Präsidentschaftwahl in Peru

Präsidentschaftwahl in Peru

Ein Sieg gegen Antikommunismus und des Willens der Volksmassen

Nach der Auszählung von 98 Prozent der Stimmen ist nun klar: mit einem antiimperialistischen Programm hat Pedro Castillo in der Stichwahl am 6. Juni mit 50,2 Prozent 60.365 Stimmen mehr erhalten als die ultrarechte Keiko Fujimori mit 49,8 Prozent der Stimmen. Dieser hart erkämpfte Wahlsieg unterstreicht die Entwicklung eines beginnenden Prozesses zu einer länderübergreifenden revolutionären Gärung in ganz Lateinamerika.

Von Anna Bartholomé
Ein Sieg gegen Antikommunismus und des Willens der Volksmassen
Riesige Freude in Peru über den Wahlsieg von Pedro Castillo (Foto: Kämpferinnen von Peru)

Unterschiedlicher hätten die beiden Kandidaten kaum sein können. Da ist der 51-jährige Pedro Castillo, der in einer kinderreichen armen Familie im peruanischen Hochland aufwuchs, täglich kilometerweit zur Schule laufen musste, Lehrer wurde und sich schließlich als Gewerkschaftsführer in Lehrerstreiks einen Namen machte. Seine Partei, Perú libre, beruft sich auf den Maxismus-Leninismus, vertritt aber ein eher linksreformistisches Programm mit Plänen zur Verstaatlichung der Bergbaukonzerne und für eine neue, demokratische Verfassung. In Bezug auf Frauenrechte vertritt sie sogar ausgesprochen rückschrittliche Positionen.

 

Seine Gegenspielerin, die 46-jährige Keiko Fujimori, wuchs als eine der Reichsten unter den ganz Reichen auf. Als Tochter des wegen Korruption und massiven Menschenrechsverletzungen inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori ist sie selbst tief in Korruptionsskandale verwickelt. Sie fand für ihren Wahlkampf mächtige Unterstützer – dabei ein Großteil der Medien. Plakataktionen, mit denen Castillo als Terrorist verschrien und alle Ängste gegen einen angeblich Hunger und Elend bringenden Kommunismus geschürt wurden. Die etwas geschickteren Fujimori-Anhänger führten sich als Verteidiger von Demokratie und Freiheit auf.

 

Die Genossen und Genossinnen der ICOR-Mitgliedsorganisation Bloque popular démocratico (BDP) berichten uns, wie die Ultarechten bis zuletzt versuchten, mit allen Mitteln gegen Castillo aufzutrumpfen. Wenige Tage vor der Wahl wurde von einem Massaker in einem Andendorf berichtet, das der Guerillaorganisation Sendero Luminoso angelastet wurde – ohne jeden Beweis. Ein Fujimori-Anhänger drang in ein Wahllokal ein, um als angeblicher Castillo-Anhänger Wahlstimmen zu fälschen. Aber er wurde rasch als Fujimori-Helfer enttarnt. Angstmache wurde auch betrieben mit der Drohung mit einem Militärputsch bei einem Castillo-Sieg.

 

Die extreme Polarisierung, die sich in diesen Wahlen ausdrückt, ist damit nicht beendet. Sie fordert auch andere fortschrittliche und revolutionäre Organisationen heraus. Der Bloque Popular hat Castillo Unterstützung auch für seine weitere Arbeit zugesagt und dazu auch andere fortschrittliche und revolutionäre Kräfte aufgerufen. „Seine schlichte Authentizität und sein Weg des Kampfes ist der Spiegel, in dem sich die Millionen Peruaner finden, die sagen, genug ist genug!“

 

Die Antikommunismushetze kann zu einem Bumerang werden. So heißt es in einer Stellungnahme unseres Freundes vom Bloque Popular: „Die Gefahr eines Putsches oder eines gewaltsamen Ausstiegs, der den Wahltriumph zunichte machen würde, ist nicht ausgeschlossen. Aber eines ist sicher: Hunderttausende von neuen sozialen Kämpfern sind entstanden, die sich angesichts der antikommunistischen Schreie und des Hasses nicht einschüchtern ließen oder zurückwichen. Das war der Preis für die antikommunistische Kampagne von Keiko und ihren Verbündeten. Die Aufgabe, eine positive Antwort auf den Antikommunismus zu geben, Klarheit über die gesellschaftliche Alternative des Sozialismus zu bieten, hat einen massenhaften und landesweiten Charakter angenommen.“

 

Hintergrundartikel im aktuellen Rote Fahne Magazin