Antikommunismus

Antikommunismus

Wer Schindluder mit dem Freiheitsbegriff treibt, ist kein Wissenschaftler!

Unter dem Slogan "Das wird man doch wohl noch sagen dürfen" macht sich seit einiger Zeit eine rückschrittliche Bewegung breit, die für sich die "Freiheit" in Anspruch nimmt, reaktionäre Inhalte auf weltanschaulichem Gebiet zu verbreiten.

Von gis
Wer Schindluder mit dem Freiheitsbegriff treibt, ist kein Wissenschaftler!
Humboldt-Universität Berlin (Foto: Presseportal der Universität)

70 Hochschulprofessorinnen und -professoren schlossen sich Anfang des Jahres 2021 zum "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit" zusammen. Wer ob des Namens denkt, sie haben sich den Kampf gegen die Bevormundung von Forschung und Wissenschaft durch Konzerne und Monopole und deren Profitstreben auf die Fahnen geschrieben, sieht sich getäuscht. Nein, das "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit" sieht seine Domäne bedroht durch "Cancel Culture, übertriebene Political Correctness und die Dominanz des Mainstreams". Worin besteht diese schlimme Bedrohung, die sich hinter den hochgestochenen Begriffen verbirgt, die den Historiker Michael Sommer, die Netzwerk-Sprecherin Sandra Kostner, den Politikwissenschaftler Herfried Münkler, den Geschichtsprofessor Jörg Baberowski und 65 andere aufjaulen lassen?

 

Jörg Baberowski wollte an der Berliner Humboldt-Universität ein Zentrum für vergleichende Diktatur-Forschung gründen. Diesem reaktionären Plan, denn es ging wieder einmal um die unsägliche und demagogische antikommunistische Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus, erteilte die juristische Fakultät an der HU eine Abfuhr. Gut so! Baberowski witterte eine linke Diktatur von Studierenden und Medien. Seit wann haben Studenten und Medien in Deutschland die Macht, eine Diktatur auszuüben? In einem Facebook-Post (er löschte ihn kurze Zeit später) bezeichnete Baberowski zwei Studentinnen, die die Zentrumspläne kritisierten, als "unfassbar dumm" und "linksextremistische Fanatiker". Die Studentinnen zeigten ihn an.

 

Wahrhaftig eine ungeheuerliche Freiheitsberaubung! Da wagen Kollegen, eine reaktionäre Forschungseinrichtung zu kritisieren, die nur zum Zweck gegründet wird, den größten Fortschritt der Menschheitsgeschichte, den Sozialismus, in den Dreck zu ziehen. Da lassen sich kritische Studentinnen von einem arrogant-dümmlichen Hochschullehrer nicht mundtot machen. Da wird eines Herrn Baberowskis vermeintliche "Freiheit", der Hochschule eine antikommunistische Grundausrichtung zu verpassen ("die HU hat sich längst vom Prinzip der Wissenschaftsfreiheit verabschiedet") auch von der Hochschulleitung in Abrede gestellt - und schon gründen die so Kritisierten einen antikommunistischen Bund namens "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit".

 

Die Kritik der Studenten und der demokratischen und fortschrittlichen Professoren und Professorinnen ist notwendig und ausdrücklich zu begrüßen! Die Hochschulen sind Errungenschaften der Aufklärung und Ausbildungsstätten unserer Jugend. Faschismus, faschistoide Redner wie Bernd Lucke und Thilo Sarrazin haben hier nichts verloren. Die MLPD kritisiert Gängelung, Bevormundung und Unterjochung des Wissenschaftsbetriebs durch Monopole und Staat - ihre Kritik ist links! Im Parteiprogramm der MLPD heißt es:

  • Kampf der Knebelung von Wissenschaft, Forschung und Kultur durch die Profitinteressen der Monopole!
  • Kampf der geistigen Bevormundung und weltanschaulichen und politischen Disziplinierung an Schulen und Hochschulen insbesondere durch den modernen Antikommunismus!
  • Förderung von Forschung und Bildung zu den wirklichen Zukunftsfragen der Menschheit wie umweltschonenden Technologien!
  • Für freie politische Betätigung an Schulen und Hochschulen auf antifaschistischer Grundlage!

 

"Ich bin derjenige, der diesen Raum definiert, und das ist ein akademischer Raum", so Michael Sommer anlässlich seines Beitritts zum "Netzwerk ..." im Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 16. Februar 2021. So sind sie, unsere akademischen Freiheitshelden und -vorkämpfer. Qua Amt obliegt ihnen vermeintlich die Gestaltungsmacht und die Deutungshoheit über den "akademischen Raum". Eigentlich trifft doch für einen solchen Führungsanspruch eher die Bezeichnung "Absolutismus" zu. Der "Sonnenkönig" Ludwig der Vierzehnte meinte ja, er sei von Gott direkt ausgewählt worden und sagte:"Der Staat bin ich."

 

Es gibt in Deutschland seit dem Sieg über den Hitlerfaschismus unter den breiten Massen ein unerschütterliches antifaschistisches Bewusstsein. Alle die Meinungen, die das "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit" so vehement gegen Proteste verteidigt, eines Sarrazin, eines Lucke, eines Baberowski, sind rückschrittlich - z. B. gegen Migranten und Flüchtlinge gerichtet - bis ultrareaktionär und faschistoid. In Wahrheit verteidigt das "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit" die Freiheit, gegen den antifaschistischen Grundkonsens anstänkern zu dürfen. Im SZ-Interview behauptet Sommer frech, das "Netzwerk" sei gegen faschistische und faschistoide Einflüsse gefeit: "Wir haben uns auf Promovierte im Hochschuldienst beschränkt, das sind fast alles Beamtinnen und Beamte, die einen Eid aufs Grundgesetz abgelegt haben." Das haben die Polizeibeamten, die in Hessen und Essen faschistische Netzwerke im Staatsapparat betreiben, bekanntlich auch.

 

Freie politische Betätigung an der Hochschule auf antifaschistischer Grundlage umfasst, für einen fortschrittlichen Freiheitsbegriff einzutreten; für die Freiheit, Inhalte und Meinungen zu vertreten und zu verbreiten, die die Gesellschaft nach vorne bringen.