Moers-Meerbeck

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Gesprächsrunde zur Testung auf PCB und Giftstoffe aus der Bruchhohlraumverfüllung

Am 27. Juli fand eine Gesprächsrunde in Moers-Meerbeck zu der von einer Ärzteinitiative und der Bergarbeiterbewegung "Kumpel für AUF" betriebenen Studie statt. Es ist geplant, dass bis Ende Oktober von 100 Bergleuten der RAG Blut und Urin abgenommen und von einem renommierten umweltmedizinischen Labor untersucht werden.

Korrespondenz aus Moers

Es war schwer beeindruckend, wie die anwesenden Kumpel vom Umgang mit ihrer Gesundheit durch die RAG und den heutigen gesundheitlichen Folgen berichteten. In den Jahren 1993 bis 1995 mussten Bergleute der Schachtanlage Walsum unter anderem im Flöz Anna teilweise bis zum Bauchnabel in der Giftbrühe der Bruchhohlraumverfüllung (BHV) stehen und arbeiten. Das konnte passieren, wenn sich in einer Mulde der Strecke der Schlauch mit der Giftbrühe gelöst hatte und alles raus kam.


Ein anderer Kumpel berichtete von einem Vorfall, wo Hydrauliköl aus dem Schlauch austrat, der Bergmann das ganze Gesäß verätzt hatte und eineinhalb Jahre krank geschrieben war. Auch in die Arbeitsanzüge wurden von dem Zeug Löcher gebrannt.


Es wurde ausführlich besprochen, dass eine gründliche Untersuchung für die persönliche Gesundheitsvorsorge notwendig ist. Bei einem Teil der Bergleute zucken die Ärzte häufig nur mit den Schultern, weil sie sich keinen Reim auf die gesundheitlichen Einschränkungen machen können. Mit dem Laborbericht kann der Arzt (oder der Hausarzt) Ratschläge zur Steigerung der Immunabwehr geben und man kann beraten, ob es sinnvoll ist, an die Berufsgenossenschaft heranzutreten.


Alle waren überzeugt, dass bei den üblichen Gesundheitsuntersuchungen alle fünf Jahre durch die RAG gar nicht auf PCB und die unter Tage eingesetzten Giftstoffe untersucht wird. Ab dem Alter von 70 Jahren hört die RAG ohnehin damit auf.


Gegen eine verbreitete Meinung "gegen die RAG kommst du sowieso nicht an", brachte ein Kumpel die Erfahrung von Niederberg ein, wo er seit 1980 arbeitete. Dort wurde unterstützt von der Betriebsgruppe der MLPD und der Zeitung "Spitze Hacke" der Einsatz der PCB-haltigen Öle unter Tage 1984 aufgedeckt und ein breiter Widerstand organisiert. Davon ausgehend sah sich die RAG gezwungen, den Einsatz des Öls nach und nach auf allen Zechen zu verbieten.


Alle stimmten zu, dass wir auch gesellschaftliche Verantwortung dafür haben, dass für die Zukunft solch einem Verhalten der Konzerne ein Riegel vorgeschoben wird. Hier haben wir eine Verantwortung für die Jugend.


Zum Abschluss wurde noch über eine Resolution zur Solidarität mit dem langjährigen Sprecher der Bergarbeiterzeitung "Vortrieb", Stefan Engel diskutiert. Dieser war zugleich lange Jahre Vorsitzender der MLPD und wurde seit 2018 als "Gefährder" kriminalisiert.