Flüchtlinge

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Corona in der Flüchtlingsunterkunft!

Freitag am späten Nachmittag erreicht mich die Nachricht eines Freundes: "Ich bin in Quarantäne, zwei Leute in meinem Flüchtlingsheim sind Corona-positiv gestestet worden. Niemand darf mehr raus oder rein.“ Ich rufe an: „Was brauchst du? Ist dein Chef verständigt?“ „Wir haben Lebensmittel bekommen, ich bin versorgt, für meinen Chef habe ich eine Bescheinigung bekommen – er sagt, das ist in Ordnung.“

Korrespondenz aus Stuttgart
Corona in der Flüchtlingsunterkunft!
(grafik: Lightspring, shutterstock 1658915128)

Ich erinnere mich an Erfahrungen der ersten und zweiten Welle: Da wurden die Quarantäne-Zeiten einfach immer weiter ausgedehnt. So lange, bis die Mehrheit der Bewohner Antikörper entwickelt hatte und der Ausbruch zum Stillstand kam. Das kann jeden, der arbeitet, den Job kosten! Welcher Chef wartet so lange? „Bist du auch getestet worden?“ „Nein, getestet worden ist keiner außer denen, die Symptome hatten, und die sind positiv.“ Ich bin fassungslos – rufe die Sozialarbeiterin der Einrichtung an. Sie bestätigt, dass es keine weiteren Tests gegeben hat.

 

Was sind die ersten Schritte? Ich packe FFP2-Masken und Obst ein, bringe es hin. Wir sprechen - über den Zaun hinweg - nochmal die wichtigsten Regeln durch, um sich und andere bestmöglich zu schützen. Am nächsten Tag besorge ich einen Selbsttest und Vitamine, im Supermarkt lacht mich noch ein Blümchen an – ich nehme es mit für ihn, ein wenig Natur als kleine Freude. Mithilfe von Videotelefonie gelingt kurz darauf der Selbsttest: Zum Glück negativ!

 

Danach überlege ich mit Freunden die nächsten Schritte: Es geht darum, die Eingesperrten praktisch und politisch zu unterstützen: Wie geht es ihnen mit dieser Situation? Was sind ihre Forderungen? Welche Maßnahmen brauchen die Kranken, was ist notwendig zum Schutz der Gesunden? Wie kann die Quarantäne-Zeit überstanden werden? Darüber berate ich mich am Telefon mit dem Freund in Quarantäne. Er will seine Mitbewohner darauf ansprechen – unter Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen – und mit ihnen überlegen, wie sie ihre Stimme erheben können: Für sichere Unterbringung, für regelmäßige Tests für alle, für W-LAN in der Einrichtung, für medizinische Versorgung für Infizierte und Vorsorge für Nicht-Infizierte. Nur organisiert kann man etwas erreichen!