Nordrhein-Westfalen

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Fürsorgepflicht beim Testen - Pustekuchen!

Ich arbeite in einem großen Chemiekonzern in NRW. Da wir als Kollegen Verantwortung füreinander und unsere Familien haben, versuch(t)e ich mich zumindest zwei Mal in der Woche am Standort wegen Corona testen zu lassen. Zumal dieser Chemiekonzern bereits seit Monaten vorher dick in der Presse ist und damit prahlte, sofort zu impfen, sollten die Impfdosen zur Verfügung stehen.

Korrespondenz

Auf dem Betriebsgelände gibt es sogar ein Testzelt. Also meldete ich mich beim medizinischen Dienst mit der Bitte um einen Test. Größere Konzerne haben an den Standorten in der Regel Betriebsärzte. So auch bei uns - und siehe da, ich hatte direkt solch eine Person an der Strippe.

 

Ich dachte, ich bekomme jetzt sofort einen Termin. Aber dem war nicht so. Schnelltests seien gegenwärtig nur dann angesagt, wenn ich Anzeichen auf Corona hätte, außerdem seien nicht genügend Schnelltests vorhanden, bekam ich zur Antwort. Leider sei der Markt leergefegt. Außerdem brächten diese Tests eh nicht so viel; wenn, dann schon einen PCR-Test machen. Deshalb würde sie/er (mein Gegenüber am Telefon) das auch bei sich selbst nicht machen. Ich dachte, ich fall vom Hocker. Dann noch der Hinweis, dass der Konzern doch sehr fürsorglich mit den Kolleginnen und Kollegen umgehe und außerdem sei ja die Inzidenz eh auf dem Werk bei null und unsere Abteilung wäre da vorbildlich. Na ja, wenn man nicht testet, dann ist das auch so und dann stellt halt der Hausarzt oder das Testzentrum fest, dass man evtl. positiv ist. Und damit ist der Konzern von den Kosten befreit und steht nach außen gut da. Das alles geschieht im Einvernehmen / in Absprache mit dem Gesundheitsamt. Und klagen kann auch niemand, sollte er/sie sich die Infektion auf dem Werk geholt haben bzw. auf dem Werksgelände positiv getestet worden sein (Berufsgenossenschaft). Und das Tollste war dann: „Würden wir so viel testen, dann kämen wir nicht mehr zu unserer Arbeit!“ Man sollte doch denken, das sei ein Schwerpunkt ihrer Arbeit!

 


Viele Kolleginnen und Kollegen vertreten die Meinung, „Wir sind denen da oben eh sch...egal!“ Da kann man nur erwidern: „Aber wir uns selbst nicht!“ Die vielgepriesene Kampagne, der Betrieb sei verpflichtet, zwei Mal die Woche zu testen, ist nur heiße Luft. Sie „können“ testen, das ist eine „Empfehlung“. Das ist die Wahrheit.

 

Fakt ist, die Belegschaft muss sich die Gesundheitsvorsorge gemeinsam erkämpfen. Von allein passiert da nichts! Geld ist mehr als genug da, die Profite explodieren regelrecht. Das Geld ist in unsere Gesundheit bestens investiert. Da sind wohl kostenlose Schnelltests und FFP2-Masken, ausreichend Pausenzeiten und Lüfter in den Räumen das Mindeste, was der Belegschaft zusteht.