Corona-Pandemie

Corona-Pandemie

Schutzmaßnahmen auch weiterhin unverzichtbar

Die dritte Pandemie-Welle ist abgeklungen, die Inzidenzzahlen bewegen sich auf niedrigem Niveau, schwere und tödliche Covid-Verläufe sind selten geworden. Zunehmend fordern jetzt verschiedene Politiker den weiteren Abbau oder sogar die Beendigung aller Maßnahmen zum Gesundheitsschutz – zumindest für Geimpfte.

Von Dr. Willi Mast

Ohne die Folgen realistisch abzuschätzen, finden Fußballspiele der Europa-Meisterschaft in London, St. Petersburg und Ungarn in vollen Stadien statt. Auch wenn nur Geimpfte ins Stadion dürfen, ist das unverantwortlich. Allein bei einem Spiel haben sich 2000 schottische Fußballfans angesteckt. Virologen warnen vor einer möglichen vierten Welle. Und sie warnen vor der raschen Ausbreitung der indischen „Delta-Variante“ des Virus, die inzwischen schon 60 bis 70 Prozent der Neuinfektionen in Deutschland ausmacht. Sie ist ansteckender und gefährlicher und der Schutz der Impstoffe ist hier nicht mehr so gut wie bei den bisherigen Virustypen. Auch wenn Geimpften voraussichtlich ein schwerer Verlauf erspart bleibt, so können sie zur Verbreitung beitragen.

 

In verschiedenen EU-Ländern wie England und Portugal steigen die Zahlen der Neuinfektionen mit der Delta-Variante wieder an. In dieser Situation und bei einer Inzidenz von Neuinfektionen von 200 verkündet der britische Ministerpräsident Boris Johnson völlig verantwortungslos das bevorstehende Ende aller Schutzmaßnahmen in zwei Wochen – ganz im Sinne der Monopolverbände, aber auch der Coronaleugner und -skeptiker.

Wie gefährlich ist die Delta-Variante?

In Indien hat die Delta-Variante hunderttausende oder sogar Millionen Todesopfer gefordert.

 

In einer Bevölkerung, die zum großen Teil geimpft ist, ist die Gefahr noch unzureichend abzuschätzen: Einerseits schützt die Impfung nach bisherigen Erkenntnissen vor schweren und tödlichen Verläufen. Andererseits sind die Spät- und Langzeitfolgen der Covid-Erkrankung aktuell nur unzureichend abzuschätzen. Erst jetzt beginnt die bundesdeutsche Forschungsministerin Anja Karlicek mit der Förderung von Studien zu den Spätfolgen von Covid-Erkrankungen sowie zur Entwicklung neuer Therapiekonzepte. Nach ihren Aussagen leiden rund 350.000 Menschen, also etwa jeder Zehnte, an verschiedenen Spätfolgen einer Covid-Infektion. Es handelt sich dabei insbesondere um nachhaltige Störungen des Immunsystems. Dies betrifft auch Menschen, darunter Kinder und Jugendliche, die die Erkrankung selbst mit wenigen oder gar keinen Symptomen durchgemacht haben. Die Bedeutung dieser Störungen lässt sich am ehesten an dem Anstieg der Übersterblichkeit in verschiedenen Ländern ablesen. Das ist der Anstieg der Gesamt-Sterblichkeit im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie. Er beträgt in verschiedenen vor allem ärmeren Länder bis zu 60 Prozent, in den USA über 2 Prozent. Es deutet sich hier an, dass die Lebenserwartung erstmals in verschiedenen Ländern sinkt.

Von einem "Ende der Pandemie" kann nicht gesprochen werden

Politiker, die heute von einem „Ende der Pandemie“ und Rückkehr zur Normalität sprechen, klammern das Problem der Spät- und Langzeitfolgen vollständig aus. Sie lassen die Pandemie bis auf die Impfungen einfach laufen und setzen auf die Entwicklung einer Herdenimmunität über das Durchmachen der Krankheit. Diese Strategie fordert viele vermeidbare Todesopfer. Auch die Corona-Leugner und -Skeptiker ziehen den Sinn aller Schutzmaßnahmen in Zweifel ziehen, lehnen sie ab und verharmlosen die Pandemie. Das Ergebnis läßt sich an den katastrophalen Folgen ablesen, in Ländern wie Brasilien, Indien und USA unter Trump, in denen faschistische Politiker an der Macht sind bzw. waren. 

Impfstoffe sind unverzichtbar

Unbestreitbar haben Impfstoffe wesentlich zu Eindämmung der Pandemie beigetragen und erlauben es, bestimmte Einschränkungen wieder aufzuheben. Angesichts der Besonderheiten des Virus und der Erkrankung stellten sich größere Probleme in der Entwicklung von Impfstoffen. Dennoch gelang es in kurzer Zeit, zahlreiche Impfstoffe zu entwickeln. Laut WHO-Meldung vom 10. Juni sind aktuell 93 Impfstoffe weltweit in der klinischen Testung, 184 in präklinischer Entwicklung, 14 Impfstoffe sind zugelassen. Aufgrund der Konkurrenz und der Profitgier der Hersteller gibt es bis heute keine vergleichenden Studien, welches die besten Impfstoffe sind. Trotz der Millionen von Corona-Opfer und massenhafter Forderungen nach Aufhebung des Patentschutzes bestimmen heute immer noch einige Pharma-Monopole und imperialistische Länder, wer zu welchen Bedingungen und zu welchem Preis mit Impfstoffen versorgt wird. Anstatt die Welt mit den besten Impfstoffen zu versorgen, monopolisieren sie die innovative RNA-Technologie, von der sie sich ein Milliardengeschäft versprechen. Angesichts der menschheitsbedrohenden Pandemie zeigt sich hier die Unfähigkeit und Perversität eines Systems, dass nur von Profit- und Machtgier besessen ist. Impfstoffe gehören der Menschheit, nicht den Pharmakonzernen! Auf jeden Fall ist es richtig, die "alltäglichen" Corona-Schutzmaßnahmen konsequent weiterhin durchzuführen, auch von Geimpften.

Anforderungen an eine künftige Impfstoff-Forschung

Die bisherigen Impfstoffe wurden auf Grund der Dringlichkeit in einem beschleunigten Verfahren erprobt und zugelassen. Das ist auf Grund der Dringlichkeit zu befürworten. Die Mediziner-Plattform hat vor drei Monaten in einem offenen Brief an das RKI und an das Paul-Ehrlich-Institut gefordert, dass eine systematische und gründliche Nachverfolgung der Geimpften in einer vergleichenden Studien durchgeführt werden muss, um herauszufinden, welcher Impfstoff bei welchen Personengruppe am besten und am sichersten wirkt und eingesetzt werden sollte. Das wird bis heute nicht erfüllt. Das ist auch ein Grund, warum die Bevölkerung immer wieder verunsichert wird durch widersprüchlichen Informationen über die Sicherheit und die Risiken einzelner Impfstoffe. So wurde zu Unrecht der Impfstoff von AstraZeneca in den Medien schlecht geredet und die Risiken des 10-fach so teuren Biontech-Impfstoffs lange Zeit kaum erwähnt. Vergleichende Studien auch mit Impfstoffen anderer Länder fehlen fast völlig. Die Erfolge der kubanischen Corona-Politik, die Impfstoff-Forschung und die Unterstützung von anderen lateinamerikanischen Ländern werden völlig ignoriert – und durch die rigorose Sanktionspolitik sogar abzuwürgen versucht.