Tarifauseinandersetzung im Einzel, - Groß- und Außenhandel in NRW

Tarifauseinandersetzung im Einzel, - Groß- und Außenhandel in NRW

„Ohne uns kein Geschäft“

„Ohne uns kein Geschäft“ und „heute ist kein Arbeitstag, heute ist ein Streiktag“ - lautstark zogen 2000 ver.di-Kolleginnen und Kollegen aus ganz Nordrhein-Westfalen am Donnerstag, dem 9. September 2021, durch die Dortmunder Innenstadt.

Von Korrespondenten aus Dortmund
„Ohne uns kein Geschäft“
Kämpferische Demonstration der streikenden Kolleginnen und Kollegen im Handel von NRW (rf-foto)

Sie waren mit 80 Bussen aus rund 160 Betrieben des Einzel-, Groß- und Außenhandels nach Dortmund gekommen. Ver.di fordert für die Beschäftigten im Einzelhandel einen Mindestlohn von 12,50 € pro Stunde. Und in beiden Branchen (Einzelhandel und Groß- und Außenhandel) 4,5 % mehr Lohn und 45 € mehr für die Auszubildenden bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

 

„Die Angebote, die wir bisher bekommen haben, sind unter aller Sau“, sagte ver.di-Gewerkschaftssekretär Ortwin Auner und bekam dafür viel Beifall auf der Kundgebung. Ver.di und den Kolleginnen fordern außerdem vehement die Zustimmung der Unternehmer, dass die Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt werden. Damit soll verhindert werden, dass Betriebe und Unternehmen, die nicht der Tarifbindung unterliegen, mit Dumpinglöhnen die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben mit Tarifverträgen unter Druck setzen.

 

Der Kreisverband der MLPD hatte eine Solidaritätserklärung verfasst, die von den Verantwortlichen von ver.di freundlich entgegengenommen wurde. Genossinnen und Genossen der MLPD verteilten Wahlzeitungen und das Wahlprogramm der Internationalistischen Liste/MLPD an die Streikenden. Die Reaktion war geteilt. Etwa die Hälfte der Angesprochenen lehnte ab, ein Teil meinte „hab schon gewählt“. Die eine Wahlzeitung nahmen, waren sehr aufgeschlossen. Mit den meisten war man sich sehr schnell einig, dass der Kapitalismus in einer tiefen Krise steckt und man sich Gedanken über grundlegende Alternativen machen muss. Deshalb wurde das Wahlprogramm „Nur noch Krisen, eine Lösung: Sozialismus!“ auch gerne genommen.

 

Einige Kolleginnen und Kollegen begrüßen es ausdrücklich, dass mit der MLPD noch „eine andere Partei“ vertreten war. Denn auf der Kundgebung waren außer dem SPD-Oberbürgermeister, der Bundestagskandidatin der SPD auch der Bundesvorsitzende der SPD Norbert Walter-Borjans vertreten. Walter-Borjans nutzte die Kundgebung um Wahlwerbung für die SPD zu machen. Das kam nicht bei allen Kolleginnen und Kollegen gut an, was sich am relativ schwachen Beifall zeigte. Typischerweise lief Borjans nur kurze Zeit an der Spitze des Demonstrationszuges und bog dann ab. Das veranlasste einen Kollegen zu dem Kommentar: "Typisch SPD - zuerst sich an die Spitze stellen und dann rechts in die Büsche schlagen“.

 

Die vierten Verhandlungen für die 336.000 Beschäftigten im Groß- und Außenhandel am 10. September sind ergebnislos abgebrochen worden, nachdem die Handelskonzerne kein verbessertes Verhandlungsangebot vorgelegt hatten. Sie fordern für 2021 eine Nullrunde und eine Einmalzahlung von 150 € im Juli für sogenannte „gesunde“ Unternehmen. Erst im Juli 2022 wollen sie 1,5 % mehr Lohn und Gehalt zahlen. Angesichts der hohen Inflation wäre dies ein nicht zu akzeptierender massiver Reallohnabbau für die Kolleginnen und Kollegen. Die MLPD und die Internationalistische Liste/MLPD werden die Solidarität mit dieser Auseinandersetzung in NRW organisieren und den Kampf in Betrieben, in Wohngebieten, in Gewerkschaften, in anderen Kämpfen und nicht zuletzt im Wahlkampf zum Thema machen.