Rassismus / USA

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Schusswaffe mit Taser verwechselt?

Im US-Bundesstaat Minnesota in der Nähe von Minneapolis wurde vor ein paar Tagen ein 20-jähriger Afroamerikaner durch eine „versehentliche Schussabgabe“ bei einer Verkehrskontrolle getötet.

Korrespondenz

 Der Polizeichef Tim Gannon erklärte der Presse: „Die Polizeibeamtin hat ihre Schusswaffe anstelle ihres Tasers gezogen" (Taser: Elektroschock-Gerät) und sprach von einem „tragischen Tod“. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls gab es wütende Proteste in Minnesota.

 

Ich horchte erstmals auf, als der Name des US-Bundesstaats fiel, in dem der Mord an dem Afroamerikaner George Floyd vor einem Jahr weltweit Schlagzeilen machte und wo auch die weltberühmte Massenbewegung #BlackLivesMatter entstand. Ein zweites Mal horchte ich auf, als ich die Geschichte mit der Verwechslung von Schusswaffe und Taser las. Irgendwoher kam mir das bekannt vor.

 

Vor einiger Zeit hatte ich einen Spielfilm gesehen, der von Oscar Julis Grant III. erzählt, der am 1. Januar 2009 in Kalifornien an einer S-Bahn-Haltestelle von mehreren Schüssen aus einer Polizeiwaffe getötet wurde. Er wurde nur 22 Jahre alt. Der Fall sorgte damals für Furore, weil der Mord an Grant von zahlreichen Handys gefilmt wurde. Das löste auch unmittelbar danach einige Proteste und Unruhen bis in die Umgebung von San Francisco und Oakland aus. Der Polizist, der die Tatwaffe trug, wurde wegen Mordes verhaftet und vor Gericht gebracht. Doch die Geschworenen sprachen ihn nur der fahrlässigen Tötung schuldig. Er bekam zwei Jahre Gefängnis, aus dem er bereits nach elf Monaten wieder entlassen wurde. Wie konnte das sein? Ausschlaggebend war, dass er vor Gericht angab, er hätte seinen Taser mit der Dienstwaffe verwechselt ...

 

Nun, auf den aktuellen Fall bezogen könnte man meinen, die Polizei von Minnesota hat sich wohl von dem Gerichtsprozess von damals ein wenig „inspirieren“ lassen?!

 

2014 erschien der Film „Nächster Halt Fruitvale Station“ Die S-Bahn-Haltestelle Fruitvale ist der Tatort des Mordes an Oscar Julis Grant III. Der Film ist sehenswert und erzählt ganz eindrücklich von seinen letzten 24 Stunden.