Konstanz

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Spannender Tag zum neuen Buch von Stefan Engel

Schöner hätte das Ambiente nicht sein können: Direkt am See mit Blick auf die berühmte Peter-Lenk-Figur „Imperia“ an der Hafeneinfahrt von Konstanz fand die Buchvorstellung im Freien statt.

hkg/bs/rs
Spannender Tag zum neuen Buch von Stefan Engel
Lesung aus "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus" in Konstanz (rf-foto)

Der einsetzende Regen konnte die Atmosphäre und die Spannung der 79 Besucherinnen und Besucher nicht beeinträchtigen. Vorher wurde die Veranstaltung in der Innenstadt von Konstanz bekannt gemacht. Noch Stunden vor der Veranstaltung flanierten viele Menschen am Bodensee entlang des Stadtgartens und diskutierten mit den Verteilern des Einladungsflyers.

Zwei Weltanschauungen stehen einander unversöhnlich gegenüber

Dann die Begrüßung der Gäste durch die Landesvorsitzende der MLPD Baden-Württemberg, Julia Scheller. Der Referent, der an der Erarbeitung des Buchs beteiligt war, machte deutlich, dass die Krise der bürgerlichen Ideologie dann einsetzte, als die proletarische Ideologie von Karl Marx und Friedrich Engels ausgearbeitet wurde. Denn ab damals standen sich diese zwei Weltanschauungen unversöhnlich gegenüber. Er griff die Theorie der „Ideologiefreiheit“ des Philosophen Herbert Schnädelbach an, die verbreitet wird als Gegensatz zur Ideologie des wissenschaftlichen Sozialismus: „Kleinmütig kapituliert der Herr Philosoph aufgrund seiner Verwirrung stiftenden 'Ideologiefreiheit' vor der ureigensten Aufgabe der Philosophie, sich 'auf das gesellschaftliche Ganze einen Vers zu machen'".

 

Ausführlich behandelt das Buch die Krise des Antikommunismus. Weil „das kapitalistische Gesellschaftssystem (...) deutlich an Bindungskraft“ (verliert), wird „die kleinbürgerlich-antikommunistische Denkweise als ein Damm gegen den wissenschaftlichen Sozialismus“ systematisch verbreitet. Der letzte Abschnitt im Buch geht auf die Große Proletarische Kulturrevolution in China unter der Führung Mao Zedongs ein. Sie war das Beispiel, wie in einer sozialistischen Gesellschaft der Kampf der proletarischen Ideologie gegen die vordringende bürgerliche Ideologie erfolgreich geführt werden konnte.

Warum streiken die Arbeiter noch nicht?

In der Diskussion meldeten sich vorwiegend jüngere Besucher zu Wort: Auf die Frage, warum die Arbeiter den angesichts der Ausbeutungsoffensive in den Betrieben und Erpressungsversuchen mit Arbeitsplatzvernichtung oder Verlagerung noch nicht in den Streik treten, wo doch die Kritik am Kapitalismus wächst, wurde ausgeführt, dass die bürgerliche Ideologie mittels der kleinbürgerlichen Denkweise in der Arbeiterklasse eine hemmende Wirkung auf das Klassenbewusstsein ausübt. Etwa mittels kleinbürgerlicher Lebens- und Familienverhältnisse. Um in die Arbeiteroffensive zu kommen, muss die Arbeiterklasse dieses System der kleinbürgerlichen Denkweise angreifen. Die Hauptfrage in der Entwicklung des Klassenbewusstseins ist heute, mit dem Antikommunismus fertig zu werden. Dazu befähigt dieses Buch. Ein Kollege der IG Metall hatte vom Prozess des Autors des Buches, Stefan Engel, gegen seine Einstufung als Gefährder aus niederen antikommunistischen Motiven erfahren und erklärte unter Beifall seine Solidarität.

Unverbrüchliche Solidarität gepaart mit kritischer Auseinandersetzung

Ein Kollege berichtete aus eigener Erfahrung, wie antikommunistisches Mobbing eingesetzt wird zur Hinaussäuberung von fortschrittlichen und klassenkämpferischen Kollegen aus Betrieben, der juristische und politische Kampf dagegen gleichzeitig Solidarität bis zum Vorsitzenden des IG-Metall Ortsverwaltung erfährt. Eine REBELLIN berichtete von der Lesegruppe zu dem Buch in ihrem Ort. Eine wichtige Auseinandersetzung ging noch um den Begriff "links". Heute bezeichnen sich alle möglichen Leute und auch Parteien als "links", die aber oft selbst Träger des modernen Antikommunismus sind. Der Antikommunismus richtet sich gegen den wissenschaftlichen Sozialismus und nicht allgemein gegen eine irgendwie geartete "linke Richtung". Darin scheiden sich zum Beispiel die MLPD und die Partei Die Linke. Ein REBELL, der aus Rojava stammt, fragte nach der Einschätzung der Politik von Abdullah Öcalan, die in einer der nächsten Nummern der Buchreihe behandelt werden soll. Die Solidarität der MLPD mit dem kurdischen Befreiungskampf ist unverbrüchlich. Das beinhaltet die kritische Auseinandersetzung mit der Theorie des Konföderalismus, die diesen Befreiungskampf in eine Sackgasse führt. Die Buchvorstellung hat die Besucherinnen und Besucher beeindruckt, sicher viele zum Studium animiert und Vorfreude auf die nächsten Nummern der Buchreihe des Revolutionären Weg aufkommen lassen.

 

In diesem Geiste war auch der in Gedichtform vorgetragene Spendenaufruf, der reichlich Spenden einbrachte.

"Dieses interessante Buch, für Antikommunisten ein rotes Tuch ..."

Dieses Buch in der Farbe blau,
macht den Leser wirklich schlau.
Dieses interessante Buch,
für Antikommunisten ein rotes Tuch.
Dieser sechsunddreißigste RWee
bringt Klarheit an den Bodensee.
Ob also das blaue oder rote,
es geht um Weltanschauung und Methode.
Auch an Uferpromenaden
kann mehr Durchblick doch nicht schaden.
Die Alpengipfel fest im Blick,
behalten wir den Überblick.

 

Wir wollen wissen, was die Welt
im Innersten zusammen hält.
Man braucht aufs Ganze einen Reim,
wir gehen denen nicht auf den Leim,
die sagen: „Bloß keine Ideologie!“ -
der Arbeiter brauche keine Theorie.
Das sagen ausgerechnet die,
die kämpfen mit ihrer bürgerlichen Ideologie.

 

Die Welt ist wahrlich kompliziert,
die Manipulation der Herren raffiniert.
Doch haben sie keine Antwort auf die Krisen,
und wollen uns den Kommunismus vermiesen.
Der Antikommunismus – dieser fiese,
ist ihre Antwort auf die Krise.
Wir wollen an die Wurzel vom ganzen Übel,
deshalb gilt: studieren, diskutieren und grübel-grübel.
Die Zusammenhänge sind zu verstehen,
die Menschheit will ja vorwärts gehen.
Wir nehmen Erkenntnis in die eigene Hand,
und gebrauchen unseren Verstand.

 

Es ist das Erste aus einer Reihe von Vieren,
so will ich nicht viele Worte verlieren:
Ihr wollt auch die nächste Nummer haben?
Dann knausert nicht mit euren Gaben.
Damit das nächste Buch bald erscheine,
nehmt jetzt Münzen oder Scheine.
Greift tief in Tasche oder Hose -
und werft sie dann in diese Dose.
Das ist nützlich und geht fix,
denn von Antikommunisten kriegen wir nix!
Und die Moral von der Geschicht:
Spendet jetzt – nach dem Gedicht!

 

Vielen Dank! (Renate Schmidt, Albstadt)