Kolumbien

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El Cerrejón sperrt 10.000 Kumpel aus

Der multinationale Konzern hat alle Beschäftigten von El Cerrejón - der größten Übertage-Kohlemine Amerikas - vorübergehend von der Arbeit "suspendiert" mit der Begründung "höhere Gewalt". Diese bestehe darin, dass infolge von Straßensperren und Blockaden die Zufuhr unter anderem von Benzin nicht mehr ausreiche, um die Förderung durchzuführen.

Von dm
El Cerrejón sperrt 10.000 Kumpel aus
Kämpferische Bergarbeiterversammlung in Kolumbien im Frühjahr

Das betrifft rund 10000 Bergleute (etwa 4600 fest angestellte, die anderen als Leiharbeiter). Faktisch ist das eine Aussperrung.

 

Hintergrund ist, dass es im Rahmen des in Kolumbien seit dem 28.4. fortgesetzten "paro nacional" im ganzen Land Proteste gibt verbunden mit an die 3000 Straßensperren oder Blockaden. Konkret in der Region des Bergwerks sind es v.a. zwei Blockaden, die die Verbindung zu den zwei wichtigsten Karibik-Häfen für Cerrejón berühren: einmal von 213 ehemaligen Beschäftigten bei Cerrejón, Bergleute, die im Februar entlassen wurden und um ihre Wiedereinstellung kämpfen. Zum anderen von Gemeinden v.a. der Ureinwohner, die vor wegen der Umweltzerstörung im Kampf mit El Cerrejón liegen. Die Gewerkschaft Sintracarbón bringt Belege, dass "höhere Gewalt" ein Märchen ist und Vorwand, um gegen die kämpfenden Kumpel und Ureinwohner aufzuhetzen. Immerhin ist es die Gewalt der Konzernspitze, die Ursache für die Blockaden im Kampf der Bergleute und Dorfbewohner für ihre Existenz. Bei einer Online-Pressekonferenz der Gewerkschaft Sintracarbón am 28.5. erklärte ein Vertreter der entlassenen Kumpel: "Wir sind Arbeiter und fordern unsere Rechte ein. Wir sind keine Gewalttäter". Igor Díaz, der Gewerkschaftsvorsitzende, bekräftigt den Schulterschluss mit den Gemeinden sowie die Solidarität mit den entlassenen Kollegen. Sintracarbón fordert, das betonte er sehr, dass das Unternehmen in einen Dialog eintritt, um die Fragen zu lösen.

 

Sie bedankten sich für meine Teilnahme an der Pressekonferenz, die sonst von Journalisten aus Kolumbien besucht war, und insgesamt 150 interessierten Zuhörern. Ich sagte, dass ich in Deutschland über ihre Situation und ihren Kampf berichte, die kämpferische Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF in Deutschland und die Internationale Bergarbeiterkoordination unterstütze, die ihre uneingeschränkte Solidarität zeigt (mehr dazu www.minersconference.org). Ich stellte die Frage, ob die harte Haltung von Cerrejón damit zu tun hat, dass sie unbedingt verhindern wollen, dass die Bergarbeiter an der Spitze der Volksbewegung im ganzen Land stehen. So wie sie das mit dem großen 91 Tage langen Streik der Kumpel Ende 2020 taten, der wichtige Erfolge erreichte. Der Gewerkschaftsvorsitzende meinte auch, dass die Haltung von El Cerrejón die Spaltung beabsichtigt. Das komme auch darin zum Ausdruck, dass Cerrejón sich neuerdings gegenüber den Gemeinden auffällig zugänglich zeigt und auf Gespräche eingeht, was gegenüber den Bergarbeitern abgelehnt wird. Sintracarbón weist die Spaltung zurück und unterstützen auch die Ureinwohner, die gegen die Umweltzerstörung durch das internationale Berbarbeitermonopol kämpfen. Ihnen gehört die internationale Solidarität.

 

Seit über einem Monat gehen täglich in Kolumbien tausende auf die Straßen, fordern ein Ende des Terrors von Polizei und Militär, kämpfen für soziale Rechte und gegen die Abwälzung der Lasten von Weltwirtschafts- und Finanzkrise sowie der Folgen der Corona-Pandemie. Die Großkonzerne und die ihnen dienende Regierung unter dem faschistoiden Präsident Duque fürchten in der offenen gesamtgesellschaftlichen Krise besonders den Schulterschluss der Arbeiterbewegung mit den kämpfenden Massen, vor allem der Jugend. Denn das öffnet in Verbindung eine Perspektive für die Höherentwicklung des Kampfes gegen die Ursachen im kapitalistischen Gesellschaftssystem und die Auseinandersetzung darüber gegen die extrem antikommunistische Haltung der Herrschenden in Kolumbien.