: Für das nächste Jahr wird die Gedenkkundgebung wieder auf dem Friedhof durchgekämpft werden.

 

Weiter sprachen Celina Jacobs für den Jugendverband REBELL, Hartmut Hering, Kreisvorsitzender der Partei Die Linke Gelsenkirchen, Gerd Labatzki, langjähriger IG-Metall-Betriebsrat, Dr. Willi Mast für das Kommunalwahlbündnis AUF Gelsenkirchen, Christian Link für die Bergarbeiterinitiative Kumpel für AUF und Anna Bartholomé für den Freidenkerverband Gelsenkirchen. In den verschiedenen Ansprachen wurde die Wichtigkeit des ersten Generalstreiks in Deutschland und des bewaffneten Aufstands der Arbeiterinnen und Arbeiter im Ruhrgebiet betont.

 

Berichte von weiteren Gedenkfeiern folgen.

 

 

 

Dieser Artikel steht Leserinnen und Lesern von Rote Fahne News kostenfrei zur Verfügung. Die Erstellung von Rote Fahne News ist jedoch nicht kostenlos. Hier erfahren Sie / erfahrt ihr, wie man bequem für Rote Fahne News spenden kann!