Tarifergebnis bei VW

Tarifergebnis bei VW

Zugeständnis an die Kampfbereitschaft, aber es wäre weit mehr drin gewesen!

Der VW-Abschluss ist ein Zugeständnis an die Kampfbereitschaft der Kollegen und liegt über dem Niveau der Fläche. Vor der letzten Verhandlungsrunde hatten immer mehr Kollegen Kampfmaßnahmen und Urabstimmung gefordert.

Korrespondenz aus Braunschweig
Zugeständnis an die Kampfbereitschaft, aber es wäre weit mehr drin gewesen!
Foto und Bearbeitung: Rote Fahne

Viele machten deutlich, dass sie ein Ergebnis, wie in der Fläche ohne tabellenwirksame Erhöhung, auf keinen Fall akzeptieren würden - auch angesichts der sprudelnden Gewinne. Die Kollegen waren zu Streiks bereit und in der Lage, eine weitaus deutlichere Lohnerhöhung durchzusetzen – insofern ist der Abschluss ein fauler Kompromiss.

 

Im Gegensatz zur Fläche wurde eine tabellenwirksame Lohnsteigerung von 2,3 Prozent beschlossen, jedoch erst ab dem 1. Januar 2022. Damit wurde die Richtung der Kapitalisten, keine tabellenwirksame Erhöhung zuzulassen, durchbrochen. Es bedeutet aber zugleich, dass wir bei VW eine zwanzigmonatige Nullrunde vom 1. Mai 2020 bis zum 31. Dezember 2021 haben sollen. Die letzte tabellenwirksame Lohnerhöhung (4,3 Prozent) gab es am 1. Mai 2018. Die letzte Tarifrunde wurde wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie “verschoben“. Wenn man diese lange Nullrunde einrechnet, bleiben von den 2,3 Prozent Lohnerhöhung auf die Laufzeit gerechnet etwa 0,8 Prozent.

 

Für das Jahr 2021 gibt es statt einer tabellenwirksamen Erhöhung 1000 Euro steuer- und sozialabgabenfreie „Corona-Prämie“. Diese war eigentlich per Gesetz für Pflegeeinrichtungen und Gesundheitswesen gedacht und wird nun schamlos von VW genutzt, um in der Tarifrunde billiger wegzukommen und um Sozialabgaben zu sparen! Auch wenn viele Kollegen die Prämie gut finden, weil sie in den Hallen täglich ihre Gesundheit gefährden und mit Maske arbeiten, gibt es daran auch Kritik. Im Grunde ist es keine Corona-Prämie, sondern der Ersatz für eine tabellenwirksame Lohnerhöhung. Und: Statt uns mit 1000 Euro dafür abzuspeisen, das wir täglich und mutwillig der Infektionsgefahr ausgesetzt werden, brauchen wir endlich auch in der Industrie den konzentrierten Lockdown auf Kosten der Profite, um die Pandemie zu stoppen.

 

Die Festschreibung der 1400 Ausbildungsplätze inkl. dualem Studium in den sechs inländischen Werken bis Ende 2025 war ebenfalls ein großes Anliegen der Kolleginnen und Kollegen, während VW eine Reduzierung wollte. Hier bleibt ein fader Nachgeschmack, weil VW Umschulungs- / Fortbildungsplätze in der sogenannten „Fakultät 73“ auf die Ausbildungsplätze anrechnen und sie so durch die Hintertür abbauen will.

 

Die übrigen Ergebnisse sind kompliziert und man kann kaum ausrechnen, was sie wirklich bringen. Diese von Tarifrunde zu Tarifrunde steigende Kompliziertheit dient der Verwirrung der Kollegen und Schönrechnung der Ergebnisse. Und sie soll vor allem eine Denkweise nähren, Tarifverhandlungen seien nur was für Experten. Aber gerade in dieser Tarifrunde haben viele Kollegen angefangen, ihre eigene Rechnung aufzumachen.

 

Ausdrücklich aufgerufen wurde bei der Tarif-Info zur Solidarität mit den Metallern im Osten und den angekündigten 24-Stunden-Streiks der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen zur Durchsetzung der 35-Stunden Woche. Die VW-Kollegen wurden aufgefordert eine entsprechende Solierklärung an die Kollegen der Volkswagen Sachsen GmbH zu unterschreiben.