Berlin

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Kämpferische Demonstration von Siemens-Energy-Kolleginnen und -Kollegen

Etwa 600 Kolleginnen und Kollegen vor allem der Berliner Turbinenfabrik beteiligten sich gestern ab 10 Uhr an der IG-Metall-Demonstration zum Dorint-Hotel am Ku-Damm in Berlin.

Korrespondenz

Kleinere Solidaritätsdelegationen anderer Berliner Betriebe, des IG-Metall-Seniorenarbeitskreises und eine Grußadresse der Erlanger Siemens-Energy-Belegschaft (SE) wurden herzlich begrüßt. Im Hotel tagte die sogenannte „Einigungsstelle“. Zuvor waren die monatelangen bundesweiten Verhandlungen über einen vermeintlich „sozialverträglichen“ Abbau von 3000 Arbeitsplätze in Deutschland gescheitert. Interessant ist, dass erstmals in der Siemens-Geschichte diese Einigungsstelle nicht von der IG Metall bzw. vom Betriebsrat, sondern vom Siemens-Energy-Management selber angerufen wurde.

 

Wie ist das zu beurteilen? Schon die radikale Abspaltung des Energybereichs zeigte, dass die Siemens-Kapitalisten zukünftig härter durchgreifen wollen, um die gefallene Profitrate wieder zu steigern. Es war schon fast peinlich, wie oft die verschiedenen offiziellen IG-Metall-Rednerinnen und Redner den Energy-Vorstand „zur Rückkehr an den Verhandlungstisch“ und zu „vernünftigen Lösungen“ aufforderten. Was soll denn am Abbau auch nur eines einzigen Arbeits- und Ausbildungsplatzes vernünftig sein?

 

Andererseits kündigte im gleichen Atemzug Jan Otto, neuer Berliner IG-Metall-Bevollmächtigter, an, dass „sonst die letzte Eskalationsstufe bevorsteht. Wir werden dann diesen Konflikt auf die tarifliche Ebene heben, und das heißt nichts anderes als unbefristeter Streik!“ Seine kämpferische Rede stieß auf viel Beifall. In Diskussionen äußerten sich einige Kollegen aber auch skeptisch: „Wäre ja schön, wenn die IG Metall endlich mal wieder richtig kämpft. Aber, wie will man denn gewinnen, wenn der Gegner an der ganzen Front angreift und wir nur einen einzelnen Betrieb verteidigen?“

 

Der Vorschlag nach einem konzernweit koordinierten Aktions- und Streiktag aller Siemens-Energy-Betriebe als nächstem Schritt stieß auf viel Zustimmung. Mehrere Genossen der MLPD unterstützten die Demo aktiv und berichteten von tiefgehenden Gesprächen über die immer krisenhaftere Situation in der Welt. Viele Kollegen nahmen Wahlzeitung und Wahlprogramm der MLPD, um sich näher über die sozialistische Alternative zu informieren – die Frage der Wahl der MLPD ist ebenfalls in der Diskussion!