Lehrstellensuche

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32.000 offene Lehrstellen - meist keine Reaktion auf Bewerbungen!

„32.000 offene Ausbildungsstellen“ zitiert die WAZ vom 12. Juni ein Interview mit dem Handwerkspräsidenten Wollseifer. Ein regelrechter Schlag ins Gesicht vieler Schulabgänger, die sich oft vergeblich um einen Ausbildungsplatz bewerben.

Korrespondenz

Ich begleite aktuell zwei 18-Jährige bei ihren Bemühungen um einen Ausbildungsplatz. Einer mit durchschnittlichem Realschul-Abschluss, der andere mit durchschnittlichem Hauptschulabschluss - jeweils 2020 erreicht. Beide haben an die 70 bis 80 Bewerbungen geschrieben, von der Großindustrie (Siemens, tkse, HKM, Deutsche Bahn, …) bis hin zu kleinen Handwerks- oder auch Handelsbetrieben. Ergebnis: Einmal ganze zwei Antworten, davon direkt eine Absage, und einmal vier Antworten, davon drei direkte Absagen.

 

Diese Methoden, Bewerbungen der jungen Menschen nicht zu beantworten oder eine Übernahme nach erfolgreicher Lehre zu verweigern wie z.B. bei tkse, bewirken bei vielen Selbstzweifel, sie entwickeln das Gefühl einer persönlichen „Wertlosigkeit“, wie es einer formulierte. Es raubt ihnen ihre Lebensperspektive. Dies wird durch Berichte in Medien von einer angeblich fehlenden Leistungsbereitschaft, fehlender Disziplin und Respektlosigkeit der Jugend verstärkt.

 

Von daher von Bedeutung, dass sie ihre Erfahrungen nicht als ein persönliches Versagen verarbeiten, sondern als eine Methode dieses kapitalistischen Systems, die ihr Selbstbewusstsein, ihr Engagement und die Kampffähigkeit zum Teil zerstört. Um dem entgegenzuwirken, war es wichtig, die Respektlosigkeit und Verrohung der Sitten aufzuzeigen, die dieses Nicht-Reagieren auf Bewerbungen zum Ausdruck bringt – und das als Ausdruck dieses kapitalistischen Systems zu verdeutlichen. So ist es gelungen, im Laufe des letzten Jahres eine immer wieder aufkommende Verzweiflung niederzuringen und mit der erkämpften Moral neue Mittel und Methoden der Bewerbungen – und sei es nur in den Formulierungen – auszuprobieren. Wir diskutierten natürlich auch, dass der Kampf um mehr Ausbildungsplätze für die Jugend dringend notwendig ist.

 

Und dann endlich, innerhalb von nur drei Wochen, erhielt der eine eine Einladung zum Vorstellungsgespräch mit anschließender Zusage und der andere eine Einladung zum Einstellungstest In den Cliquen und Familien der Jungs ein großes „Hallo“ und Riesenfreude.

 

Damit ist zwar eine Ausbildungsstelle erreicht, aber die ideologische Auseinandersetzung um den weiteren Verlauf, die Perspektive, auch gesamtgesellschaftlich, kann und muss auf der Grundlage dieses gemeinsamen Erfolges jetzt weitergehen.