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Statt "mit dem Virus leben" - Impfkampagne beschleunigen und Kinder ab Zwölf einbeziehen

Am Montag haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern „in Übereinstimmung mit der Bundesregierung“ entschieden, dass Zwölf- bis 17-Jährige grundsätzlich Corona-Impfungen mit Biontech- und Moderna-Impfstoff erhalten können.

Von Dr. med Günther Bittel
Statt "mit dem Virus leben" - Impfkampagne beschleunigen und Kinder ab Zwölf einbeziehen
(foto: MGA73 (CC BY-SA 4.0))

Die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA liegt schon seit Monaten vor. Die ständige Impfkommission (STIKO), angesiedelt bei der Bundesbehörde Robert-Koch-Institut (RKI), beklagt jedoch weiterhin fehlendes Datenmaterial und bleibt bei ihrer eingeschränkten Empfehlung, dass Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren nur dann geimpft werden sollen, wenn sie selbst einer Risikogruppe angehören oder ständigen Kontakt mit Risikopatienten haben, die nicht geimpft werden dürfen.

 

Offensichtlich sind beide Seiten nicht in der Lage, die dringenden Fragen wissenschaftlich zu klären – das wirft ein grelles Licht auf die Krise der bürgerlichen Wissenschaft und Medizin, die Bestandteil der Krise der bürgerlichen Ideologie ist. Allesamt verlangen sie, dass die Tests wieder „Selbstzahler-Leistung" und hetzen gegen die noch ungeimpften Erwachsenen, die jetzt eben selbst schuld sind.

 

Der Dieb schreit: „Haltet den Dieb!“ Wer hat denn das Informationschaos und Missmanagement verursacht, die „Querdenker“ verharmlosend mit Polizeischutz auch auf verbotenen Demos begleitet und spielt ständig die Gefahr einer vierten Welle der Pandemie herunter? Das waren doch die abermals gescheiterten Krisenmanager in Bundesregierung und Landesregierungen.

Unfähigkeit oder Absicht?

Die Mediziner-Plattform im Internationalistischen Bündnis befürwortet die Impfung von Kindern an zwölf Jahren, weil sie zusammen mit jungen Menschen insgesamt von Infektionen mit der hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus viel häufiger betroffen sind und die Symptome von Long Covid bei ihnen ähnlich wie bei Erwachsenen sind.

 

Die Mediziner-Plattform verlangt aber auch schon seit Ende letzten Jahres den Aufbau eines umfassenden Impfregisters, in dem unter strenger Beachtung des Datenschutzes Erfolg, Wirkungsdauer und Nebenwirkungen sämtlicher zugelassener Impfstoffe auch bezogen auf verschiedene Alters- und Risiko-Gruppen erfasst werden. Dann könnte wirklich der beste Impfstoff mit den wenigsten Nebenwirkungen für Kinder und Jugendliche ermittelt werden.

 

In den USA, Großbritannien und Israel wurden bereits Millionen Kinder und Jugendliche in der Altersgruppe von zwölf bis 17 Jahren gegen Corona geimpft. Entweder wurde versäumt, diese Daten umfassend auszuwerten oder sie werden im Interesse des Konkurrenzkampfs verschiedener Pharmamonopole zurückgehalten. Beidesmal ist es Ausdruck eines kolossalen Versagens des kapitalistischen Profitsystems und seiner staatlichen Krisenmanager.

Taktikwechsel der Regierungen

Nach der britischen Regierung unter Premierminister Boris Johnson schwenkt auch die Bundesregierung zunehmend auf das Mantra „Mit dem Virus leben“ um, hebt Gesundheitsschutzmaßnahmen weitgehend auf oder erklärt sie zur Privatsache des Einzelnen. Sie setzen auf eine schnelle Durchseuchung der Gesamtbevölkerung unter Verweigerung jeder Einschränkung, die den Profitinteressen der Monopole zu nahe käme.

 

Auf diese Weise "Herdenimmunität" zu erreichen, geht nur um den Preis weiterer Infektionen und Toten sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass neue Mutationen des Virus entstehen, gegen die eventuell die Impfstoffe weniger oder gar nicht wirksam sind.

 

Dieses Risiko fürchten auch diejenigen Kreise des herrschenden Monopolkapitals, die eine schnelle Impfung schon ab zwölf Jahren befürworten. Mit „Impfen, Testen, Maske“ liegen sie richtig, wollen aber notwendige Veränderungen wie kleinere Klassen, Raumlüftungen, Verbesserung der Schulgebäude vermeiden.

Vierte Welle trifft vor allem Ungeimpfte

In den USA grassiert aktuell wieder eine schlimme Welle, die Intensivstationen laufen voll, vor allem in Florida und Kalifornien. 99 Prozent der Menschen, die dort versterben, sind ungeimpft. Besonders niedrige Impfquoten herrschen in den Bezirken, die mehrheitlich für Donald Trump gestimmt haben.

 

Die Gegner des Impfens von Kindern behaupten oft pauschal, dass Kinder und Jugendliche keine schweren Verläufe haben. Richtig ist zwar: Die Mehrzahl der Kinder hat laut RKI einen asymptomatischen oder milden Krankheitsverlauf. Aber: „Der American Academy of Pedriatics zufolge wurden seit Beginn der Pandemie 3,85 Millionen Kinder in den USA positiv auf Covid-19 getestet. Davon mussten etwa 0,1 bis 1,9 Prozent im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt starben etwa 0,3 Prozent der infizierten Kinder.“² Das sind bezogen auf 3,85 Millionen Kinder immerhin 11.550!

 

Nach Ermittlung der britischen Gesundheitsbehörden sind unabhängig von der Schwere des Verlaufs in der akuten Phase der Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg ungefähr 10 Prozent der Infizierten durch das sogenannte Long-Covid-Syndrom betroffen. In dessen Rahmen erleiden deutlich mehr Kinder und Jugendliche eine Herzmuskelentzündung, als dies durch die Impfungen mit mRNA-Impfstoffen der Fall ist.

Kinder und Jugendliche impfen, um die Pandemie zu besiegen

Sowohl national wie auch im Weltmaßstab kann die Pandemie nur besiegt werden kann, wenn in Verbindung mit anderen Maßnahmen des Gesundheitsschutzes auch Kinder und Jugendliche weitgehend geimpft werden.

 

Der weltanschauliche Positivismus der bürgerlichen Wissenschaft ist nur zu einer beschränkten Verknüpfung einzelner Fakten in der Lage, nicht zu einer dialektischen Gesamtanalyse. Völlig zu Recht ist der Wahlkampf der Internationalistischen Liste / MLPD geprägt durch die Losung: Nur noch Krisen, eine Antwort: Sozialismus!