Rote Fahne News

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Heißes Eisen: Position zum Thema Impfen von Kindern

Am 31. Mai 2021 veröffentlichte "Rote Fahne News" eine Stellungnahme der Leitung der Kinderorganisation ROTFÜCHSE im Jugendverband REBELL zum Thema Impfen von Kindern.

Dr. Willi Mast / Rotfuchsleitung

Die Rotfuchsleitung positioniert sich in dem Artikel für das Impfen von Kindern: "So schnell wie möglich, mit sehr hohen Anforderungen an die Sicherheit der Impfstoffe und in vertrauter Umgebung beim Kinderarzt!" In einem anderen Artikel hatte sich auch Dr. Günther Bittel von der Medizinerplattform im Internationalistischen Bündnis für das Impfen von Kindern ausgesprochen und angeprangert, dass die Impfstoffe viel zu knapp sind: "Kinder und Jugendliche mit gesundheitlichen Risiken müssen auf jeden Fall ein Impfangebot bekommen. Ein weitgehender Schutz auch von Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, ist nur erreichbar, wenn Kinder und Jugendliche ebenfalls geimpft werden."

 

In einem Brief kritisiert Dr. Willi Mast von der Medizinerplattform im Internationalistischen Bündnis die Stellungnahmen für das Impfen von Kindern als vorschnell und nicht angemessen, da bei Kindern und Jugendlichen eine Corona-Erkrankung - glücklicherweise - äußerst selten schwer oder gar tödlich verlaufe. Dagegen seien bei Kindern und Jugendlichen die Nebenwirkungen von Impfungen häufiger und schwerer als bei Erwachsenen.

 

Die Rotfuchsleitung im REBELL erarbeitete eine Antwort an Dr. Willi Mast, die Rote Fahne News hier auszugsweise dokumentiert:

 

Wir haben mit unserer frühen Stellungnahme die Notwendigkeit der Beratung mit dem Ärzte-Team unterschätzt und hätten darauf warten müssen. Die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist eine Aufgabe mit gesamtgesellschaftlicher Dimension. Von diesem Standpunkt müssen wir auch an die Frage der Impfungen bei Kinder herangehen. So wird in den bürgerlichen Medien geschrieben, dass „bei Kindern das Selbstschutz-Argument nicht so stark wie bei Älteren [gilt], denn sie erkranken deutlich seltener als Erwachsene an Covid-19.“ Du bringst selbst verschiedene Zahlen zu den Erkrankungen und Todesfällen bei Kindern. Auch wenn es einen milderen oder einen Verlauf ohne Symptome bei Kindern gibt, übertragen sie das Virus. Die Forderung, auf Impfungen bei Kindern zu verzichten, entspricht der Ausrichtung der Bundesregierung und der Monopole, „mit dem Virus zu leben“, anstatt die Pandemie zu überwinden.

 

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Der Leiter der WHO fordert, auf die Impfung von Jugendlichen zu verzichten zugunsten höherer Impfzahlen in den armen Ländern. Er begründet das sogar damit, „weltweit zuerst die Verletztlichsten zu impfen und Impfstoffe, die Kinder möglicherweise gefährden, würden anderenortes fehlen und Menschenleben kosten“. Das ist doch eine Kapitulationserklärung vor der imperialistischen Profitlogik und ihrem Konkurrenzdenken! Und es ist demagogisch. Denn die Herrschenden und der imperialistische Konkurrenzkampf tragen die Verantwortung für die fehlenden Impfstoffe und die ungleiche Verteilung auf der Welt, nicht die Kinder. Diese Spaltung zwischen den Ländern und zwischen Jung und Alt nützt nur den internationalen Monopolen. Richtig ist deshalb die Forderung und der Kampf nach Aufhebung des Patentrechts und massenhafter Impfstoffproduktion. Natürlich gilt der höchste Anspruch an die Impfungen und Forschungen bei Kindern und Jugendlichen, so wie wir es auch gefordert haben.

