Südafrika

Südafrika

Anwachsende Massenproteste

Als Folge der Weltwirtschafts- und Finanzkrise und der Corona-Pandemie nahmen die Massenproteste in Südafrika massiv zu.

Korrespondenz
Anwachsende Massenproteste
Gewerkschaftlich organisierte Arbeiterinnen und Arbeiter unterstützen im Febraur 2021 einen Streik im südafrikanischen King William's Town (foto: Anastasya Eliseeva)

Nach Auskunft des südafrikanischen Polizeiministers Bheki Cele gab es vom 1. August 2020 bis zum 31. Januar 2021 insgesamt 909 Protestaktionen im Land, die als „Massenunruhen“ gewertet wurden. Das „Institute for Security Studies Protest and Public Violence Monitor" (ISS) verfolgt und berichtet seit Januar 2013 über Demonstrationen im ganzen Land. Der Durchschnitt der letzten sieben Jahre lag bei 2,26 Protesten täglich.

 

Im Juli 2020 gab es durchschnittlich acht Proteste pro Tag - der höchste Wert in einem einzelnen Monat seit 2013, so der ISS. Basierend auf den Zahlen von August bis Januar gab es in diesem Sechsmonatszeitraum durchschnittlich fast fünf Proteste pro Tag.

 

Im Jahr 2020 waren laut ISS die Hauptgründe für Demonstrationen die Abriegelungsmaßnahmen durch die Polizei und die Kriminalität (14 Prozent), besonders aber auch Gewalt gegen Frauen. Das zweithäufigste Thema für Demonstrationen waren Auseinandersetzung um Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen (13 Prozent), vor allem die Versorgung des Personals mit Schutzausrüstung, z. B. im Gesundheitswesen. An dritter Stelle standen Proteste wegen fehlender oder unterbrochener Stromversorgung.

 

Das ISS stellte fest, dass viele Südafrikaner ihr Vertrauen in die Regierung und das politische System aufgegeben haben, aber nicht ihre Proteste aus Frust über eine politische Elite, die keinen Bezug zur Notlage der Masse der Leute hat. Das ISS rechnet angesichts der verzweifelten wirtschaftlichen und politischen Lage mit einer Zunahme der Proteste.

 

Mehr dazu hier auf Englisch