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Immer neue Enthüllungen über Erdoğans Mafia-Netzwerk

Der nach Dubai geflohene ehemalige Anhänger des faschistischen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Sedat Peker, gibt seit einiger Zeit immer neue Insiderkenntnisse zu Waffen- und Drogengeschäften, Mordkomplotten und willkürlichen Verfolgungsmaßnahmen von Politikern des Erdoğan-Regimes preis.

Von ba
Immer neue Enthüllungen über Erdoğans Mafia-Netzwerk

Peker ist selbst Rassist und hatte viele Förderer unter den faschistischen Grauen Wölfen, die mit ihrer Partei MHP im Wahlbündnis „Volksallianz“ mit der regierenden AKP Erdoğans verbunden ist. Er war ursprünglich auch ein Anhänger von Erdoğans Regime. In Videos deckt er enge Verbindungen zwischen Erdoğans Vertrauten, von AKP- und MHP-Politikern und der türkischen Mafia auf. Peker musste sich selbst mehrmals wegen Mordes, versuchten Mordes und Entführung vor Gericht verantworten, wurde aber trotz erwiesener Beteiligung an Morden nur wegen der "Gründung einer kriminellen Organisation" verurteilt, weil hochrangige Politiker sich für ihn einsetzten. Er wurde auch weit vorzeitig entlassen. Im vergangenen Jahr hat er sich aus der Türkei abgesetzt, um einer weiteren Strafverfolgung zu entgehen.

 

Nun will er für sich offenbar Straffreiheit erpressen, ebenso wie der Mafiaboss Alaattin Çakıcı, der wegen Auftragsmordes und Führung einer kriminellen Vereinigung hinter Gittern saß. Çakıcı wurde im Zuge von Entlassungen wegen der „besonderen Gefahr von Corona in den überfüllten Gefängnissen“ frei gelassen. Politisch Verfolgte wurden dagegen nicht amnestiert.

 

Weil die Kritik an Erdoğans Regime in der Türkei immer mehr wächst, erfreuen sich Pekers bisher acht YouTube-Videos bei immer mehr Menschen zunehmender Beliebtheit. Allein sein letztes Video wurde mehr als 14 Millionen Mal angeschaut. Darin bestätigt er die Vermutungen eines wachsenden Teils der türkischen Bevölkerung, von durch und durch korrupten und brutal-rücksichtslosen Politikern regiert zu werden.

 

Die Enthüllungen haben es in sich:

  • Peker wirft dem Sohn des früheren Regierungschefs Binali Yildirim vor, Kokain über Containerschiffe in die Türkei gebracht und Drogen-Routen mit aufgebaut zu haben.
  • Der frühere Innenminister Mehmet Agar soll Peker zufolge 1993 in die Ermordung des bekannten investigativen Journalisten Uğur Mumcu verwickelt gewesen zu sein.
  • Besonders greift er Innenminister Soylu an. Ihm wirft Peker vor, erst seinen Schutz angeboten und ihn dann verraten zu haben. Soylu habe seine Anhänger zu Richtern und Staatsanwälten befördern lassen.
  • Peker erklärt, dass er über „Sedat“, eine private Sicherheits- und Militärfirma, die auch als "Erdoğans Schattenarmee" bezeichnet wird im Syrien-Krieg Waffen, Fahrzeuge und Kleidung an die islamistisch-faschistische al-Nusra-Front geliefert habe. Damit bestätigt er u.a. den Journalisten Can Dündar, der wegen entsprechender Bericht wegen "Terrorpropaganda" verhaftet und verurteilt wurde und flüchten musste.
  • Laut Peker ist die Mafia auf Geheiß der Regierung als „tiefer Staat“ (eine unter der Oberfläche der offiziellen politischen Institutionen wirkende Organisation) verantwortlich für zahlreiche Morde an Kurden, oppositionellen Politikern, Linken und Journalisten. Es existiere ein regelrechtes Netzwerk zwischen AKP/MHP, staatlichen Funktionären, hohen Beamten der Justiz und Verwaltung, sowie der Polizei- und der Armeeführung mit den Bossen des organisierten Verbrechens.

 

Wie empfindlich das Erdoğan-Regime auf die Anschuldigungen Pekers reagiert, bekam ein Journalist der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zu spüren. Er sprach in der vergangenen Woche zwei Minister auf dessen Vorwürfe an und wurde noch am selben Tag gefeuert.

 

Die Enthüllungen des Mafiabosses vertiefen die politische Krise des Erdoğan-Regimes. Die Währung Lira verliert immer mehr an Wert, weil die Inflation so hoch ist, dass sie die Zinsen übertrifft, und sich Kapitalanlagen in der Türkei nicht lohnen. Die Türkei kämpft mit einer massiven Wirtschaftskrise und zunehmender Arbeitslosigkeit. Nach Umfragen kommt die AKP nur noch auf 26,6 Prozent der Stimmen, den schlechtesten Stand seit 2003. Nun droht auch noch eine offene Regierungskrise.