Hamburg

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Wegen Kritik an Polizei misshandelt

F., ein 15-jähriger schwarzer Jugendlicher, hielt auf einer Kundgebung in Hamburg am 10. April eine Rede gegen Rassismus.

Korrespondenz aus Ingolstadt

Auf seinen Pulli hatte er "ACAB" gesprüht. Eine Abkürzung, mit der viele Jugendliche ihre Erfahrungen mit dem Staatsapparat auf provokative Art verallgemeinern. Es ist sicherlich richtig, sich damit kritisch auseinanderzusetzen, weil hier die berechtige Kritik am bürgerlichen Staatsapparat tendentiell in persönliche Beleidigung aller Polizistinnen und Polizisten umschlägt. Was aber dann passierte: 

Als er mit seinem Bruder und einem Freund den Platz verließ, wurden sie von 15 Polizisten in voller Montur überfallen. Einem, der mit dem Handy filmte - er erklärte, dass dies sein Recht sei, wenn er es nicht veröffentlicht - wurde das Handy entrissen, er wurde gegen die Wand geschleudert und fixiert.

 

Als F. klar wurde, was die Polizei suchte, gestand er, Träger des anstößigen Pullis zu sein. Er wurde mitgenommen, musste sich ausziehen, wurde komplett abgetastet. Als seine Mutter zur Wache kam, wurde sie gefragt, ob sie wisse, was der Sohn da trage. Sie erklärte ihnen, dass dies bedeute: "All colours are beautiful". Der Junge hatte anschließend starke Schmerzen, im Krankenhaus, wo er eine Nacht zur Beobachtung bleiben musste, wurden Prellungen an Kopf, Hüfte und Rippen festgestellt. Er war schon vorher traumatisiert, was sich mit dieser Misshandlung verschärft hat. Er wird mit einer Anzeige wegen Beleidigung verfolgt, obwohl das Bundesverfassungsgericht 2016 entschieden hat, dass auch die Deutung "All Cops are Bastards" von der Meinungsfreiheit abgedeckt ist, weil sie keinen bestimmten Polizisten beleidigt.