Gefährliches Umweltproblem

Gefährliches Umweltproblem

Munitionsaltlast in den Meeren

Mehr als zwei Drittel der Erde werden durch Ozeane bedeckt, sie bilden - zusammen mit den anderen ober- und unterirdischen Wassern - die Hydrosphäre.

Von einer Korrespondentin aus Stralsund
Munitionsaltlast in den Meeren
Verfallene Holzkisten mit Munition aus einem japanischen Kriegsschiff (shutterstock_1717550953)

Die Tiefen der Ozeane sind bislang weitgehend unerforscht. Ozeane sind reich an Ressourcen, Energien und Mineralien, liefern Nahrung für Mensch und Tier. Sie sind verantwortlich für das Klima und damit für das Wetter, vor allem für die Stabilität von Klimazonen. Sie sind Transportwege zwischen den Kontinenten. Es ist ein einzigartiges Ökosystem und global stark gefährdet: Durch Überfischung, Verlust der Artenvielfalt und Meeresverschmutzung, die ein globales Handeln erfordern.

 

Meer und Küsten sind Teil unserer Umwelt und bedürfen dringend unseres Schutzes, international! Denn Umwelt kennt keine Grenzen! Zwischen allen Ökosystemen bestehen Zusammenhänge und Wechselwirkungen. Beschädige ich eines, gefährde ich alle! Eine Vielzahl dieser Bedrohungen und Veränderungen sind den Menschen nicht einmal bekannt. Wenn wir von Meeresverschmutzung sprechen, sind es Schlagworte, wie: Nitrat- und Phosphateintrag aus der industriellen Landwirtschaft (Hauptproblem vor allem für die Ostsee!), Plastikmüll, Chemieabfall- und Schwermetalleinträge, Radioaktivität, Ölverschmutzung, Munition im Meer, Lärm und Schall im Wasser.

 

Die Schlagwortinhalte sind nicht voneinander zu trennen. Keiner existiert für sich alleine! Beispiel: Munition im Meer! Woher kommt diese Munitionslast im Meer? In zwei Weltkriegen wurden bis zu deren Ende mit großem Profit und völkervernichtendem Potential Unmengen an Kriegsmunition und chemischen und biologischen Kampfstoffen produziert, eingesetzt und für den Einsatz gelagert. Nach dem 2. Weltkrieg wollten die Alliierten den deutschen Kriegsherren den weiteren Zugriff darauf entziehen. Bewusst, aber auch aus Unbedachtheit und unter Zeitdruck, wurden Millionen von Tonnen dann in Ostsee und Nordsee verklappt, dh. versenkt. Aus den Augen, aus dem Sinn? Dazu kommen noch tausende Schiffe und Flugzeuge mit ihrer Last an Munition, die während der Kriegshandlungen in den Meeren versenkt wurden.

 

Bis Januar 2016 sind seit Kriegsende 418 Todesfälle und 720 Verletzte auf Grund von Unfällen mit Kriegsaltlasten bekannt geworden. Hauptlast dabei tragen die Menschen des Fischereigewerbes, der Schifffahrt, Bergungsarbeiter/ -taucher und Arbeiter bei wasserbaulichen Tätigkeiten. Aber auch Menschen, die am Strand Erholung suchen, werden immer wieder Betroffene bei Kriegsaltlastfunden.

 

An Land sind nach Jahrzehnten des Einflusses von Sonne, Regen und Wind die Kampfmittelkörper oft bis zur Unkenntlichkeit verrottet, können aber zumeist bei Entdeckung fachgerecht entschärft, geborgen oder gesprengt werden. Aber wie sieht es damit unter Wasser aus? Abhängig von Wassertiefe, -strömung und -zusammensetzung, ist schon die Auffindung der Objekte eine Herausforderung. Zufallsfunde durch Sporttaucher, Hebung mit oder Reißen von Fischernetzen, Ausspülungen/ Ausgrabung bei wasserbaulichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel der Windkraftanlagen oder Gas- und Stromleitungen, sind eine Seite.

 

Eine andere ist die akribische Recherchearbeit u.a. in den Militärarchiven. Die tickenden Zeitbomben in Nord- und Ostsee sind die chemischen Kampfstoffe! Im Ostseebereich gab es mindestens sechs Großlager für chemische Kampfstoffe und rund 10.000 Tonnen dieses Kampfmittels wurden verklappt! Es ist dringend erforderlich, international zusammenzuarbeiten, um die Kriegsaltlast zu finden, zu entschärfen und zu bergen. Bislang müssen meistens Taucher die Sichtung des Fundes, eine notwendige Entschärfung und dann die Vorbereitung zum Bergen oder Sprengen vor Ort durchführen. Es besteht potentiell immer Lebensgefahr für sie.

 

Die Bundesrepublik Deutschland übernimmt nur die Kosten für die Seeschifffahrtswege. Die Kosten für die Minenbergung abseits dieser Wege obliegt den Bundesländern. Schleswig-Holstein ist davon am schwersten betroffen, weil es eine Nord- und eine Ostseeküste besitzt! Die Unterstützung der BRD für die betroffenen Länder beträgt derzeit ca. 7 Milliarden Euro, doch die Ausgaben für Rüstung und deren Forschung ist weitaus höher! 1,6 Millionen Tonnen an Kampfmitteln alleine an den deutschen Küsten von Nord- und Ostsee erfordern Ortungs- und Bergungstechniken auf wissenschaftlich höchstem Niveau, was jedoch auch entsprechende finanzielle Mittel notwendig macht, die die Länder alleine nicht aufbringen können. Die austretenden Kampfstoffe verursachen eine unmittelbare Gefährdung von Mensch und Tier. Über Kontakt und über die Nahrungskette Meer.

 

Die Masse an Kampfmitteln aus dem 1. und dem 2. Weltkrieg ist bereits jetzt schon so groß, dass es Generationen von Menschen bedarf, sie zu beseitigen.

 

Link zu einer Karte über die Munitionsaltlasten in den Ozeanen

 

Liedbeitrag von Nümmes zum Tag des Meeres