Erfurt und München

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GDL: „Wenn es nötig ist, gehen wir in den unbefristeten Streik"

Am gestrigen Dienstag, dem 24. August, besuchten wir von der Wählerinitiative „Tassilo Timm" (Direktkandidat Erfurt-Weimar) die streikenden GDL-Kolleginnen und -Kollegen am Erfurter Hauptbahnhof.

von Korrespondenten

Die optimistische und selbstbewusste Stimmung war regelrecht ansteckend. Wir beglückwünschten sie zu ihrem mutigen Streik. Sie berichteten von der stetigen Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. So haben sie teilweise tägliche Arbeitswege von 80 km, da Stück für Stück mehrere Dienststellen wie in Eisenach, Meiningen oder Arnstadt wegrationalisiert wurden, was zur Folge hat, dass die Zugbegleiter für ihren Arbeitsantritt täglich nach Erfurt pendeln müssen. Die Ausbildung für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurde ebenfalls zusammengestrichen: alle Azubis müssen nun für ihre Lehrgänge nach Leipzig.

 

Über die Hetze in den Medien schüttelten sie nur mit dem Kopf: „Wenn man unsere Lohnforderung mal konkret ausrechnet, dann ist das sogar noch unter der Inflation. Was ist daran überzogen?" Zum Vorwurf, dass der Streik die Corona-Situation in den während des Streiks verbliebenen Zügen verschlechtert, sagen sie: „Seit 1,5 Jahren haben wir täglichen Nah-Kontakt zu Kunden. Wir waren aber als letztes dran mit den Impfungen. Und plötzlich spielt Corona für den Bahn-Vorstand eine Rolle?"

 

In allen Gesprächen stellten wir die Bewegung „Gib Antikommunismus keine Chance!" vor und argumentierten, dass es auch Antikommunismus ist, wenn so gegen den Streik gehetzt wird. In den Medien kommen nur Argumente von Streik-Gegnern, aber keine Lokführer selbst zu Wort. Ein Kollege kaufte das Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus", weil er sich Gedanken darüber machte, wie wir es unter den heutigen Bedingungen schaffen, das Bewusstsein der Kollegen zu erhöhen. Viele rechnen damit, dass der Streik in die nächste Runde geht.

 

Auch in München fand gestern um 12 Uhr eine Kundgebung der streikenden Lokführer und Bahnbeschäftigten statt. Unser Korrespondent berichtet: "Es kamen ungefähr 200 Kolleginnen und Kollegen. Die Stimmung war sehr gut und kämpferisch, man spürte total den Stolz der Kolleginnen und Kollegen auf ihren gelungenen Streik. Die kämpferischen Redebeiträge der Gewerkschaftskollegen bekamen viel Beifall. Eines ihrer größten Anliegen sind geregelte Arbeitszeiten und rechtzeitige Schichtpläne. Einmal um 5 anfangen, dann überraschend wieder zu einer ganz anderen Uhrzeit, das ist Stress pur und nervt. Sie bedankten sich für die Solidarität der Internationalistischen Liste / MLPD und dass wir ihren Kampf breit bekannt machen und in der Bevölkerung für Unterstützung werben."