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Berliner Zeitung druckt Leserbrief der MLPD ab

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Anetta Kahane hat den Bogen überspannt! Nachdem die "Frankfurter Rundschau" schon vor zwei Wochen zwei Protestbriefe gegen Frau Kahanes antikommunistische Kolumne veröffentlicht hat, druckt heute die "Berliner Zeitung" einen Leserbrief der MLPD ab.

Rote Fahne
Berliner Zeitung druckt Leserbrief der MLPD ab
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„Hanau symbolisiert den Klimawandel“ war die Kolumne von Kahane am 21. Februar überschrieben, gegen den sich schon der Protestbrief vom 23. Februar "Anetta Kahane überspannt den Bogen" gewandt hatte.

 

"In dieser Kolumne wird die MLPD übel verleumdet", so der Leserbrief. "Die MLPD wird mit faschistischen Islamisten auf eine Stufe gestellt und der MLPD wird ohne jeden Beleg – weil es keinen gibt – Antisemitismus unterstellt. Im Zusammenhang mit den Morden des NSU, von Hanau oder anderen faschistischen Morden wird immer wieder zu Recht darauf hingewiesen: Die Gleichsetzung von rechts und links, die antikommunistische Hetze vom sogenannten „Linksextremismus“, Mythen wie die „Hufeisentheorie“ verhindern, dass gegen die Faschisten konsequent vorgegangen wird. Und ausgerechnet zum Gedenken der Opfer von Hanau wird eine neue Variante dieser Gleichsetzung über die Berliner Zeitung verbreitet. Das ist inakzeptabel!

 

Der Antikommunismus legitimiert objektiv auch Faschisten. Wenn die MLPD mit dem IS in einem Atemzug genannt werden darf, sind dann nach Meinung von Frau Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung oder von Redakteuren der Berliner Zeitung auch die zunehmenden faschistischen Morddrohungen und Übergriffe, staatlichen Repressalien und Unterdrückungsversuche gegen MLPD-Mitglieder gerechtfertigt?

 

Nach einem faschistischen Mord vor Linksextremisten warnen – das geht gar nicht! Wir wissen, wohin das gerade in Hessen geführt hat. Worin übrigens der Missbrauch des Gedenkens durch die MLPD bestehen soll, wird mit keinem einzigen Wort belegt – weil es ihn nicht gab und gibt. Viele der Hanauer Opfer waren Kurden. Die Gleichsetzung mit dem faschistischen IS ist auch deshalb besonders perfide, weil zig Mitglieder der MLPD 2015 die Solidaritätsbrigaden aktiv mittrugen, die nur wenige Kilometer von der Front gegen den IS im zerstörten nordsyrischen Kobane eine Geburtsklinik aufbauten.

 

Die MLPD lehnt seit jeher jeden Antisemitismus entschieden ab und lässt sich von Frau Kahane nicht das Etikett „antisemitisch“ anheften, nur weil sie die – nach ihrer Ansicht – imperialistische Netanjahu-Regierung kritisiert. Sie steht solidarisch an der Seite der Jüdinnen und Juden, der Palästinenserinnen und Palästinenser, die dagegen kämpfen. Mit Judenfeindlichkeit oder einem Angriff auf das Existenzrecht Israels hat das nichts zu tun.

 

Wir stehen gerne für einen sachlichen Meinungsstreit bereit! Aber wir wenden uns dagegen, dass jede echte Diskussion über den Marxismus-Leninismus mit Totschlagargumenten (Antisemitismus, Stalinismus usw.) vom Tisch gewischt wird."

 

Nachdem die Berliner Zeitung lange Zeit den Leserbrief nicht abgedruckt hat, hat sich die MLPD an den Presserat gewandt.