Eine Geschichte aus dem Hochwassergebiet

Eine Geschichte aus dem Hochwassergebiet

Verzweifelte Suche in Fluten und Schlamm

Mein Kollege wohnt mit seiner Familie in Swisttal-Odendorf, im von der Flutkatastrophe am 14./15. Juli stark betroffenen Rhein-Sieg-Kreis.

Von einem Korrespondenten aus Düsseldorf
Verzweifelte Suche in Fluten und Schlamm
Das Bild aus Hagen - kurz nach der Katastrophe - macht deutlich, mit welcher Wucht das Wasser kam (rf-foto)

28 Kilometer entfernt ist die Steinbachtalsperre, deren Damm nach den Starkregenfällen tagelang zu brechen drohte.

 

An diesem 14. Juli entschieden sich seine Frau und er, die letzten Tage ihres Urlaubs für einen Ausflug und ein Abendessen zu zweit zu nutzen, in einer historischen Wassermühle mit Hotel und Restaurant. Die Tochter blieb daheim, um sich um Haus und Katze zu kümmern. Im Laufe ihres Abendessens setzte der Sturzregen ein und der Wirt der Wassermühle äußerte besorgt, dass sie nun bald unter Wasser stünden, wenn das so weiter schüttete.

 

Mein Kollege ist freiwilliger Feuerwehrmann und bot dem Wirt sofort seine Hilfe an, sollte es so weit kommen. Dann kam der Anruf der Tochter. Alles ist überschwemmt, das Wasser dringt ins Haus ein und steigt rasch an. Mein Kollege und seine Frau ließen sofort alles stehen und liegen und fuhren durch die heftigen Regengüsse zurück nach Swisttal-Odendorf.

 

Dabei konnten sie sogar noch Bad Münstereifel passieren, das erst danach von der Flut erfasst wurde. Aber in Swisttal-Odendorf gab es kein Weiterkommen mehr. Der Ort lag bereits in einem See. Die Verbindung zur Tochter war abgebrochen. Das gesamte Mobilfunknetz war außer Funktion. Mein Kollege watete zu seinem Haus, in der Hoffnung, die Tochter zu finden.

 

Fünf Stunden lang, hüfthoch im braunen, schlammigen Wasser, das teils noch reißend dahinschoß, im Dunkeln, selbst in Lebensgefahr, suchte er nach der Tochter. Aufgrund der Finsternis und des undurchdringlichen dreckigen Wassers sah man nicht, wohin man trat, wo Trümmer oder Untiefen lauerten (wie offene Kanalschächte), gefährdet durch herum schwimmendes Treibgut.

 

Zwei Tage lang blieb die Tochter verschollen, die ja selbst keine Möglichkeit mehr hatte, mit den Eltern in Kontakt zu treten. Nach zwei Tagen die Erlösung: die Tochter ist unversehrt und hatte sich zu Freunden retten können. Aber Haus, Einrichtung, zwei von den drei Autos der Familie, die sie berufsbedingt brauchen – alles zerstört. Das Haus, ein alter Fachwerkbau, muss kernsaniert werden.

 

Das Warten auf die Versicherungsgutachter, die Bestellung von Handwerkern, die jetzt kaum noch zu kriegen sind, das zerrt an den Nerven. Der gröbste Schlamm ist beseitigt, aber ohne Versicherungsgutachter und Handwerker geht nichts mehr voran. Eine Geschichte von vielen. Geschichten, die von Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, Mut und Zusammenhalt erzählen. Und keine Geschichten von lachenden, feixenden Laschets, betont sorgenvollen Politikermienen, denn - natürlich - kann es jetzt nicht um Wahlkampf gehen!

 

NRW-Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat bei einem Besuch in Swisttal-Odendorf von Bewohnern dort eine scharfe Abfuhr erhalten, als sie ihn einen Versager schimpften und erbittert feststellten, dass sie hier noch keinen Politiker gesehen hätten, der den Schlamm wegräumt. Und das ist richtig: Mit solchen Monopolpolitikern wie Laschet, Scholz oder Baerbock ist keine Zukunft zu machen.