Weiße Rose

Weiße Rose

Sophie Scholl wäre heute 100 Jahre alt geworden

Heute vor 100 Jahren, am 9. Mai 1921, wurde die spätere antifaschistische Widerstandskämpferin Sophie Scholl geboren. Sie starb mit noch nicht einmal 22 Jahren am 22. Februar 1943 zusammen mit ihrem Bruder Hans Scholl und Christoph Probst, beide wie sie selbst Mitglieder der "Weißen Rose" im Gefängnis München-Stadelheim durch die Guillotine, ermordet durch Hitlers Schergen.

Korrespondenz

Die lebensfrohe junge Frau, die erst vier Tage zuvor von der Gestapo festgenommen worden war, sagte zum Abschied: "So ein herrlicher, sonniger Tag, und ich soll gehen. Was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden."

 

Sophie Scholl wächst in einem protestantischen, humanistisch geprägten Elternhaus auf. Sie war vielseitig begabt. Anfänglich war sie fasziniert von der vorgeblichen "Volksgemeinschaft" der Hitler-Faschisten. Sie wurde Mitglied des "Bunds Deutscher Mädchen" (BDM). Die Kriegsvorbereitungen und der Beginn des 2. Weltkriegs desillusionierten sie völlig. „Ich kann es nicht begreifen, daß nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist für’s Vaterland“, schreibt sie an ihren Freund, den Berufsoffizier Fritz Hartnagel, kurz nachdem Hitlers Wehrmacht Polen überfallen hatte.

 

Aus zunächst relgiösen Motiven kam sie als junge Studentin in München zu der Schlussfolgerung: Jetzt muss es doch heißen, gegen Hitler aufzustehen! Sie tritt der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" bei, weiht ihren Bruder Hans Scholl in deren Pläne ein. Gemeinsam schreiben sie insgesamt sechs Flugblätter, werfen sie in Augsburg und Ulm in Briefkästen. Im sechsten Flugblatt der "Weißen Rose", bei dessen Verbreitung sie denunziert und verhaftet wurden, schrieben die jungen Leute: "Wollen wir den niedrigsten Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest unserer deutschen Jugend opfern? Nimmermehr! ... Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus." Sie werden verhaftet, verhört, die Gruppe wird zerschlagen, sechs Mitglieder werden hingerichtet, Sophie Schoill ist die erste.

 

Anlässlich ihres hundertsten Geburtstags legte die Post eine Sonderbriefmarke und das Bundesfinanzministerium eine 20-Euro-Sammlermünze mit ihrem Porträt auf, um ihre "besondere Persönlichkeit", die ihren Prinzipien auch "in höchster Lebensgefahr" treu geblieben ist, zu würdigen. Diese dem antifaschistischen Bewusstsein und dem hohen Ansehen von Sophie Scholl geschuldete Geste ist ehrenwert. Wäre sie mit dem sofortigen Verbot aller faschistischen Organisationen verbunden, würde man sich den Gedanken an Heuchelei sofort verkneifen.

 

Untragbar und nicht zu akzeptieren ist es, wenn auf "Querdenker"-Demos Sophie Scholl als Ikone des Kampfs gegen die sogenannte "Corona-Diktatur" missbraucht wird. Dieser Vergleich und damit die völlige Verharmlosung des Hitler-Faschismus kann keinem antifaschistisch eingestellten Menschen einfallen.