Urlaubstagebuch

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Piemont und die Resistenza

Im Piemont - in den Bergen, vor allem in der Grenzregion zu Frankreich, aber auch rund um Turin - findet man immer wieder unübersehbare Denkmäler und Plaketten, die an den Kampf um Liberta (Freiheit) und die Resistenza (den bewaffneten Widerstand gegen den Faschismus) erinnern.

Korrespondenz
Piemont und die Resistenza
Gedenktafel für Fiatarbeiter die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind (rf-foto)

Die Resistenza ist einerseits fest verankert im Gedächtnis der Menschen im Piemont, zugleich wurde und wird offenbar die grundsätzliche Aufarbeitung dieser Zeit auch in Italien vernachlässigt. Unter Bekannten, mit denen wir diskutierten, spürt man eine große Furcht vor dem wachsenden Einfluss von faschistischen und faschistoiden Organisationen und Parteien und der weiteren Faschisierung des Staatsapparates.

 

Der antifaschistische Widerstand bekam eine klare kämpferische Ausrichtung nach dem Einmarsch der Alliierten in Sizilien im Juli 1943, der Absetzung Mussolinis und der Besetzung Norditaliens durch die deutsche Wehrmacht. Binnen Tagen schafften es die deutschen Faschisten zusammen mit den verbliebenen Anhängern des faschistischen "Duce", sich die Mehrheit der Bevölkerung zum Feind zu machen. Die Reste der italienischen Armee interniert und in KZs verfrachtet, dazu junge arbeitsfähige Menschen zum Arbeitsdienst gezwungen - insgesamt über eine halbe Million Menschen! Die Soldaten desertierten massenhaft, um sich vor den Nazi-Faschisten, wie sie hier genannt wurden, in Sicherheit zu bringen.

 

Die Bevölkerung organisierte den Kleidungstausch: Altkleider gegen Uniformen, die nachts verbrannt wurden. Die Desertierten gingen in die Berge und schlossen sich den Partisaneneinheiten in der Nähe an, die unterschiedliche politische Richtungen repräsentierten, aber gegen die Faschisten immer solidarisch zusammenstanden. Die jungen Soldaten hatten meist keine politische Bildung außer der faschistischen erfahren, da der Faschismus seit 1922 in Italien herrschte. Die Partisaneneinheiten unterschiedlicher Richtung legte daher alle großen Wert auf politische Erziehung durch Kommissare.