20. Juli 1944

20. Juli 1944

Die Schwierigkeiten des bürgerlichen Antifaschismus

Eine volle Zeitungsseite in ihren überregionalen Ausgaben widmete die Ulmer Südwestpresse aktuell der Erinnerung an das Attentat auf Hitler vor 77 Jahren.

Von dk
Die Schwierigkeiten des bürgerlichen Antifaschismus
Claus Schenk Graf von Stauffenberg – Hitler-Attentäter aus reaktionären Motiven, Foto: public domain

Wer dazu sachliche Aufklärung über Wesen und Widersprüche des Faschismus erwartete, erlebte jedoch eine Enttäuschung: Zielrichtung des langen Artikels war einzig und allein der Antikommunismus! „In der DDR wurde dieses Ereignis in den 1950er Jahren an den Rand der Geschichte gedrängt, es wurde als ein reaktionäres, im Grunde volksfeindliches Unternehmen disqualifiziert“, wurde dazu der Historiker Kurt Finker1 zitiert. Grund dafür sei gewesen, dass in der DDR „der Widerstand gegen die NS-Diktatur derweil der Arbeiterbewegung und damit vor allem der Kommunistischen Partei“ zugesprochen und das „Aufbegehren einer militärischen Elite“ gegen Hitler verdrängt worden sei.

 

„Schwieriges Gedenken“ lautete die Überschrift des Artikels – doch worin bestehen die Schwierigkeiten? Um ihren Antikommunismus zu verbreiten, muss die Autorin Elisabeth Zoll sowohl das Wesen des Faschismus verleugnen, wie auch die von ihm erzeugten Widersprüche vollkommen irreal darstellen. Der Faschismus ist eine Form der bürgerlichen Herrschaft, ein Regierungssystem des Monopolkapitals. Sein Ziel und seine Aufgabe waren die Unterdrückung der revolutionären Arbeiterbewegung im Inneren und die Durchsetzung der Weltherrschaft des „Großdeutschen Reiches“ nach Außen, vor allem die Vernichtung des damals einzigen sozialistischen Landes, der Sowjetunion.

 

Dafür hatte 1944 die „militärische Elite“ bereits fünf Jahre einen verbrecherischen Krieg angeführt! Naturgemäß leisteten die größten Feinde des Faschismus – die internationale revolutionäre Arbeiterbewegung und ihr sozialistisches Bollwerk, die Sowjetunion - auch den größten Widerstand dagegen. Trotzdem gab es im Hitlerfaschismus auch bürgerliche Kräfte, die sich gegen die Anwendung offener Gewalt zur Unterdrückung der Massen und gegen den faschistischen Raubkrieg wandten und sich zur Wehr setzten.

 

Nach dem Krieg repräsentierten sie einen bürgerlichen Antifaschismus. „Diese Art des fortschrittlichen überparteilichen bürgerlichen Antifaschismus wurde von den Kommunisten stets gewürdigt und gefördert. Das gilt auch heute“, schreibt Stefan Engel in „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“ und fährt fort: „Doch im Charakter des inzwischen vorherrschenden bürgerlichen Antifaschismus trat eine Wandlung ein. Selbst für die stramm auf der Grundlage des Antikommunismus ausgerichteten bürgerlichen Parteien wurde es unumgänglich, den Antifaschismus in ihr Repertoire aufzunehmen, um ihren Einfluss auf die Massen zu erhalten. Zugleich richteten sie den bürgerlichen Antifaschismus auf der Grundlage des Antikommunismus neu aus.“ (S. 168)

 

Diese Neuausrichtung bestand darin, die monopolkapitalistische Wurzel des Faschismus ebenso abzuleugnen wie seine Hauptstoßrichtung gegen die Arbeiterbewegung. Seit Jahren bilden die offiziellen Gedenkfeiern zum 20. Juli 1944 einen Höhepunkt dieser Art der antikommunistisch motivierten Geschichtsfälschung. Dabei wurde der rassistische und den Kriegszielen des deutschen Imperialismus treu dienende Attentäter, Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, zur Lichtgestalt des antifaschistischen Widerstands hochstilisiert. Sein Antrieb bestand jedoch allein darin, dass Hitler in seinen Augen bei der Verwirklichung der verbrecherischen faschistischen Ziele versagt hatte! Es ist wirklich schwierig, einen Menschenverächter zu glorifizieren, der als Teilnehmer des Überfalls 1939 über die Polen an seine Familie schrieb: „Ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk“. Tatsächlich zeigt sich bei einem solchen Vorbild nur der zutiefst reaktionäre und massenfeindliche Gehalt des Antikommunismus!

 

Die ROTE FAHNE hat in der Vergangenheit mehrfach ausführlich zum 20. Juli 1944 Stellung genommen, u. a.:

  • „Die Geschichtfälscher. Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944“, Rote Fahne 30/2004
  • „ ,Oh du heiliges Deutschland!' Oder: der heikle Heilige. Zum Stauffenberg-Film ,Operation Walküre'“, Rote Fahne 5/2009
  • „Graf von Stauffenberg – Zentralfigur des deutschen Widerstands? Renate Schmidt aus Albstadt, Kandidatin auf der Landesliste der MLPD Baden-Württemberg“, Rote Fahne 29/2009
  • „Lichtgestalten der Geschichte?“, Rote Fahne 15/2019

 

Dazu schreibt der langjährige Vordenker und Mitbegründer der MLPD, Willi Dickhut, in seinem Werk „Proletarischer Widerstand gegen Faschismus und Krieg“ (S. 689): „Die Aktion am 20. Juli 1944 ist der Ausdruck der Gegensätze im Lager der Bourgeoisie, die ihre Ursache in der rapiden Entwicklung der deutschen Niederlage, in der Aussichtslosigkeit eines erfolgreichen Abschlusses des Krieges hat. ... Hätte hinter der Aktion der Generäle am 20. Juli 1944 das Finanzkapital gestanden, wäre der Erfolg nicht ausgeblieben; der Faschismus wäre liquidiert worden. Hinter dieser Aktion stand jedoch nur ein Teil, eine Schicht der Bourgeoisie, die Großagrarier, die keinen ausschlaggebenden Einfluß haben. Sie wurden zu der Aktion getrieben, weil sie sich unmittelbar bedroht fühlten." 

 

Die Beurteilung von Willi Dickhut steht in einem Auszug aus "Proletarischer Widerstand gegen Faschismus und Krieg" auf mlpd.de zur Verfügung.

 

Das Buch selbst gibt es beim Verlag Neuer Weg.