Essen, Katernberg-Beisen

Essen, Katernberg-Beisen

Ein Werbeeinsatz, der aufhorchen ließ

Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen!

Korrespondenz
Ein Werbeeinsatz, der aufhorchen ließ
Essen ist eine alte Bergarbeiterstadt, die ehemaligen Kumpel sind stolz auf ihre Arbeit und ihre Tradtion (shutterstock_1432726088)

Am Montagnachmittag zogen wir ‒ allesamt Aktivistinnen und Aktivisten in der Wählerinitiative "Dirk Willing und Gabi Fechtner" der Internationalistischen Liste / MLPD - zu sechst, mit zahlreichen Flyern, einem tragbaren Lautsprecher, dem Rote Fahne Magazin und Literatur bewaffnet, durch das ehemalige Bergarbeiterviertel Beisen im Stadtteil Katernberg, um für die Protestaktion der Bergarbeiter und das anschließende Denkmal-Einweihungsfest zur Erinnerung an den großen Bergarbeiterstreik von 1997 am kommenden Samstag zu werben. Beides wird von Kumpel für AUF und AUF Gelsenkirchen veranstaltet.

 

In Redebeitragen machten wir deutlich, worin die Politik der verbrannten Erde der Ruhrkohle AG besteht und welche Gründe es gibt, gegen die Machenschaften des Kohlemonopols RAG aufzustehen: Deputatklau, Lügen wie „Keiner fällt ins Bergfreie“, Vergiftung des Trinkwassers, Privatisierung von Bergbauwohnungen usw. usf. Es sei außerdem an der Zeit, ein Denkmal aufzustellen, das nicht wie unzählige andere immer nur einem Kaiser und Königen oder wie in Essen Krupp und Thyssen und sonstigen Potentaten gelte, sondern die Arbeiter ehre.

 

Sie, und gerade auch die Bergarbeiter, seien es schließlich, die diese Gesellschaft nach dem Krieg aufgebaut hätten und auch heute aufrechterhielten, nicht die sogenannten „großen Gestalten der Geschichte“. Da strahlte so manches Gesicht, gibt es doch eine große Identifikation mit den Bergleuten, und fast jeder hier hatte oder hat einen in der Familie. Die Veranstaltung am Samstag ist gut geeignet, den Stolz darauf zum Ausdruck zu bringen. Gerade auch heute hat der große Bergarbeiterstreik 1997 große Bedeutung für die Arbeiterklasse und ihre Familien, auf die heute die Krisenlasten abgewälzt werden.

 

Wichtig war, jedem Anwohner persönlich die Einladung zu überbringen und ins Gespräch zu kommen, statt nur Einladungen in die Briefkästen zu stecken. Es entstanden interessante Dialoge mit Anwohnern, die weitere Rechnungen aufmachten: die Bergschäden, oder die Lüge, das Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland erfolge aus Umweltschutzgründen. Gleichzeitig nämlich wird das riesige neue Kohlekraftwerk in Datteln mit „Blutkohle“ aus Kolumbien und Russland betrieben.

 

Diese Ansprachen hielten wir auch immer wieder auf Türkisch. Das ließ aufhorchen und war ein wahrer Türöffner in diesem Viertel, in dem sehr viele Familien von ehemaligen türkischen Kumpels leben.

 

Leider waren wir zwar internationalistisch, aber kulturell noch nicht so gut aufgestellt, schafften aber zumindest das Lied „Glück auf, der Steiger kommt“ zu singen

 

Zur Erinnerung: Die Veranstaltung findet am 5. Juni 2021 von 12 bis 18 Uhr in Gelsenkirchen-Horst statt. Es gibt neben Getränken u.a. Brathähnchen.