Afghanistan

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Nach imperialistischem Truppenabzug - 270.000 auf der Flucht vor den Taliban

Die letzten US-Soldaten verlassen Afghanistan nach 20 Jahren Besatzung. Die Bundeswehr hat ihren Abzug bereits abgeschlossen. Ihr Auftrag war angeblich der Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Von sb
Nach imperialistischem Truppenabzug - 270.000 auf der Flucht vor den Taliban
Afghanische Kämpferinnen gegen die Taliban machen sich bereit (foto: screenshot)

Tatsächlich aber ging es den westlichen Imperialisten vor allem darum, ihren geostrategischen Einfluss im Nahen und Mittleren Osten auszubauen und sich den großen Rohstoffreichtum des Landes zu sichern. Der deutsche Imperialismus verfolgte damit auch das Ziel, die Bundeswehr Erfahrungen für weltweite Aggressionskriege sammeln zu lassen. Letzteres ist vor allem im dem Sinne gelungen, wie solche Einsätze im Desaster enden können.

 

Wir erinnern uns an die großartigen Versprechungen, die afghanischen Frauen von der islamistisch-faschistischen Unterdrückung der Taliban zu befreien. Jetzt werden sie mit dem überstürzten Abzug der imperialistischen Truppen genau diesem Schicksal überlassen. Auch der Kampf gegen deren faschistischen Terror ist plötzlich nicht mehr so wichtig - was nichts anderes zeigt, als dass es darum bei der Besetzung des Landes nie wirklich gegangen ist. „Ihr seid gekommen, um Terror zu beenden, aber anstatt die Terroristen zu besiegen, gibt es hier jetzt viel mehr von ihnen", so ein Taxifahrer aus Kabul.1

Strategische Neuausrichtung

Angesichts neuer Kriegsbrandherde wie in Syrien und der Ukraine, vor allem aber der strategischen Neuausrichtung auf die Bekämpfung der aufstrebenden neuimperialistischen Mächte Russland und China hat Afghanistan momentan nur noch untergeordnete Bedeutung. Deshalb nehmen die westlichen Imperialisten auch ein Vorrücken der Taliban in Kauf.

 

Seit dem Rückzug ihrer Truppen haben die Taliban rund 100 Bezirke im Land eingenommen. Vor allem im Norden sind sie auf dem Vormarsch. Die afghanische Regierung verkündet stündlich, dass sie die Taliban überall zurückdrängt. Niemand glaubt ihr noch ein Wort.

 

Seit Jahresbeginn haben rund 270.000 Menschen auf der Flucht vor den Taliban ihre Häuser verlassen. Weitere Hunderttausende bis zu Millionen Flüchtlinge werden erwartet. Große Trecks bewegen sich über den Iran zur Türkei. Dort leben bereits über vier Millionen Flüchtlinge, darunter 500.000 Afghanen. Um weitere von ihnen an der Einreise zu hindern, lässt der faschistische türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan eine 534 Kilometer lange Mauer an der Grenze zum Iran errichten.

Erdoğans Söldner im Einsatz

Aber so ganz wollen die westlichen Imperialisten Afghanistan nun doch wieder nicht verlassen, zumal mittlerweile auch China wachsendes Interesse an Afghanistan zeigt. In Afghanistan war der NATO-„Partner“ Türkei in den letzten Jahren für den Schutz des internationalen Flughafens in Kabul zuständig. US-Präsident Joe Biden hat Erdoğan nun gebeten, diese Aufgabe im Sinne eines imperialistischen Stützpunkts weiterhin wahrzunehmen. Und die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ist „dankbar, dass die Türkei bereit ist, eine wesentliche Rolle zu übernehmen“.2

 

Uneigennützig geschieht das natürlich nicht. Die neuimperialistische Türkei führt Kriege im Nordirak und in Syrien, türkische Söldner kämpfen in Libyen und Bergkarabach. 35.000 Soldaten hat die Türkei im besetzten Nordzypern stationiert. Das türkische Militär unterhält Stützpunkte in mehr als einem Dutzend Ländern, darunter Somalia, Kosovo und Katar.2

 

Auch in Kabul sollen syrische Söldner im Auftrag der Türkei zum Einsatz kommen. Bei ihnen handelt es sich meist ebenfalls um islamistische Faschisten. Ein toller "Schutz" für die Bevölkerung der afghanischen Hauptstadt! Erdoğan hat auch noch keineswegs zugesagt, sondern versucht daraus einen Deal zu schlagen - etwa weitere Geldlieferungen oder Zugeständnisse gegenüber seinen Erdgas-Plänen im Mittelmeer.

Die afghanischen Volksmassen können sich nur selbst befreien

Völlig zu Recht haben internationalistische und revolutionäre Kräfte stets den sofortigen Abzug der imperialistischen Besatzungstruppen gefordert. Die Geschichte aller Befreiungskämpfe zeigt: Von einer reaktionären und faschistischen Unterdrückung müssen und können sich die Massen unter Führung revolutionärer Kräfte nur selbst befreien, gestützt auf die Solidarität der internationalen Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten.

 

So bewaffnen sich gegenwärtig gerade immer mehr Frauen, um den Kampf gegen die Taliban aufzunehmen. „Ich möchte nicht, dass das Land von Leuten kontrolliert wird, die Frauen so behandeln, wie sie es tun“, so eine junge Frau aus der nördlichen Provinz Jowzjan zum Kampf gegen die Taliban-Faschisten. „Wir haben zu den Waffen gegriffen, um zu zeigen, dass wir kämpfen werden, wenn wir dazu gezwungen sind.“3

Die MLPD lehnt jede imperialistische Aggression ab

Das Ziel des imperialistischen Rückzugs aus Afghanistan sind weitere imperialistische Überfälle, Besatzungen, Kriege mit der wachsenden allgemeinen Gefahr eines dritten Weltkriegs. Die MLPD lehnt jede imperialistische Aggression ab. Das schließt jede imperialistische militärische Zusammenarbeit ein, auch wenn sie mit der rechtlichen Absicherung der UNO und unter ihrem Deckmantel erfolgt. Der bewaffnete Befreiungskampf der afghanischen Frauen und Männer gegen die Taliban-Faschisten ist dagegen ein gerechter Krieg.

 

Die ICOR, die Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen, organisiert die Solidarität und Unterstützung der Befreiungsbewegungen. Unter den derzeit 62 in der ICOR zusammengeschlossen internationalen revolutionären Organisationen ist auch ihr Gründungsmitglied MLOA - Marxist-Leninist Organization of Afghanistan (Marxistisch-Leninistische Organisation Afghanistans).