Urlaubstagebuch

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Reisanbau im Piemont

Gerade erst unterhalb vom Monviso in den Westalpen auf der Pian del Re entsprungen, das Valle Po hinab und durch Turin geflossen, wird der wasserreiche Fluss Po zur wichtigen Ressource für den Obst-, Gemüse-, Wein- und Getreideanbau. Es gibt kaum etwas, das in der fruchtbaren Po-Ebene nicht gedeiht. Zum ersten Mal im späten Frühjahr in der Gegend unterwegs fallen uns direkt die tief grünen Reisfelder links und rechts der Autobahn auf und es entsteht die Idee, sich das genauer anzuschauen.

Korrespondenz
Reisanbau im Piemont
Eines der Reisfelder in der malerischen Po-Ebene (rf-foto)

Die Po-Ebene Italiens ist das größte Reisanbaugebiet Europas und produziert ca. 1,6 Millionen Tonnen Reis, was allerdings weniger als 1 Prozent der Reisproduktion Chinas ist. Aber seit über 500 Jahren wird hier Reis angebaut - vor allem Sorten wie Arbori, Vialone oder Carnaroli für Risotto. Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren ca. eine Viertelmillion Saisonarbeiter dafür notwendig - meist Frauen, die "Mondine" genannt wurden. Sie pflanzten, jäteten Unkraut, ernteten - immer im Wasser unterwegs inmitten von Mückenschwärmen.

 

Heute wird der Reis in Italien gesät statt gepflanzt. Die Bodennivellierung wird von GPS-gesteuerten Traktoren übernommen, die für einen gleichmäßigen Wasserspiegel sorgen. Sind die Halme 10 cm hoch, wird das Feld geflutet. Wenn man durch die Felder fährt stellt man fest, dass es ein ausgeklügeltes Kanalsystem gibt, um die Felder zu bewässern, bzw. Wasser abzulassen. Der Wasserspiegel sorgt für gleichbleibende Temperaturen für Keimung und Wachstum der Reispflanze. Ist die Pflanze ausgewachsen, wird das Wasser abgelassen, die Pflanze wird braun und der Reis reift aus und kann geerntet werden. Im Jahr 1939 waren für einen Hektar Reis hier noch 1028 Arbeitsstunden erforderlich, heute sind es rund 50 Stunden. (Informationen von der Webseite: https://www.iva.de/iva-magazin/schule-wissen/reisanbau-italien-gibt-es-seit-ueber-500-jahren). Ohne diese enorme Produktivitätssteigerung und modernste Produktionsmethoden könnten die italienischen Reisbauern im internationalen Konkurrenzkampf gar nicht bestehen. Heute gibt es auch Cooperativen, die biologisch wirtschaften und den Reis selbst vermarkten - das sind Initiativen in Richtung einer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur.