11. April 2021

11. April 2021

Bewegendes Gedenken an die Selbstbefreiung von Buchenwald

Rund 30 feste Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatte die Kundgebung, angemeldet von der MLPD Thüringen, am Sonntag vor der Figurengruppe am Glockenturm in Buchenwald. Sie stand im deutlichen Kontrast zum offiziellen Gedenken.

Korrespondenten aus Thüringen
Bewegendes Gedenken an die Selbstbefreiung von Buchenwald
Würdige Gedenkkundgebung - trotz Corona-Bedingungen (rf-foto)

So kritisierte Tassilo Timm, Landesvorsitzender der MLPD Thüringen, in seiner Ansprache: „Der bürgerliche Antifaschismus drängt den antifaschistischen Widerstand der Häftlinge immer mehr an den Rand, leugnet und verdreht die Rolle der Kommunisten in Buchenwald und spricht nur noch von 'Befreiung' am 11. April 1945. Befreit wurde das Lager aber durch einen Aufstand der Häftlinge selber, die es später der heranrückenden US-Armee übergaben.“

 

Er gedachte in seiner Rede des erst kürzlich verstorbenen Günther Pappenheim, des Vorsitzenden der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und ehemaligen Häftlings Nr. 22514, der im antifaschistischen Widerstand in Buchenwald sein Leben riskiert und später die Selbstbefreiung Buchenwalds gegen alle antikommunistischen Attacken verteidigt hatte. Er berichtete vom Häftling Robert Siewert, der trotz Hunger, Folter und Mord zu Buchenwald gesagt hat: „Das Wesen war die tiefe Kameradschaft, die gegenseitige Hilfe, verbunden und gestählt durch den Kampf gegen den faschistischen Terror, der organisierte Widerstand und der tiefe Glaube an den Sieg unserer gerechten Sache!“

 

Ein Stadtrat des „Eisenacher Aufbruch“ positionierte sich in seinem Beitrag gegen die jüngste Provokation durch AfD und NPD im Stadtrat, die das Tragen von Masken in der Sitzung verweigert hatten. Bewegend war der Bericht einer Teilnehmerin aus Ilmenau, deren Familienangehörige im kommunistischen Widerstand gegen den Hitlerfaschismus aktiv waren und den Terror von Buchenwald überlebt hatten.

 

Ein Delegierter der IG Metall Jena verwahrte sich dagegen, dass in der aktuellen Ausstellung die Eroberung von KAPO-Funktionen durch die politischen Häftlinge ins Zwielicht gestellt wird, so als hätten die Kommunisten damit eigensüchtige Ziele verfolgt: „Diese Genossen haben für ihre Kameraden jeden Tag ihr Leben riskiert.“

 

Nach dem skandalösen Verbot des Gedenkens zum 75. Jahrestag der Ermordung Ernst Thälmanns auf dem Gelände der Gedenkstätte war es ein Erfolg, dass der MLPD Thüringen diese Kundgebung genehmigt wurde. Dass sie dabei auf ihre Fahnen verzichten musste, kann nicht akzeptiert werden. Schon deshalb nicht, weil viele Buchenwalder Häftlinge ihre Fahnen mit Stolz getragen haben!