Nachruf auf Pfarrer Friedhelm Meyer

Nachruf auf Pfarrer Friedhelm Meyer

Ein streitbarer Christ und Sozialist ist von uns gegangen

Ca. 200 Trauergäste gaben Friedhelm Meyer, Pfarrer im Ruhestand, am 23. Juni in Düsseldorf das Geleit zu seiner letzten Ruhestätte. Friedhelm Mayer war am 15. Juni nach längerer Krankheit im Alter von 85 Jahren verstorben.

Dr. Günther Bittel
Ein streitbarer Christ und Sozialist ist von uns gegangen
Friedhelm Meyer (hinter dem Tisch), Dr. Günther Bittel und eine Besucherin am Stand der Umweltgewerkschaft beim Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden

Der streitbare protestantische Theologe orientierte sich an der Theologie der Befreiung, die in Lateinamerika als kirchliche Basisbewegung den Kampf gegen Diktatoren und den US-Imperialismus unterstützt hatte, er engagierte sich in der Bewegung „Christen für Sozialismus“. Sein Vorbild für die aktive Teilnahme von Christen im antifaschistischen Kampf war Pfarrer Dietrich Bonhoeffer. Führend baute er die „solidarische Kirche im Rheinland“ auf, gewährte Kirchenasyl für politisch Verfolgte. Er öffnete seine Gemeinde als Begegnungsstätte für vor der Pinochet-Diktatur geflohene Chilenen, arbeitete auch eng mit der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung in Deutschland zusammen. Er engagierte sich intensiv in der Friedensbewegung, beim Ostermarsch Rheinland oder bei den Demonstrationen gegen die NATO-Kommandozentrale in Kalkar.

 

Ein besonderes Anliegen war ihm die kämpferische Umweltbewegung, die aus seiner weltanschaulichen Sicht eines fortschrittlichen Christentums unverzichtbar zur Bewahrung der Schöpfung gehörte. In der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) war er aktiver Mitstreiter. Auf dem ersten und dem zweiten Umweltratschlag 2009 und 2011 stellte er sich jeweils für die Koordinierungsgruppe zur Wahl und wurde auch immer mit überwältigender Mehrheit gewählt. Der zweite Umweltratschlag stellte die Weichen für die Vorbereitung der Gründung der Umweltgewerkschaft.

 

Friedhelm sorgte dafür, dass beim Evangelischen Kirchentag in Dresden der Umweltratschlag mit einem großen Infostand und einer Veranstaltung präsent war. Referenten der Bürgerbewegung für Kryorecycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz (eine Gründungsorganisation der Umweltgewerkschaft) wurden von ihm auf kirchliche Seminare eingeladen. Dort wurde immer vehement über notwendige grundlegende gesellschaftliche Veränderung diskutiert, eine deutliche antikapitalistische Strömung auch in der Basis der Kirchen wurde erkennbar.

 

In der Gemeindearbeit gab Friedhelm Meyer die Devise aus: „Auf die Gemeinde vertrauen“. Es war für ihn auch immer ein Weg, dass Menschen selber ihr Geschick in die Hand nehmen, Solidarität entwickeln, sich für ihre eigenen Interessen engagieren und dabei lernen, wie man das alles organisiert. Mit seinen fortschrittlichen theologischen Ansichten und seinem politischen Engagement legte er sich auch mit der Kirchenobrigkeit an. Dass an seiner Kirche die Fahne der Friedensbewegung wehte, löste bei reaktionären Kräften erheblichen Unmut aus. Dabei hat er nie politisch bevormundet, sondern immer gefördert, dass Menschen sich engagieren und ihren eigenen Weg gehen und sich selbst organisieren. Auf die Sympathie und Solidarität der großen Masse seiner Gemeindemitglieder konnte er sich immer verlassen.

 

Bei seinem großen vielfältigen Engagement kamen seine Frau und seine fünf Söhne, Schwiegertöchter und elf Enkel manchmal zu kurz, die Kritik daran nahm er ernst, er liebte seine Familie, diesem Konflikt war er nicht immer gewachsen. Der MLPD war er ein kritischer Freund, seine Kritiken hatten immer den Zweck, dass aus Fehlern oder vermeintlichen Fehlern gelernt werden soll und die Arbeit verbessert wird. Er hatte keinerlei Berührungsängste oder Vorbehalte, praktizierte eine freundschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe, immer geprägt davon, das Beste für die gemeinsame Sache zu entwickeln.

 

Dabei konnte er auch skeptisch, ungeduldig und manchmal etwas nörgelig sein, prägend war aber sein feinsinniger Humor und sein Ideenreichtum. Die bleibende Erinnerung an Friedhelm Meyer und seinen Lebensweg ist auch ein Ansporn für den Aufbau breiter überparteilicher Selbstorganisationen und einer Einheitsfront gegen Imperialismus, Krieg, faschistische Gefahr und zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit.

 

Friedhelm, es war schön und bereichernd, mit Dir zusammen gearbeitet zu haben!