Kriminell

Kriminell

Beschäftigte decken auf: Corona-Betrug bei VW Hannover!

VW Hannover: Seit Anfang April gehen die Corona-Fälle in der Gießerei durch die Decke. Innerhalb weniger Tage 70-80 erkrankte Kollegen, bei nur 800 Mann Belegschaft. Ein Gießer: „Irgendwann musste das so kommen. Hier macht ja keiner was für uns“.

Von Arbeiterkorrespondenten
Beschäftigte decken auf: Corona-Betrug bei VW Hannover!
Karikatur: Harm Bengen. Sie ist im Rote Fahne Magain 23/2020 schon einmal erschienen.

Es folgt ein krimineller Corona-Betrug, der dem Diesel-Abgasskandal in nichts nachsteht.

Erster Akt: Vertuschung

Wider besseres Wissen behauptete Werkleiter Thomas Hahlbohm schon in seinem Weihnachtsbrief 2020: „Im Werk haben wir prozentual weiterhin weniger positive Covid-Fälle als außerhalb des Werkszauns“ . Das wiederholten Vorgesetzte, Werksleitung und Landespolitiker auch diese Woche. Während jeder Arbeitsunfall auf öffentlichen Werksplänen dokumentiert wird, werden Corona-Infektionszahlen strengstens geheim gehalten. Bis heute weiß kein Kollege, wieviel Corona-Fälle wann in welchen Werksteilen aufgetreten sind. So wird die Öffentlichkeit systematisch über Infektionsherde in Betrieben getäuscht.

Zweiter Akt: Unterdrückung

Steigen die Zahlen so an, dass es nicht mehr zu vertuschen ist, werden Kollegen direkt oder indirekt an die „Compliance-Vereinbarungen“ erinnert. Solche sog. „Betriebsgeheimnisse“ könnten dem Image schaden; sollten also besser vertraulich behandelt werden. Kontrolle der Infektionsschutzvorgaben finden praktisch nicht mehr statt, auch nicht vom Betriebsrat. Widerspruch wird immer häufiger diszipliniert. Ein Kollege, dessen Luca-Warn-App rot anzeigte, wurde vom Schichtleiter mit Verweis auf seine Arbeitspflicht zurück ans Band geschickt.

Dritter Akt: Unterordnung von Stadt und Gesundheitsamt unter Profite

Noch im Februar wurde die Camper-Fertigung nach 22 Infektionen auf 430 Beschäftigte geschlossen. Das war wohl zu verschmerzen, handelt es sich doch lediglich um einen Sonderfahrzeugbau außerhalb der Produktionskette. Zudem nutzte VW Nutzfahrzeuge die zweiwöchige Schließung zur Image-Politur. Durch „schnelle Testungen (sei) breiteres Infektionsgeschehen verhindert“ worden. Aber die Gießerei wird trotz 10.000er Inzidenz weiter gefahren! Ein Gießer: „Eigentlich müssten die schon längst das Ding zumachen, so viele Fälle wie es hier gibt. Aber die machen nichts.“

Covid-19 - neuartig, gefährlich, besiegbar!

Wesentlich erweiterte 3. Auflage - 14 Euro

Fundierte Aufklärung - gegen Verharmlosung und Panikmache gleichermaßen

Jetzt bestellen

ebook bestellen

Ergänzungen als ePDF

 

Warum also? Ein Anruf bei der Region Hannover offenbart: „Täglich erhalten wir neue Fälle von VW und müssten das Werk eigentlich dicht machen. Aber der Werksleiter will das nicht.“ Und warum, anders als in der Camper-Fertigung? Die hannoversche Gießerei ist unabdingbar für die Elektro-Auto-Offensive des VW-Konzerns. Denn derzeit werden sämtliche Gehäuse von E-Motoren für den europäischen Markt bei uns gegossen. Ohne E-Motor-Gehäuse aus unserer Gießerei keine E-Autos aus Zwickau oder Emden. Der Konkurrenzkampf um diesen Zukunftsmarkt macht eine Gießerei-Schließung für VW-Manager ganz und gar undenkbar.

Vierter Akt: Manipulation der öffentlichen Meinung

Um die Testpflicht für Betriebe zu verhindern, sagten Ministerpräsident Stephan Weil und VW-Vorstände vollmundig zwei Corona-Selbsttests pro Werker und Woche zu. Gleichzeitig erklärte Weil in Querdenker-Manier noch am vergangenen Dienstag: „Wer viel testet, findet viel.“ - Die Firma dankt und unterläuft mittels Weils politischer Protektion systematisches Testen, um das tatsächliche Infektionsgeschehen zu vertuschen. Wir Hannoveraner VW-Arbeiter haben jedenfalls nur einen Test in der letzten Woche erhalten. Diese Woche gar nichts. Nur Lieferprobleme, wie die Werksleitung behauptete? Wohl kaum!

Fünfter Akt: Schmiere die Presse mit Anzeigen, wasche die Hände in Unschuld und zeige mit dem Finger auf die Malocher

Schon die Schließung der Camper-Fertigung konnte VW - von der Presse unwidersprochen - auf uns abwälzen: „Die Infektionen (seien) auf Kontakte in Pausenräumen, in Raucherinseln und Fahrgemeinschaften“ zurückzuführen . Dass all das zum Produktionsablauf dazu gehört, weil wir keine Roboter sind, fällt unter den Tisch. Und in der Gießerei? Über Waschkauen-Aushänge wurde gestern das „Covid Standard Operating Procedure“ bekannt gegeben: „Duschen in Umkleiden aussetzen, um Kontaktdichte zu reduzieren“ - ausgerechnet im Warmbetrieb Gießerei ... Von z.B. Entzerrung der Arbeitszeiten, um Duschen trotzdem zu ermöglichen, keine Spur.

 

Fazit: Um uns selber müssen wir uns selber kümmern! Den arbeiterverachtenden Umgang können wir uns nicht länger bieten lassen.