Sachstandsbericht

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Umweltkrise, Weltklimarat und Merkel-Regierung - alternativlos?

Im Zentrum des vom Weltklimarat (IPCC) für den 9. August erwarteten Sachstandsberichts steht nach dessen Aussagen die sogenannte Anpassungsstrategie. Sie basiert auf der Illusion, man könne die gesellschaftlichen Verhältnisse an die verheerenden Folgen des Übergangs zur globalen Umweltkatastrophe "anpassen".

Von dr
Umweltkrise, Weltklimarat und Merkel-Regierung - alternativlos?
Bild aus dem Katastrophengebiet in Hagen. Daran sollen wir uns - geht es nach den Herrschenden - gewöhnen (rf-foto)

Wie wenig das möglich ist, zeigen schon die heutigen Auswirkungen dieses Übergangs wie zuletzt die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und  Rheinland-Pfalz. Dazu Mojib Latif, Leiter des Geomar-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel: “In einem Klimamodell zu den Folgen der Erwärmung des Mittelmeers wurde 2016 genau für die deutsche Region, die jüngst die Überschwemmungskatastrophe erlebte, mehr Starkregen vorausgesagt.“1

 

Trotz solcher Vorhersagen wurde nichts unternommen, um Hochwasserschutz und Warnsysteme auszubauen, versiegelte Flächen zu verkleinern, Flussgebiete zu renaturieren und Abflussmöglichkeiten zu schaffen. Und erst recht nichts, um die hauptsächliche Ursachen solcher Katastrophen in der Erderwärmung durch Anreicherung klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre zu bekämpfen.

"Anpassung" an immer verheerendere Flutkatastrophen vergebliche Mühe

Das erinnert fatal an den Umgang von Bundestag und Bundesregierung mit einer Forschungsanalyse vom Januar 2013 zur Möglichkeit einer Corona-Pandemie und den notwendigen Vorsorgemaßnahmen, unter anderem zur Beschaffung von „Schutzausrüstungen und Medizinprodukten“. Rote Fahne News titelte dazu am 8. April 2020: “Katastrophe mit Ansage“. Bei der aktuellen Katastrophe haben sowohl die Bundes- als auch die nordrhein-westfälische und rheinland-pfälzische Landesregierung völlig versagt, nachdem sie ab dem 10. Juli konkret gewarnt worden waren.

 

Jede Hoffnung in eine "Anpassung" an solch katastrophale Auswirkungen muss scheitern, weil sie sich potenzieren werden, wenn nicht der Übergang zur globalen Umweltkatastrophe gestoppt wird.

Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?

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Die drastischen, mit Zahlen belegten Warnungen des IPCC gehen jedesmal mit völlig unzureichenden und verharmlosenden Schlussfolgerungen einher. Es war und ist der IPCC, der seit Jahrzehnten durch mathematisch berechnete Szenarien, die bis zum Jahr 2100 reichen sollten, erst das 2-Grad-, dann das 1,5-Grad-Ziel als Obergrenze für die Erderwärmung auserkoren hat. Mit dem Zweck, den aktiven Widerstand gegen die drohende globale Umweltkatastrophe zu zersetzen und im Interesse der herrschenden Monopole Restbudgets für die weitere Kohlenstoffverbrennung „wissenschaftlich zu begründen“.

 

Was es mit der „reinen, objektiven Klimawissenschaft“ des IPCC auf sich hat, zeigt schon die Tatsache, dass seine "Sachstandsberichte“ in tagelangem Gefeilsche mit Vertretern der imperialistischen Regierungen erst auf (Monopol-)Kurs gebracht, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen.

"Klima-Sofortprogramm" - wirksame Sofortforderungen Fehlanzeige!

Das „Klima-Sofortprogramm“ der Bundesregierung liegt ebenfalls ganz auf der Linie der "Anpassungsstrategie". Wer hier radikale Sofortmaßnahmen erwartet hat, sieht sich bitter enttäuscht. Weder vom beschleunigten Ausstieg aus der Kohleverstromung ist die Rede noch vom umfassenden Ausbau öffentlicher Verkehrssysteme. Vor allem ist kein Sterbenswörtchen darüber zu finden, dass die industriellen Verursacher zur Finanzierung notwendiger Maßnahmen in die Verantwortung genommen werden.

 

Bereits 2014 brachte Stefan Engel als Autor des Buches „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ die Unfähigkeit des Kapitalismus auf heutiger Stufe, die natürlichen Lebensgrundlage zu erhalten, auf den Punkt (S. 82). Er analysierte klar den Treiber dieses Programms: Die mittlerweile herausgebildete Gesetzmäßigkeit des Imperialismus, die Umwelt weiter zu zerstören, um Maximalprofite zu erzielen und dafür die Weltmarktführung zu erobern. Mit neuen Umwelttechnologien soll den internationalen Monopolen mit Sitz in Deutschland ein Konkurrenzvorteil verschafft werden.

"Lebensweise neu definieren"?

Auch nimmt der Weltklimarat die herrschenden Monopole aus der Schusslinie und orientiert stattdessen auf Einschnitte für die Massen: „Wir müssen unsere Lebensweise und unseren Konsum neu definieren.“ Längst sind viele Menschen bereit dazu und beginnen, ihre Lebensweise unter ökologischen Gesichtspunkten umzustellen. Zweifellos ist hier noch weitere Überzeugungsarbeit nötig.

 

Was ist aber mit den Hauptverursachern der globalen Umweltkrise? Notwendige Sofortforderungen wie die Beendigung der Kohleverbrennung müssen auf Kosten der Monopolprofite durchgesetzt werden statt die Kosten einer viel zu späten Abschaltung über CO2-Preise und Ähnliches auch noch den Massen aufzubürden.

 

Einen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel kann es erst im Sozialismus geben. Dazu führt das Buch “Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?” auf Seite 322 aus: „Die neue sozialistische Gesellschaft braucht, angesichts der negativen Erfahrungen aus der kapitalistischen Konsumtions- und Produktionsweise einen gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsel – unter der Generallinie der Einheit von Mensch und Natur.“