Iran

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Massenproteste und Zersetzungserscheinungen des Faschismus

Im Iran konzentrieren sich die Massenproteste in zwölf großen Städten und Regionen: Vorne dran Tabris, von wo die antiimperialistische Revolution gegen den Schah von Persien ausging und wo am 30. Januar Arbeiter der iranischen Autofabrik Khodro selbständig streikten¹; in Teheran mit über 13 Millionen Einwohnern, Isfahan mit 5 Millionen Einwohnern, Karadsch, Shiraz, Chuzestan, Kermanschah, Zandschan, Ouromie, Ahwas und Banderabas.

Von einem Korrespondenten
Massenproteste und Zersetzungserscheinungen des Faschismus
Die iranische Hauptstadt Teheran (foto: Amirpashaei (CC BY-SA 4.0))

Nur noch 40 Prozent der Menschen bekennen sich zum Islam, Merkmal der schwindenden Massenbasis des islamisch verbrämten faschistischen Staates. 70 Prozent der Bevölkerung sprechen sich für den Boykott der Wahl am 18. Juni aus. „Wir boykottieren die Wahl – wir hören nur Lügen!“ und: „Schämt ihr euch nicht, vor Menschen zu reden, deren Lebensgrundlage ihr zerstört?“ kann man auf Demo-Transparenten lesen. Vorsichtige Absetzversuche z. B. der Frau und der Tochter des früheren Ministerpräsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani werden kritisiert: „Warum habt ihr 40 Jahre geschwiegen?“ Begrüßt wird dagegen, dass einfache Soldaten zunehmend Einsätze gegen Demonstranten verweigern, während die faschistischen Stoßtrupps der Pasdaran (Iranische „Revolutionsgarden“) umso gewalttätiger wüten. Das Bedürfnis wächst, sich fest für den Sturz des faschistischen Regimes zu organisieren. Auf einem Demo-Transparent liest man: „Rentnerinnen und Rentner, Lehrerinnen und Lehrer, Krankenschwestern und -pfleger: Gemeinsam kämpfen!“

 

Zum wachsenden Hunger kommt die völlige Zerrüttung des Gesundheitssystems – ohne Geld gibt es keine Behandlung! Die Zahl der Corona-Infizierten wird nicht mal annähernd erfasst – offiziell 21.000 Neuinfektionen und 496 Tote am 19. April! Lehnten noch vor kurzem viele Coronaschutz-Impfungen ab, aus Angst, als Versuchskaninchen für ausländische Impfstoffe missbraucht zu werden, gibt es inzwischen Massendemos für kostenlose Impfungen.

 

Viele Menschen bringen den Aufstieg des Iran zu einer neuimperialistischen Macht mit der Ausplünderung der Massen und der grenzenlosen Bereicherung der scheinheiligen faschistischen Herrscher in Verbindung. Dazu gehört auch das Streben nach einer eigenen Atombombe. Die Verbindung des antifaschistischen Kampfs mit dem antiimperialistischen Kampf ist herausgefordert.

 

Es gibt Massenproteste gegen ein Abkommen mit China, das iranische Flughäfen, Seehäfen und Infrastrukturanlagen an sich reißen will. Russland hat wiederum imperialistisches Interesse an Gas und Öl aus dem Iran. Richtig ist auch die Forderung an die Bundesregierung und die EU, alle Beziehungen zum faschistischen Regime abzubrechen.

 

In sozialen Medien tummeln sich auch reaktionäre Demagogen und Fake-News über die gesellschaftliche Entwicklung. Da wird z. B. die Rückkehr des Sohns des gestürzten Schahs aus den USA als Weg zur Befreiung vom Faschismus propagiert. Für Trump wurde eine menschenverachtende Werbung gemacht, er solle den Iran bombardieren, damit der Weg zum Sturz des Regimes frei wird.

 

Die Massen im Iran müssen gegen gegen ihre neuimperialistischen Machthaber wie auch gegen jede imperialistische Ausplünderung kämpfen. So kann ihr Kampf zum Bestandteil der Vorbereitung der internationalen sozialistischen Revolution gegen das imperialistische Weltsystem werden. War lange Zeit schon der Begriff des Sozialismus und erst recht der des Marxismus-Leninismus durch die brutale Unterdrückung besonders unter der Jugend unbekannt, nimmt jetzt die Auseinandersetzung um den Ausweg des Sozialismus offenbar an Fahrt auf: Auf youtube wird Stalin demagogisch neben dem faschistischen Diktatur Chameini abgebildet. Tatsächlich unterstützte aber Stalin nach dem Zweiten Weltkrieg den Freiheitskampf der Aserbaidschaner um die Stadt Tabris im Norden Irans. Der benachbarte eigenständige Staat Aserbaidschan schloss sich 1922 zusammen mit Armenien und Georgien als sozialistische Volksrepublik der Sowjetunion an.