Altersgruppe 12 bis 18

Altersgruppe 12 bis 18

Impfung gegen Covid-19 mit einem erprobten Impfstoff ist dringend geboten

Dr. Daniel Vilser, Kinder-Kardiologe von der Kinder-Long Covid-Ambulanz der Uniklinik in Jena berichtete am 9. Juli 2021 in den Tagesthemen: „Die besten Zahlen gibt es aus Großbritannien, wo das nationale Statistik-Institut berechnet hat, dass ungefähr 30.000 Kinder in Großbritannien unter Long Covid leiden. Man kann davon ausgehen, dass es in Deutschland nicht weniger sein werden.“

Von Dr. med. Günther Bittel
Impfung gegen Covid-19 mit einem erprobten Impfstoff ist dringend geboten
Foto: gemeinfrei

Auch wenn die schweren Verläufe in der Minderheit seien, würde die Situation für Kinder unterschätzt. Die Symptome für Kinder seien bei Long Covid ähnlich wie bei den Erwachsenen. Es sei aber schwieriger, als Kind Gehör zu finden. Sorgfältig müsse die Unterscheidung zu psychischen Lockdown-Folgen getroffen werden. Ohne Impfung rechnet er mit einer Infektion aller Kinder und Jugendlichen innerhalb von ein bis zwei Jahren. „Je mehr Kinder infiziert sind, umso mehr Langzeitfolgen werden wir sehen."1
Somit ist allein schon das Risiko von Long Covid ein starkes Argument für die Impfung von Kindern und Jugendlichen. Zumal wir bereits wieder - auf noch niedrigem Niveau - einen deutlichen Anstieg der Inzidenzwerte haben.

Mangelnde Datenlage und die Provokation der rechten NRW-Landesregierung

Die Gegner einer Impfempfehlung für 12- bis 18-jährige berufen sich auf eine mangelnde Datenlage oder sprechen paradoxerweise auf dieser dürftigen Grundlage alle möglichen Warnungen aus. Die inzwischen millionenfachen Impfungen in den USA, Kanada und Großbritannien in dieser Altersgruppe werden ignoriert. Die Forderung der Mediziner-Plattform im Internationalistischen Bündnis nach einer umfassenden Auswertung aller Impfstoffe mit dem Ziel, den sowohl verträglichsten als auch am besten wirksamen Impfstoff jeweils für die unterschiedlichen Zielgruppen zu finden, wird nach wie vor boykottiert.

 

Eine Frechheit sondersgleichen ist der Umgang der NRW-Landesregierung unter Armin Laschet mit der geplanten Impfstudie bei Kindern im Kreis Siegen-Wittgenstein. Forscher der Unis in Siegen, Bochum und Saarland hatten diese Studie initiiert, 30000 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 sollten am Siegener Impfzentrum geimpft werden und dann der Vergleich zu ungeimpften Altersgenossen in den Nachbarkreisen gezogen werden. „Die Ärzte gehen davon aus, dass Seuchen sich an Schulen und Universitäten am schnellsten verbreiten.“ Das Land NRW hat diese Studie jetzt untersagt, Gesundheitsminister Laumann beruft sich dabei auf die Ständige Impfkommission STIKO, die eine generelle Impfung dieser Altersgruppe nicht empfohlen hat2. Dieses Argument ist dreist, weil die STIKO sich bei ihrem Votum ausdrücklich auf den „Mangel an Daten“ beruft, nicht auf konkrete Sicherheitsbedenken. Dass es so bleiben soll, ist offensichtlich der Auftrag dieser reaktionären Regierung unter Führung des CDU-Kanzlerkandiaten. Laschet steht nicht nur für einen verantwortungslosen Umgang mit der Pandemie, er ist auch Spitzenlobbyist der Energie- und Autokonzerne zur skrupellosen Weiterverbrennung fossiler Brennstoffe. Das Resultat des beschleunigten Übergangs in die globale Umweltkatastrophe kann er nun im eigenen Bundesland begutachten. Umso fleißiger war seine Regierung bei der Räumung des Hambacher Waldes und der Kriminalisierung von kämpferischen Kräften mittels des neuen Polizeiaufgabengesetzes und des jetzt geplanten neuen Versammlungsgesetzes.

Welche Sicherheitsbedenken gibt es gegen die Impfung der 12-18-Jährigen?

In einem Sicherheitsbericht auf der Grundlage bis Ende Mai erhobener Daten berichtet das Paul-Ehrlich-Institut über den Verdacht einer Myokarditis oder Perikarditis3 im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von mRNA-Impfstoffen, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. „Insgesamt kamen demnach beim Vakzin von Biontech aus Deutschland 0,1 Meldungen über schwerwiegende Reaktionen auf 1000 Impfdosen. Es gehe um 92 Fälle seit Beginn der Impfkampagne Ende 2020. ... Statistisch sind junge Männer ab 16 Jahren häufiger betroffen. Eine Herz-Entzündung nach Comirnaty wurde dem PEI von 15 Patienten zwischen 16 und 29 Jahren berichtet in anderen Altersgruppen kam eine solche Impfreaktion meist drei-, höchstens sieben Mal vor4.“

 

Bei der Infektion mit Covid-19 treten noch viel mehr Herzmuskelentzündungen auf. „Am Uniklinikum (Essen) empfehlen die Mediziner auch weiterhin eine Corona-Schutzimpfung für das Umfeld herzkranker Kinder. Es gebe kein grundsätzliches Problem mit der Impfung. … auf den Stationen haben die Ärzte immer wieder Patienten mit PIMS-Syndrom5 – jener Multi-Entzündungserkrankung, bei der Kinder etwa mit Bauchschmerzen und anhaltendem Fieber ins Krankenhaus müssen, die in Verdacht steht, Spätfolge einer Infektion mit dem Coronavirus zu sein6.

Weltweiter Sieg über die Pandemie ohne Impfung von 12- bis 18-Jährigen nicht möglich!

Sowohl national wie auch im Weltmaßstab kann die Pandemie nur besiegt werden kann, wenn in Verbindung mit anderen Maßnahmen des Gesundheitsschutzes auch Kinder und Jugendliche weitgehend geimpft werden. Das hat sich sogar bis zum Robert-Koch-Institut (RKI) herumgesprochen: Angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus sollten mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein. „Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte vierte Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich", heißt es in der RKI-Analyse vom 5. Juli 2021.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGFI) geht davon aus, dass eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus ohne die Impfung von Kindern und Jugendlichen nicht erreichbar ist. Mit der Delta-Variante habe sich die Situation verschärft7. International gilt dies umso dringlicher, besonders für die Länder mit einem hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung!

 

Getrieben vom imperialistischen Konkurrenzkampf und als Merkmal der sich zuspitzenden Krise der bürgerlichen Ideologie droht mit der mutwilligen Verzögerung der weltweiten Impfung und dem profitgierigen Beharren auf das Patentrecht die Herausbildung weiterer Mutationen, die alle bisherigen Impfstoffe unterlaufen. Die einzelnen Mutation folgt dem Zufallsprinzip. Gesetzmäßig ist aber, dass die Zahl der Mutationen mit der Zahl der Virusübertragungen ansteigt und dass Mutanten mit höherer Infektiosität und Resistenz gegen die Impfstoffe sich dann bevorzugt ausbreiten und rasch die Oberhand gewinnen.

 

Deswegen muss der Kampf für umfassenden Gesundheitsschutz und gegen das reaktionäre Krisenmanagement der Regierung weiter geführt und höherentwickelt werden!