Breiter Protest

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#allesdichtmachen: Beifall kam auch aus der faschistoiden Ecke

54 Schauspielerinnen und Schauspieler haben vor einigen Tagen Videos veröffentlicht, die nach Aussage der Akteure den Anspruch hatten, das Corona-Krisenmanagement der Regierungen satirisch und ironisch zu kritisieren.

Von hi
#allesdichtmachen: Beifall kam auch aus der faschistoiden Ecke

Kritik an dem Krisenchaos, gemeinsamer Kampf für wirksame Maßnahmen zum Brechen der dritten Welle der Pandemie-Ausbreitung, Forderungen gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Massen einschließlich der Kulturschaffenden sind wahrhaftig dringend vonnöten. Über satirische Beiträge, die den Kniefall der Bundeskanzlerin vor den Monopolverbänden, die Maskenaffären der raffgierigen CSU-Abgeordneten oder unsinnige bürokratische Formulierungen auf die Schippe nehmen, freut sich jeder. Die Aktion #allesdichtmachen hat aber Leute erheitert, die so gar nichts mit Solidarität mit den Betroffenen, den Kranken, den Angehörigen Verstorbener, den Pflegekräften am Hut haben. Applaus bekam #allesdichtmachen aus den Reihen der AfD, von Alice Weidel (AfD) und vom ehemaligen Geheimdienstchef Hans-Georg Maaßen (CDU-Rechtsaußen).

 

Die veröffentlichten Videos zeichnen sich dadurch aus, unterschiedslos alle Maßnahmen und Einschränkungen im Zusammenhang mit Corona lächerlich zu machen. Nicht zu unterscheiden zwischen notwendigem Gesundheitsschutz einerseits und andererseits der Einschränkung demokratischer Rechte und Freiheiten, dem Krisenchaos der Herrschenden und der Abwälzung der Krisenlasten auf die Massen. Auch wenn die beteiligten Schauspieler und Regisseure dies zum Teil persönlich nicht so meinen, setzen sich die Video-Clips über die Gefährlichkeit der Corona-Pandemie und die Todesopfer, die sie gefordert hat und noch fordert, hinweg.

 

#allesdichtmachen war geplant und akribisch vorbereitet. Einer der Drahtzieher ist der Münchner Werbefilmmacher Bernd K. Wunder, dessen Firma Cine.Box vom saarländischen Wirtschaftsministerium gesponsert wird. Er ist seit langem als Corona-Leugner bekannt. Er verbreitete die Gleichsetzung von Corona mit einer "normalen Grippe". Nach dem breiten Protest schloss er seinen Instagram-Account und spielt den Geläuterten. Er nehme jetzt Corona ernst, und habe natürlich nichts mit Rechten und Verschwörungstheoretikern zu tun. Er habe nur die Diskussion für "Stimmen öffnen wollen, die nicht gehört werden."

 

Er meint damit Stimmen, die das Ende von corona-bedingten Einschränkungen und sofortige weitgehende Lockerungen fordern. Diese Stimmen werden angeblich nicht gehört? Das ist ein großer Irrtum, Herr Wunder! Auf die Stimmen der Kapitalistenverbände, dass die Industrieproduktion auf keinen Fall gestoppt werden dürfe, haben die Bundesregierung und die Länderregierungen hervorragend gehört.

 

Der Berliner Regisseur Dietrich Brüggemann sagt: Nur weil man von den Rechten Zustimmung bekomme, sei man doch nicht rechts. Auch er wollte angeblich nur "die Debatte erweitern". Die Kritiker der Aktion bezeichnet der feine Herr als "Lynchmob". Von der Freiheit ihrer Kritiker halten diese angeblichen Freiheitskämpfer nämlich gar nichts. Und von wegen nicht rechts. Dietrich Brüggemann, der die Corona-Maßnahmen mit einer faschistischen Diktatur vergleicht, steht hinter "Noisy Nancy‘", wo folgendes Querdenkerlied veröffentlicht wurde: „Steckt Euch Euren Polizeistaat in den Arsch. Steckt Euch Eure Maskenpflicht in den Arsch. Steckt Euch Eure Abstandsregeln in den Arsch. Steckt Euch Eure Hygiene-Maßnahmen in den Arsch." Dieser abstoßende Beitrag aus der untersten Schublade wurde entfernt, in seinem Blog betätigt er sich weiter als Corona-Leugner.

 

Ein Argument, das sich in der Querdenkerszene und bei einem Teil der Akteure von #allesdichtmachen durchzieht, ist: Wir sind nicht rechts, wir sind bestimmt nicht faschistisch, aber man muss "sowas doch wohl noch sagen können". Meinungen, die angeblich von Linken unterdrückt würden. Es wird damit die Tür nach rechts geöffnet, es soll "normal" erscheinen, dass faschistoide und faschistische Kräfte mitwirken. Nein! Mit der menschenverachtenden Meinung der Faschisten darf es keine Versöhnung geben. Kein Fußbreit den Faschisten!

 

Die Mehrheit der beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler sind sicher nicht faschistoid. Sie hätten sich aber besser informieren und über die Drahtzieher sachkundig machen müssen. Ulrike Folkerts hat sich inzwischen ehrlich entschuldigt, auch Heike Makatsch: "Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst.“ Bei Jan Josef Liefers, der führend beteiligt war und arrogant die Kritik zurückweist, ist der Antikommunismus eine starke Triebkraft. „Wissen Sie, wann das letzte Mal jemand zu mir gesagt hat ‚Sind Sie so naiv?‘ Das war ein Mitglied des Zentralkomitees der SED in der DDR auf der Schauspielschule.“ Er suggeriert damit, dass Kritik an seiner Person eine Unterdrückungsmaßnahme sei und er unterscheidet nicht zwischen bürokratischem Kapitalismus und Sozialismus. In Wahrheit wird die kommunistische Meinung in der BRD systematisch unterdrückt und auch in der DDR war marxistisch-leninistische Kritik nicht erwünscht.

 

Gib Antikommunismus keine Chance!