 

Der Chef des RKI geht mittlerweile davon aus, dass für die Pandemiebewältigung deutlich über 80% der Bevölkerung (vermutlich sogar höher) durch eine Impfung oder Genesung immunisiert sein müssen. Aber der Anteil der Kinder und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahre in der Weltbevölkerung liegt nach Schätzungen der UN bei ca. 2,37 Milliarden, das sind ca. 30,2 Prozent. In Afrika sind sogar 46,7 Prozent der Bevölkerung Kinder und Jugendliche! Die Impfung der Kinder ist wichtig, wenn die Pandemie wirklich besiegt werden soll. Neuinfektionen beinhalten die Gefahr von neuen Mutationen und die Ausbreitung der Corona-Variationen, die weiter besorgniserregend ist.

 

Du schreibst: „Es wäre also angebracht, für Kinder und Jugendliche eine eindeutige Entwarnung zu geben, zumal die Angststörungen bei ihnen inzwischen in die 100-Tausende bzw. Millionen gehen.“ Die meisten Kinder haben aber die größte Angst davor, dass sie ihre Freunde, Eltern oder Großeltern anstecken. Neulich sagte noch ein Rotfuchs: „Natürlich wenn ich in der Schule esse, dann rede ich nicht, weil sonst meine Luft durch den Klassenraum fliegt.“ Und ein Vater sagte: „Ich lasse mein Kind nicht in größere Versammlungen, ich kann es nicht verantworten, wenn er andere ansteckt. Denn er geht zum Fußball und trifft sich mit seinen Freunden. Ich kann nicht sagen, ob er dann immer Abstand hält und seine Maske trägt.“ Und nicht zuletzt ist auch die Gefahr von Langzeitschäden durch Corona-Infektionen, die ja explizit auch bei milderen Verläufen entstehen, bei Kindern und Jugendlichen nicht geringzuschätzen.

 

In den bürgerlichen Medien werden die Kinder ständig nur als Opfer dargestellt. Aber das widerspricht doch grundlegend unserer proletarischen Pädagogik! Wir gehen davon aus, dass Kinder ihren eigenen Kopf gebrauchen, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und für ihre Zukunft aktiv werden können. Dazu gehört auch die Einsicht in die Notwendigkeit von Gesundheitsschutzmaßnahmen wie Abstand halten, Masken tragen oder Impfungen. Das von den Kindern „fernhalten“ oder sie „beschwichtigen“ zu wollen, ist ein Einfluss aus der bürgerlichen Sozialpädagogik und letztlich skeptisch in die Kinder.

 

Wir wissen aber auch: Auch wenn das Bewusstsein bei Kindern und Jugendlichen über die Gesundheitsschutzmaßnahmen steigt, Abstand und Maske kann nicht immer zu 100% gewährleistet werden. Es geht auch hierbei darum, dass die Pandemie bekämpft werden muss und nicht pragmatisch und auf Sicht einzelne Abstriche gemacht werden. Dazu gehört auch, dass sich die Kinder wieder aktiv für ihre Zukunft einsetzen können, sich treffen können wie mit unseren Rotfuchstreffen.

 

Wir halten dein Anliegen für berechtigt, uns über diese Frage gründlich auseinanderzusetzen und nehmen uns der Kritik an, dass wir diese Auseinandersetzung noch stärker hätten suchen sollen. Aber bist du nicht auch etwas skeptisch, dass wir uns hier „zu weit aus dem Fenster lehnen“ würden? Die Medizinerplattform im Internationalistischen Bündnis, MLPD und REBELL haben in den vergangenen Monaten bewiesen, dass wir auch in komplizierten und strittigen Fragen einen fundierten Standpunkt und richtige Prognosen erarbeiten können.

 

Wir sind gespannt auf deine Antwort!

 

Herzliche Grüße, deine Rotfuchsleitung!